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Weltweit Der neue Lucky Luke: Unterwegs auf dem Rad
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18:08 02.05.2019
Was ist das denn? Lucky Luke muss das Fahrrad erst zusammenbauen. Quelle: Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved – by Mawil.

Der neue „Lucky Luke“ ist in jeder Hinsicht besonders – er sieht nicht nur anders aus als das Original, sondern er stammt erstmals auch von einem deutschen Zeichner: Mawil. Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er über den Band und den einsamen Cowboy.


Sie sind erste Deutsche überhaupt, der einen Lucky-Luke-Comic gezeichnet hat. Wie kam es dazu?

Der Verlag Egmont, in dem Lucky Luke erscheint, ist auf mich zugekommen. Die waren auf der Suche nach einem deutschen Zeichner. Ich habe dann kurz überlegt. Schließlich habe ich mir bislang die Figuren in meinen Comics immer selbst ausgedacht und nichts Vorgegebenes gezeichnet. Aber es ist natürlich eine große Ehre, und deshalb habe ich dann auch zugesagt.

Wird der Band dann auch in Frankreich veröffentlicht?

Ob das Buch in Frankreich erscheint, ist noch offen. Ich schätze, die warten erst einmal ab, wie der Comic jetzt hier in Deutschland läuft, und entscheiden dann.

Haben Sie denn eine besondere Beziehung zu Lucky Luke?

Ich bin schon seit frühester Kindheit Comicfan. Ich habe schon mit acht, neun Jahren meine ersten Comics gezeichnet, da gibt es noch alte Hefte. Und ich habe natürlich alles, was es an Comics gab, gelesen. Das war allerdings im Osten damals nicht so viel. Wir hatten die Mosaik-Hefte, die ganz gut waren. Die wenigen West-Comics, die rüberkamen, haben wir immer und immer wieder gelesen. Ich hab schon als Kind gemerkt, dass man so einen Asterix oder einen Lucky Luke öfter lesen kann als nur einmal, weil darin so viele Details und mehr Liebe stecken als etwa in einem Lustigen Taschenbuch. Ich war auf jeden Fall schon damals ein Fan von Lucky Luke.

Sie sagten eben, es sei eine große Ehre, Lucky Luke zu zeichnen. Hatten Sie Respekt oder sogar Angst vor der Aufgabe?

Ja, am Anfang schon. Ich wusste, dass das Heft eine Riesen-Startauflage haben wird. Und ich hatte ein bisschen Bammel vor den Hardcore-Fans, die vielleicht sagen: „Ne, der muss aber so aussehen.“Oder: „Das ist aber nicht typisch für Lucky Luke.“ Ich musste dann auch zwei Beispielseiten und ein paar Skizzen für die Rechteinhaber entwickeln, damit die ihr Okay geben. Und deswegen war ich am Anfang schon ein bisschen verkrampft. Aber irgendwann habe ich mir gesagt, es ist ja ein Band aus der Hommage-Reihe und soll ja gar nicht so aussehen, wie ihn einst der Originalzeichner Morris entworfen hat. Und dann hab ich irgendwann einfach angefangen. Ich hatte schließlich auch nur ein Jahr Zeit.

Mawil: „Lucky Luke sattelt um“, Egmont, 64 Seiten, 8 bzw. 15 Euro. Quelle: Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved - by Mawil

Sie sagten, Sie mussten ein paar Skizzen an die Rechteinhaber schicken. Gibt es denn viele Vorlagen oder gar Verbote von dieser Seite?

Es hieß nur, dass es in der Welt von Lucky Luke spielen soll und es natürlich keinen Alkohol, keine Drogen geben darf. Ursprünglich hatte Lucky Luke ja geraucht, aber das macht er seit Jahren auch nicht mehr. Einmal musste ich allerdings in Frankreich nachfragen, weil ich meine Figuren immer mit drei, statt mit vier Fingern zeichne und wollte das bei Lucky Luke so beibehalten. Das war aber kein Problem. Also hat er jetzt drei Finger. Und am Ende musste ich noch drei Sprechblasen etwas umformulieren, da hatten Figuren – gar nicht mal Lucky selbst – ein wenig zu derb geflucht. Das musste ich noch etwas entschärfen. Es soll ja ein Comic für die ganze Familie sein. Aber ansonsten war ich frei.

Sie haben Lucky Luke in Ihrem Comic von seinem Pferd Jolly Jumper getrennt und ihn auf ein Fahrrad gesetzt. Auf dem muss er die gesamten USA durchqueren. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Ich musste halt überlegen, was ein gutes Thema für den Comic sein könnte. Ein Thema, das noch keiner hatte. Und es gibt ja schon so viele. Zuerst habe ich gedacht, mir etwas über deutsche Auswanderer ausdenken, um vielleicht auch mal ein paar Klischees über Deutsche zu bearbeiten. Aber das war dann doch so ein supersuperschweres Thema. Ich bin selbst ein begeisterter Fahrradfahrer und wollte sowieso mal ein Buch übers Radfahren zeichnen. Ich habe dann ein bisschen recherchiert und rausbekommen, dass es historisch ganz gut hinkommt: Die Lucky-Luke-Geschichten spielen ja in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und da ging es mit den modernen Fahrrädern so gerade los. Ein klein bisschen knirscht es historisch, aber es haut hin.

Was fasziniert Sie denn so an Fahrrädern?

Ich bin der festen Überzeugung, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn mehr Menschen Fahrrad fahren würden. Das Fahrrad ist eines der wenigen Menschheitserfindungen, bei denen die Vorteile klar überwiegen. Das ist eine der wenigen Messages in meinem Lucky Luke. Also Leute, fahrt mehr Fahrrad! Es tut Euch gut und der Umwelt!

Die beiden Fahrradhändler Albert Overmann und Albert Pope, die in Ihrem Buch bittere Konkurrenten sind, sind ja historisch verbriefte Figuren. Haben Sie die auch bei der Recherche kennengelernt?

Ja. Ich habe gelesen und sie dabei entdeckt. Das heutige Fahrrad wurde zwar in England erfunden, aber die beiden haben es in den USA verbreitet. Overmann früher als Pope, aber Pope war wirtschaftlich erfolgreicher. Ich habe es dabei so gehalten, wie Luckys Originalzeichner Morris: Der hat sich ja auch oft historische Originalfiguren für seine Geschichten geschnappt und mit ihnen dann frei hantiert.

Warum kommen denn die Daltons nicht vor?

Das habe ich überlegt. Und ich habe auch darüber nachgedacht, Rantanplan mit reinzunehmen. Aber das sind beides Figuren, die so großartig sind, dass sie die Geschichte zu stark dominiert hätten. Ich habe dann mit Smith und Wesson eine kleine Böse und einen großen Doofen entworfen, quasi als Quintessenz der Daltons.

Sie haben ja bislang etwa mit „Kinderland“ autobiografische Comics gezeichnet. Wie war jetzt der Wechsel zu einer vorgegeben Figur?

Das war etwas ungewohnt, weil meine Figuren ja immer eher Loserfiguren sind und nicht so cool wie Lucky Luke. Die Figur des Lucky Luke ist wie Asterix oder Tim aus Tim und Struppi eine Figur, die ziemlich perfekt ist. Die leben ja eher davon, dass sie auf enorm verrückte Gegenspieler treffen. Mir fiel es am Anfang ein bisschen schwer, mit solch einer supercoolen Figur zu arbeiten. Ich habe ihn dann ein bisschen meinen Vorstellungen angepasst: Mein Lucky kann zwar auch supergut schießen, und es gibt ein paar Szenen, in denen er sich mit seinen Schüssen aus der Gefahr rettet. Aber er begibt sich auf dieses Fahrrad, das ist für ihn ungewohntes Terrain. Und deshalb muss er bei mir auch ein bisschen mehr leiden und schwitzen und sich im wahrsten Sinne des Wortes abstrampeln. Aber am Ende schafft er natürlich doch alles.

Der Fahrradunternehmer Overman müsste Ihnen als Losertyp dann ja am Herzen liegen, oder?

Das ist ein Typ, der in seinem Sozialverhalten und physisch eher meinen sonstigen Figuren entspricht. Ich wollte natürlich der Geschichte auch einen eigenen Stempel aufdrücken.

Im vergangenen Jahr hat Ihr Kollege Flix einen Band aus der Spirou-Reihe gezeichnet, Sie nun den Lucky Luke. Sehen Sie das auch als Auszeichnung für die deutsche Comic-Szene?

Ja. Wir Deutschen haben zwar Wilhelm Busch als Urvater der Comics. Und es gibt ja auch viele gute Zeichner. Aber so wie ich die deutsche Comicszene in den vergangenen 20 Jahren erlebt habe, haben sich viele immer an Vorbilder orientiert: viele an den amerikanischen Superhelden, manche so wie Flix oder ich eher an den Zeichnern aus dem franko-belgischen Raum oder in den vergangenen Jahren einige an japanischen Mangas. Aber die deutsche Comicszene ist selbstbewusster geworden, und es geht langsam aufwärts.

Von Kristian Teetz/RND

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