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Weltweit „Die Welt braucht mehr Blödsinn!“
Nachrichten Kultur Weltweit „Die Welt braucht mehr Blödsinn!“
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10:55 24.04.2014
Von Volker Wiedersheim
Verleihung des Kleinkunstpreises Spezialist im Schauspielhaus: (v.l.n.r.) Desimo, Matthias Brodowy, Maxi Gstettenbauer, Tobias Mann, Nils Heinrich. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Zum elften Mal wurde der Publikumspreis vergeben: Die Besucher der oft ausverkauften „Club“-Abende im Apollo-Kino haben bei zwölf Shows Punkte für die Comedians und Kabarettisten verteilt. Die drei Gewinner erhielten am Dienstagabend im voll besetzten Schauspielhaus ein Preisgeld von jeweils 2000 Euro und die gewichtige Trophäe aus Bronze namens „Bunte Tüte“.

Detlef Simon, bekannt als Desimo, überwindet in seiner Eröffnungsrede Denkbarrieren, fordert die Menschen auf zu irritieren. Sie sollen sich mal im Fitnessstudio mit einem Mojito auf einen Anglerstuhl setzen, beim Schwitzen zugucken und „Hepp, hepp, hepp!“ rufen. Sie sollen sich bei einem Medizinerkongress durch die Menge drücken und schreien: „Lassen Sie mich durch - ich bin Arzt“. Sie sollen zu Angela Merkel an den Regierungstisch treten und sagen: „Und - was machen Sie so?“ Desimos Appell: „Die Welt braucht mehr Blödsinn.“

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Genau! Dafür sind die drei Gewinner da. Der erste Trophäenträger, sein Laudator ist Hannovers Vorzeigekabarettist Matthias Brodowy, der geehrt wird, ist Maxi Gstettenbauer, ein Nerd aus Niederbayern. Alles dreht sich bei ihm um den Alltag der „Generation 2.0“. Er erzählt vom ersten Mal, als er seine kleine Show auf YouTube hochlädt. Da zählt er 100 000 Besucher und denkt, das ist viel. Nichts da. Er guckt weiter, sieht „Katze beim Kacken“ und die Klickzahl: „250 - Millionen!“ Ähnlich überrascht worden ist er kürzlich beim „Chillen auf Yourporn“: Plötzlich poppe zwischen zwei nackten Asiatinnen das Gesicht seiner Mutter auf - mit einer Freundschaftsanfrage auf Facebook. Hölle!

Der nächste Gewinner, Tobias Mann, richtet in einem Stück am Piano erst ein Massaker unter seinen Nachbarn an, weil die ihn mit ihren lauten Heckenscheren nerven, um später Goethes „Faust“ auf 5.20 Minuten zu komprimieren und die Gretchenfrage als Rap zu stellen - „,Faust reloaded‘. Man muss die Jugendlichen da abholen, wo sie sind“, sagt der Mann aus Mainz.

Noch mehr Songs gibt es zwischendurch von Kuersche und der Band Ex-Members of Fury, die der hannoversche Sänger im vergangenen Jahr gemeinsam mit Rainer Schumann (Schlagzeug), Christian Decker (Kontrabass) und Gero Drnek (Gitarre) gegründet hat. Auch im Publikum sitzen bekannte Gäste, darunter Oberbürgermeister Stefan Schostok. Die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur hatten sich schon vor der Show in der „Minibar“ am Thielenplatz getroffen. Auch das „Vorglühen“ auf Einladung der Sponsoren htp, Fahrgastfernsehen und Üstra hat schon Tradition.

Der dritte Preisträger kennt sich wärmstens in Hannover aus: Er hat Anfang der neunziger Jahre in der „Holländischen Kakaostube“ als Konditor am Backofen gearbeitet. In Hannover, erzählt er, hatte er seine erste eigene Wohnung, die erste eigene Fury-CD, und nie Internetempfang - so wie an diesem Abend im Schauspielhaus. Heinrich resümiert: „Alles beginnt und endet in Hannover - welcher Politiker weiß das nicht.“

Besonders komisch ist, wenn Heinrich einen Dialog zwischen einem Pfleger und einem Mann mimt, der einst bei Helmut Kohls Neujahrsansprache eingeschlafen ist. Als der Mann 20 Jahre (!) später erwacht, fragt er: „Was machen die Leute jetzt so in ihrer Freizeit. Was sind die Trends?“ Pfleger: „Nun, alle sind jetzt im Internet, da kann man sich bei Facebook mit seinem Lieblingsbrotaufstrich anfreunden oder mit den Leuten, die man vor 20 Jahren in der Schule für Arschlöcher gehalten hat. Außerdem rasieren sich jetzt alle die Schamhaare und haben Laktoseintoleranz.“ Und das ist nur der Anfang.

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