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Weltweit Deutscher Nachwuchsfilmpreis in Hannover vergeben
Nachrichten Kultur Weltweit Deutscher Nachwuchsfilmpreis in Hannover vergeben
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19:19 22.11.2009
Von Stefan Stosch
Sieger aus Hannover: Anna Kasten mit Patrick Schulz (links) und Joshua Heyck. Quelle: Martin Steiner
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Moderator Alan Bangs war irgendwann beim Dauermoderieren die Stimme abhandengekommen, die übermüdete internationale Jury sortierte nach langer Nachtschicht noch während der Preisverleihung gestern morgen die Siegerumschläge, und die deutsche Jury klagte im proppevollen Kino im Cinemaxx in der Nikolaistraße über die Schwierigkeiten, aus so vielen guten Filmen die noch besseren herauszufiltern: Das dreitägige 10. hannoversche „Up and Comig“-Filmfestival hatte den Teilnehmern sichtlich Kondition abverlangt, doch waren alle begeistert vom Können des filmenden Nachwuchses. Beinahe alle Vorstellungen der gestern zu Ende gegangenen Marathonveranstaltung waren nach Veranstalterangaben ausverkauft.

Mehr als 200 Wettbewerbsfilme konkurrierten im nationalen und internationalen Wettbewerb. Dreimal vergaben die Juroren den mit je 2000 Euro dotierten Deutschen Nachwuchsfilmpreis – ein Titel, den kein anderes Festival verwenden darf. Justin Peach (geboren 1982) aus Mainz holte sich die Auszeichnung für seine präzise und keinesfalls mitleidheischende Dokumentation „Kleine Wölfe“ über den Überlebenskampf von Straßenkindern in Katmandu. Axel Ranisch (1983) aus Berlin beeindruckte mit dem skurril-sympathischen Spielfilm „Glioblastom“ über die Selbstfindung einer jungen Frau. Und Florian Schnell (1984) aus Ludwigsburg überzeugte besonders mit der Bildsprache von „Hybris“, einer comichaften Animation über einen ungewöhnlichen Ikarus.

Die Entscheidungen am Sonntagmorgen spiegelten die Vielseitigkeit des Festivals. Ohne jeden kommerziellen Druck probieren sich junge Filmemacher aus. Mindestens ebenso wichtig wie das Preisgeld dürfte für sie sein, dass ihnen nun für zwei Jahre renommierte Produzenten (Hans W. Geißendörfer, Bettina Brokemper, Christian Becker) als Paten zur Seite stehen, die sie bei ihrem nächsten Projekt beraten. Ein Preis im nationalen Wettbewerb ging auch nach Hannover: Regisseurin Anna Kasten (1981) erzählt in „Regenbogenengel“ die Geschichte vom Selbstmord eines Teenagers – aus der Perspektive des kleinen Bruders. Für dieses aufklärerische Werk über Mobbing und Diskriminierung durften sich Kasten und ihre beiden Darsteller Joshua Heyck und Patrick Schulz auf der Cinemaxx-Bühne den Publikumspreis abholen.

Die Herkunftsorte der Preisträger im internationalen Wettbewerb sagen viel über die Anziehungskraft des „Up and Coming“-Festivals: Filme aus dem Iran, China und der Schweiz wurden mit dem „International Young Film Makers Award“ ausgezeichnet. Der Chinese Kwok Zune war um die halbe Welt gejettet, um in Hannover seinen 18-minütigen, halbdokumentarischen Film „A Day in Life“ über eine alte Frau in Hongkong zu präsentieren. Beinahe fehlten dem 24-Jährigen die Worte, als er seine Trophäe in Empfang nahm. In dem iranischen Film „Baba Ab Dad“ des Iraners Mahdi Jafari (1982) geht es um die Solidarität zwischen zwei Schulkinder, die gegen ihren Lehrer zusammenhalten. Der dritte Siegerfilm „Die Kinder im Mond“ von der Schweizerin Ursula Ulmi (1981) ist ein bezauberndes Animationsmärchen, das direkt in den Sternenhimmel entführt.

Geld gibt es für die internationalen Sieger nicht, aber ganz überraschend dürfen sie sich nun auch über eine Patin freuen. Jurorin Valerie Saunders von der dänischen Produktionsfirma Zentropa von Lars von Trier („Dancer in the Dark“, „Antichrist“) war so beeindruckt von der „unglaublichen Kreativität der Filme und der einmaligen Atmosphäre des Nachwuchswettbewerbs“, dass ihr Studio die Gewinner bei der Entwicklung ihrer nächsten Drehbücher unterstützen will.

Wenn alles nach Wunsch verläuft, wird man folglich einigen der jetzt Geehrten in zwei Jahren in Hannover wiederbegegnen können: Dann ist das 11. internationale „Up and Coming“-Filmfestival terminiert.

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