Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Die Künstlerin Jeanne-Claude ist gestorben
Nachrichten Kultur Weltweit Die Künstlerin Jeanne-Claude ist gestorben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:25 19.11.2009
Von Johanna Di Blasi
Die Künstlerin Jeanne-Claude ist am Mittwoch gestorben Quelle: afp
Anzeige

Wie in der Amour fou die Rollen verteilt waren, deutet der von Jürgen Neffe 1996 in einem „Spiegel“-Artikel notierte Dialog der beiden an.

Er: „Noch fünf Meilen bis zum ersten Punkt Null.“

Sie (ins Walkie-Talkie):Christo sagt, noch fünf Meilen bis zur ersten Null, over.“

Er (laut): „Lass uns gleich dorthin fahren, Chérie.“

Sie: „Aber wir fahren doch, Darling. Kein Grund, so zu schreien.“

Er (schreit): „Wer schreit denn hier?“

Sie: „Reg dich nicht auf, Darling.“

Er: „Du hast recht, Chérie, ich soll nicht immer so negativ sein.“

Sie reisten damals mit ihrem Team durch die USA – auf der Suche nach einem zur Verpackung geeigneten Fluss für ihr Projekt „Over The River“.

Am Mittwochabend starb die Partnerin des Verpackungskünstlers Christo, deren Markenzeichen die karottenrote Mähne war, im Alter von 74 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus an einer Gehirnblutung. Das letzte spektakuläre Werk der beiden und die Krönung ihrer gemeinsamen Arbeit war vor vier Jahren die Installation „The Gates“ im New Yorker Central Park. Im Winter 2005 ließen die beiden in einem gewaltigen Kraftakt auf den Wegen des Parks 7503 Tore aufstellen, an denen auf einer Strecke von 37 Kilometern safrangelbe Stoffe flatterten. Die Kosten beliefen sich auf 21 Millionen Dollar, die die Künstler durch den Verkauf von Zeichnungen, Collagen und Studien aufbrachten.

Nicht weniger aufsehenerregend war 1995 ihre Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes. 90 professionelle Kletterer halfen, 100.000 Quadratmeter Folie mit 15.600 Meter Seilen anzubringen. Die größte Kunst bei dieser und vielen anderen Aktionen der beiden war es wohl, Genehmigungen von meist skeptisch eingestellten Behörden zu bekommen. Oft zog sich nervtötender Schriftverkehr über Jahrzehnte hin, bis die beiden gleichermaßen sturen Genies ein Vorhaben umsetzen konnten. Sie ließen einfach nie locker. „Offenbarung durch Verbergen“ nannte ein Kritiker einmal ihr obsessives Werk.

Ohne Jeanne-Claude, so sagten viele Beobachter, ging in der Firma Christo gar nichts. Und so stellt sich nach dem Tod der energischen Muse, Mitarbeiterin und Managerin Christos, die seit Mitte der neunziger Jahre als gleichrangige Cokünstlerin auftrat, die Frage, ob Christo ohne sie überhaupt weitermachen kann.

„Er denkt, und sie lenkt“ – so hieß es. Die energische Generalstochter aus französischem Hochadel gab als ihr Geburtsdatum den 13. Juni 1935 an – es ist auch Christos Geburtsdatum. Während Christo Vladimirov Javacheff in Bulgarien als Sohn eines später enteigneten Industriellen zur Welt kam, wurde Jeanne-Claude in Casablanca geboren. In den fünfziger Jahren lernten sich die beiden in Paris kennen, wo Christo sich als Porträtmaler durchschlug und auch die altadlige Mutter Jeanne-Claudes malte. Gegen wütenden Protest der Eltern Jeanne-Claudes heirateten die beiden. Sie brachte ihren afrikanischen Windhund mit in die winzige Pariser Wohnung. Die beiden lebten anfangs von der Hand in den Mund. Später verdienten sie Millionen, die sie sogleich wieder in phantastische Projekte umsetzten, wie Verhüllungen von Bäumen, Brücken oder ganzen Tälern.

Noch als ältere Dame nannte sie ihn einen „großartigen Liebhaber“. Als eine Windböe einmal eine mühsam angebrachte Plane zerriss, soll Jeanne-Claude in Tränen ausgebrochen sein. Ihr Mann tröstete sie: „Chérie, es ist ja nur ein Vorhang“, soll er gesagt haben.

Partner, die sich wechselseitig anspornten, gab es in der Kunst des 20. Jahrhunderts eine ganze Reihe: Paula Modersohn-Becker & Otto Modersohn, Frida Kahlo & Diego Rivera oder Niki de Saint Phalle & Jean Tinguely. Mit den letztgenannten waren Christo und Jeanne-Claude sogar gut bekannt. In keiner dieser künstlerischen Paarbeziehungen aber waren die Rollen so klar verteilt wie bei den beiden Verpackungsartisten.

Er, ein etwas verhuschter, verträumter Mann, konnte seinen Visionen nachhängen, während die energische Frau Rechnungen schrieb und Ausstellungen organisierte. „Solange noch einer von uns sehen und einer gehen kann, werden wir weitermachen“, sagte sie einmal. Sie starb mitten im Arbeitseifer. Der Arkansas River in den USA soll auf einer zehn Meter langen Strecke überdeckt werden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen 400.000 Ölfässer aufgestapelt werden. Christo fühle sich verpflichtet, die laufenden Arbeiten zu vollenden, hieß es am Donnerstag.

Der Kinostart von „New Moon“, dem zweiten Teil der „Twilight“-Saga, ist von Januar 2010 auf den 26. November vorverlegt worden – auf Drängen der zahlreichen Fans.

Johanna Di Blasi 21.11.2009

Im Januar kommen die Riesenechsen in die TUI-Arena: Die Show „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ holt dann die Urzeit auf die Bühne.

Dany Schrader 19.11.2009

Viele Verlage aus den neuen Bundesländern sind heute nur noch Geschichte. Immerhin einige haben überlebt – wie Hinstorff in Rostock.

Martina Sulner 18.11.2009