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Weltweit Documenta-Spektakel geht zu Ende
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18:53 14.09.2012
Windhund „Human“ (rechts) war ein Star der documenta. Ab Montag soll er wieder ein normales Hundeleben führen.
Windhund „Human“ (rechts) war ein Star der documenta. Ab Montag soll er wieder ein normales Hundeleben führen. Quelle: dpa
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Kassel

Als „phantastischer Kosmos“, „Bazaar Bizarre“ und „dogumenta“ ist die 13. Ausgabe der Kasseler Weltkunstschau bezeichnet worden. Wohl nie zuvor war das Band dessen, was unter „Kunst“ lief, so ausgedehnt wie auf der am Sonntag zu Ende gehenden documenta 13. Die Leiterin italoamerikanischer Herkunft, Carolyn Christov-Bakargiev, weitete das Feld auf Meteoriten, Gender-Theorie, Quantenphysik und Hundebespaßung aus.

Am Ende aufregender hundert Tage, in denen Besucher in immer längeren Schlangen vor Kunstattraktionen ausharrten, steht, wie bei den zwölf documentas zuvor, die Frage: Was bleibt? Was prägte sich ein? Gibt es ein ikonisches Werk der documenta 13, das man künftig automatisch mit der Weltkunstschau von 2012 verbinden wird? Ähnlich dem eingestürzten „Template“ von Ai Weiwei auf der documenta 12, dem „Vertikalen Erdkilometer“ von Walter de Maria auf der documenta 6 oder Beuys’ auf der documenta 7 begonnener Eichenpflanzung?

Die etwas ernüchternde Antwort muss wohl lauten: Die documenta 13 ist ein überragendes Kunstwerk schuldig geblieben. Im Eifer des Gleichsetzens - von Kassel und Kabul, von Natur und Kultur, von Mensch und Tier - waren auch die Werke von mehr als 200 Künstlern aus mehr als 50 Nationen mehr oder weniger auf einem Erregungslevel angesiedelt. So als sei der Kurator der Schau eine demokratische Ausgleichbewegung gewesen, die letztlich keinem Künstler oder Werk erlaubte, lauter zu schreien als andere.

Freilich schälten sich einzelne Publikumslieblinge heraus. Allen voran William Kentridge. Vor dessen Raummaschine zum Thema Zeit im Kulturbahnhof, die filmische Animation und bewegte Objekte kongenial verband, standen Menschen zwei Stunden und länger Schlange. Der 75-jährige Thomas Bayrle, Träger des Arnold-Bode-Preises 2012 der Stadt Kassel, überraschte in der documenta-Halle mit ästhetisch ratternden Flugzeugmotoren sogar das Expertenpublikum. Das kannte man von dem Altmeister noch nicht.

Die erklärte Lieblingsarbeit der documenta-Chefin Christov-Bakargiev befand sich an einer sumpfigen Stelle der Karlsaue: Pierre Huyghes summendes Bienen-Biotop. Zu der Aktfigur mit lebendem Bienenschwarm als Kopf stapfte die documenta-Chefin mit allen wichtigen Gästen. Wie kein anderes verkörperte dieses Zwitterwerk ihr Credo der fundamentalen Kreativität sowohl der Kultur als auch der Natur.

Gerade die 13. documenta war wieder ein Paradebeispiel für die Allzuständigkeit zeitgenössischer Künstler, ihr Selbstbild als Generalisten. Hochkarätige Malerei und Plastik, also Kunst im landläufigen Sinn, fand in Kassel hingegen gar nicht statt. Fast einhellig wurde die 13. documenta von Experten gelobt. Zu den wenigen Kritikern gehörte der Karlsruher Kunstprofessor Wolfgang Ullrich. Er warf der Veranstaltung und der documenta-Chefin Ironiefreiheit, Humorlosigkeit, Ideologielastigkeit und Zynismus vor und nannte die Ausstellung „dümmste documenta aller Zeiten“.

Die ältesten ausgestellten Werke waren fast 5000 Jahre alte baktrische Prinzessinnen. 400 Tonnen Schrott fanden sich im Kunstbahnhof von der Italienerin Lara Favaretto zu einer romantischen Skulptur aufgewuchtet. 3000 Schmetterlinge wurden von der Künstlerin Kristina Buch im Laufe der documenta am Friedrichsplatz ausgesetzt.30 Hunde waren bei sogenannten Multispecies-Touren unterwegs.

Mit 24,6 Millionen Euro hatte die 13. documenta das zweithöchste Budget in der documenta-Geschichte. Abermals gab es einen deutlichen Anstieg bei den Übernachtungszahlen, was Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen ausrufen ließ: „Die documenta ist das Zugpferd der Kasseler Kultur, lässt aber auch den Tourismus richtig brummen.“ Gerade weil immer mehr Kunstpilger aus aller Welt herbeiströmen, muss die documenta immer weiter wachsen. Über 1,5 Quadratkilometer erstreckte sich die Ausstellung diesmal und nahm damit mehr Raum ein als jede documenta davor. Vor fünf Jahren waren 750000 Menschen gekommen. Die diesjährige documenta wird am Sonntag mit wahrscheinlich mehr als 800000 Besuchern einen neuen Rekord bringen.

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