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Weltweit Doris Day ist gestorben: Sie war die Jungfrau von Hollywood
Nachrichten Kultur Weltweit Doris Day ist gestorben: Sie war die Jungfrau von Hollywood
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16:02 13.05.2019
Doris Day sang auch für Hitchcock-Filme. Ein Zufall verhalf ihr beim Durchbruch in Hollywood. Quelle: imago images / ZUMA Press
Los Angeles

Eigentlich wollte sie immer nur singen und tanzen, Musik lag bei der Familie Kappelhoff im Blut. Doris Days Vater William war Musiklehrer und Chorleiter in Cincinnati/Ohio. Und als Sängerin wird Doris Mary Ann Kappelhoff, wie sie tatsächlich hieß, den Leuten neben ihren Kinofilmen in Erinnerung bleiben: Der Walzer „Que Sera Sera“ über die Überraschungen der Zukunft ist einer der bekanntesten Popsongs aller Zeiten. Day sang ihn 1956 in Alfred Hitchcocks Thriller „Der Mann, der zuviel wusste“ und später in ihrer Fernsehshow, in der sie fünf Jahre lang mit großem Erfolg die optimistische Witwe Doris Winter spielte. Jetzt ist Doris Day, wie ihre Stiftung bekannt gab, im Alter von 97 Jahren gestorben. Laut Mitteilung der Doris Day Animal Foundation sei die Schauspielerin guter Gesundheit gewesen – doch sei sie an einer schweren Lungenentzündung erkrankt, die schließlich zum Tod geführt habe. Sie sei im Kreise enger Freunde verstorben. Erst am 3. April hat die Sängerin ihren 97. Geburtstag gefeiert.

Vor Film und Song kam allerdings der Tanz. Mit 14 Jahren gewann Doris Kappelhoff einen lokalen Wettbewerb und 500 Dollar und wollte ihr Glück in Hollywood versuchen. In der Nacht vor dem Umzug, am 13. Oktober 1937, saß sie dann in einem Auto, das von einem Zug erfasst wurde. Jahre im Rollstuhl folgten, eine quälerische Reha und - Gesangsstunden. 1939 wurde sie professionelle Sängerin und heiratete mit 17 den Posaunisten Al Jordan – ein gewalttätiger Mann, eine sehr kurze Ehe, ein geliebter Sohn namens Terry.

Sie war die Sängerin von „Que Sera Sera

Der Name Day stammt von dem Nachtclubbesitzer Barney Rapp, der Kappelhoff (beide Großelternpaare waren Deutsche) für zu teutonisch hart hielt, und etwas Weicheres, Gefälligeres für karriereträchtiger hielt. Einer der Songs in ihrem Repertoire hieß „Day by Day“, und so bekam die blutjunge Doris ein Alias verpasst, das sie nicht mochte, weil es nach Burleske und Comicfigur klang. Es war der erste Schritt zur bravsten Blondine Hollywoods. Vorher allerdings machte sie am Mikrofon Furore: 1944 spielte sie mit Les Browns Bigband das sanft swingende „Sentimental Journey“ ein, das 1945 Nummer 1 in Amerika und zur Hymne der heimkehrenden Weltkriegsveteranen wurde. Als sie Browns Orchester 1946 verließ, tat Day das als bestbezahlte Bigband-Sängerin der Welt. 650 Aufnahmen für Columbia Records folgten bis 1967.

Doris Day kam 1948 zum Kino

Der Kinostern Days stieg durch Zufall auf. Sie sprang 1948 für die schwangere Betty Hutton in Michael Curtiz’ „Zaubernächte in Rio“ ein, spielte sich durch eine Reihe erfolgreicher Musicals (herausragend: „Calamity Jane“ von 1953) und wechselte 1955 als Gangsterliebchen Ruth Etting in „Nachtclubaffären“ gleich mit einer oscarreifen Leistung ins ernste Fach. Ihre Komödien mit Rock Hudson – „Bettgeflüster“ (1959, Oscar-Nominierung!) und „Ein Pyjama für zwei“ (1961) –, waren der Inbegriff der züchtigen Frivolität jener Tage. Es knisterte zwar nicht zu knapp, aber alle Anzüglichkeiten blieben zart bis zweideutig. Wo bei Kolleginnen wie der Monroe oder der Taylor die Kurven betont und das Dekolleté präsentiert wurden, blieb die Day erotisch dezent und zugeknöpft. Ein Image, dem vier Ehemänner und einige publik gewordene Liebschaften durchaus widersprachen. „Ich kannte Doris Day, bevor sie Jungfrau wurde“ scherzte Marx-Brother Groucho.

Doris Day ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Ihr Leben in Hollywood wurde schon früh dokumentiert.

Fast wäre Doris Day Mrs. Robinson geworden

Mike Nichols hätte Day gern als Mrs. Robinson in „Die Reifeprüfung“ besetzt – als reife Frau, die einen jungen Mann (Dustin Hoffman) in die Horizontale zieht, der noch dazu der Freund ihrer Tochter ist. „Ich sah mich aber einfach nicht mit einem halb so alten Mann in den Laken herumwälzen“, sagte Day Jahre später. Natürlich hatte sie Qualität und Kultpotential der Rolle erkannt, „aber es ging eben gegen meine Wertvorstellungen.“ So drehte sie im selben Jahr ihre beiden letzten Kinofilme „Als das Licht ausging“ (mit Robert Morse) und „Der Mann in Mammis Bett“ (mit Brian Keith), die heute so gut wie vergessen sind. Und ihre Kollegin Anne Bancroft wurde als Mrs. Robinson die erste Milf der Filmgeschichte, sanft besungen von Simon und Garfunkel: „Jesus liebt dich mehr, als du es weißt …“.

Doris Day hatte eine kurze „Geschichte“ mit Ronald Reagan

Ihren Traumpaar-Partner Rock Hudson nannte Doris Day Ernie (er sie Eunice), denn er sei definitiv „kein Rock (Fels)“ gewesen. Und, so sagte sie, „falls es einen Himmel gibt, bin ich mir sicher, dass Rock Hudson dort ist, weil er so eine wunderbare Person war.“ An Ronald Reagan, mit dem sie eine kurze „Geschichte“ hatte, zog sie an, dass er „der einzige Mann war, den ich kannte, der das Tanzen liebte.“ Überhaupt war sie konservativ, eine stramme Parteigängerin der Republikaner, die sich noch im zweiten Wahlkampf von George W. Bush engagierte.

Der Musik blieb Day länger treu als Film und Fernsehen. 2011 erschien ihr 29. Studioalbum „My Heart“, mit Aufnahmen allerdings, die großenteils in den Achtzigerjahren entstanden waren. Die Platte stieg in Großbritannien bis auf Platz 9. Damit war sie (mit 89 Jahren) die älteste Sängerin, die mit unveröffentlichtem Material je in die britischen Top Ten kam. Überraschungen bis zuletzt. Que sera, sera

Von Matthias Halbig / RND

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