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13:44 22.11.2016
Von Peter Krüger-Lenz
Festivalleiterin Elsbeth Moser.
Festivalleiterin Elsbeth Moser. Quelle: dpa
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Hannover

Wer durch eine beliebige deutsche Fußgängerzone läuft, dem begegnet mit großer Wahrscheinlichkeit ein Akkordeonspieler. Auch in der Volksmusik ist das Instrument weit verbreitet - sei es als Schifferklavier im Norden, als Harmonika oder Schwyzer­örgeli in den Alpen. Dabei kann das Akkordeon weit mehr als zünftige Unterhaltung mit Humtata. Seine Ausdruckskraft reicht vom Tango über Musette, Kammermusik bis hin zu Jazz und Neuer Musik. Eine große Bandbreite ist von Mittwoch, 23. November, an bei der Premiere des Festivals „Akkordeon - Ein pulsierendes Fest“ in Hannover zu erleben. „Ich wollte die Wurzeln des Akkordeons in mehreren Kulturen von verschiedenen Komponisten untersuchen lassen“, sagt die künstlerische Leiterin des fünftägigen Festivals, Elsbeth Moser. 13 Uraufführungen sind geplant.

Die Professorin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) ist selbst eine international renommierte Akkordeonistin. Vier Jahre lang hat sie das Festival vorbereitet, eine sechsstellige Fördersumme eingeworben und bekannte Musiker für das Projekt gewonnen.

Zum Auftakt spielen der argentinische Bandoneon-Virtuose Juan José Mosalini und die NDR Radiophilharmonie Werke von Astor Piazzolla. Das Bandoneon ist in Südamerika weit verbreitet, entwickelt wurde das Handzuginstrument Mitte des 19. Jahrhunderts aber von einem Deutschen, dem Krefelder Musiklehrer Heinrich Band. Auswanderer nahmen es mit nach Nord- und Südamerika.

Moser hat mit einem Schwyzerörgeli begonnen. „Das lag unterm Weihnachtsbaum, als ich viereinhalb war. Mit sechs spielte ich mein erstes Konzert“, erzählt die Schweizerin. 1974 wurde sie Lehrbeauftragte in Hannover, 1983 Professorin.

Das Programm:

Beim Festival in Hannover werden Stars wie die 85-jährige russische Komponistin Sofia Gubaidulina erwartet. Gleichzeitig erkunden junge Musiker die Zukunft des Akkordeons. Das Konzert „Neuland 2“ am Freitag, 25. November, umfasst sechs Uraufführungen. Wojciech Prokopowicz, Dominik Löhrke und Jan Skorupski widmen sich dem experimentellen Stück „The disapearing star“ des Chinesen Nan Lian. Der aus Belgrad stammende Aleksandar Sedlar lässt in seiner Komposition Szenen aus dem Leben des alten Serbiens vorbeiziehen, wobei auch der Balkankonflikt aufblitzt. Giorgos Kyriakakis möchte mit „Restía“ (Dünung) ein klingendes Zeichen setzen. Restía sei ein Werk zum Gedenken an die Flüchtlinge, „die von der Heuchelei des „zivilisierten Westens“ im Wasser des Mittelmeeres ertränkt werden“, sagt der Grieche.

BU: Die Musiker Wojciech Prokopowicz, Dominik Löhrke und Jan Skorupski (von links) mit Festivalleiterin Elsbeth Moser.Foto: dpa