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Weltweit Erfinder der Tastatur: Christopher Latham Sholes setzte „Quert“-Maßstäbe
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10:44 13.02.2019
Quert(z) forever: Eine „Erika Nr. 5“ der Dresdner Firma Seidel & Naumann aus dem Jahr 1928 im Technischen Halloren- und Salinemuseum in Halle/Saale. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Kennt noch wer die Schreibmaschine und ihren Klang? Die gab es in klein, flach und bunt für unterwegs, in groß, grau und trutzig für den Schreibtisch. Das metallisch trockene Schlagen der Typenhebel, das Rutschen und Klingeln der von Hand zurückgeschobenen Wagen erfüllte mehr als hundert Jahre die Schreibsäle, Büros und Redaktionen der Welt mit prasselndem Lärm. Alles war anders: Zu hart angeschlagene Tasten „bissen“ das Farbband durch, das Einfädeln zog schwarze Finger nach sich. Man blickte noch auf ein Blatt Papier statt auf einen Bildschirm. Und man musste erst gut überlegen, ehe man schrieb, denn alle Textteile kamen hübsch nacheinander. Gute alte Zeit.

Analog und digital – das Tastaturlayout blieb erhalten

Heutzutage trippeln die Finger leise auf den Tasten, im Vergleich zu früher ist der Bürosound der Computerkeyboards ein wattiges Flüstern. Schreibmaschinen kennt man nur noch von Opas Dachspeicher oder aus dem Museum. Was die analoge Schreibära aber mit der digitalen verbindet, ist die Reihenfolge der Buchstaben auf dem Keyboard oder Smartphone. Das Tastaturlayout ist dasselbe geblieben - von links oben mit „Q“ beginnend, endet das deutsche und englische Tippalphabet immer noch unten rechts mit dem Buchstaben „M“.

Zwischendrin sind kleine Dinge anders, der sechste Buchstabe der oberen Reihe etwa ist im Englischen das „Y“, im Deutschen, das „Z“. Die obskur wirkende „Qwert“-Belegung hat sich der amerikanische Buchdrucker und Erfinder Christopher Latham Sholes 1873 ausgedacht. Und dass sie uns in Fleisch und Blut übergegangen ist, obwohl wir sonst von „A“ bis „Z“ durchbuchstabieren, zeigt sich daran, wie irritiert wir schon sind, wenn wir das Smartphone versehentlich vom deutschen „Qwertz“- aufs englische „Qwerty“ umgestellt haben. Wir werden langsam, vertippen uns, müssen unbeholfen nach den rechten Lettern suchen. Und finden keine Umlaute.

Die Testphase des „Type Writers“ brachte Sholes zur Verzweiflung

Die ersten schreibmaschinenähnlichen Apparaturen gab es schon im 17. Jahrhundert. Sholes (1819 – 1890), ein Farmersohn aus Pennsylvania zählt jedoch zu denen, die diese Einmanndruckmaschine massentauglich machten. Der Zeitungsverleger, Buchdrucker und Mitbegründer der Republikanischen Partei im Bundesstaat Wisconsin erhielt mit seinen Partnern Samuel W. Soule und Carlos Glidden am 23. Juni 1868 das Patent auf den amerikanischen „Type Writer“ oder – wie das Wissenschaftsmagazin „Scientific American“ die Erfindung bezeichnete – das „Buchstaben-Klavier“.

Denn das Layout ähnelte zunächst der des Pianos: Nur zwei Reihen – die untere aus Elfenbein mit der ersten Hälfte des Alphabets und den geraden Zahlen, die obere aus Ebenholz mit der zweiten Hälfte und den ungeraden Zahlen. Null und (hakenlose) amerikanische Eins wurden nicht gebraucht, die waren durch die Buchstaben „O“ und „I“ abgedeckt.

Die Testphase brachte Sholes zur Verzweiflung, was vor allem an dem Washingtoner Stenografen James Clephane lag, der sich die ihm zugesandten teuren Maschinen (Kosten: 250 Dollar) auf einen rabiaten Prüfstand schickte und Sholes und seinem neuen Geschäftspartner James Densmore Ruinen zurückschickte.

Sholes minimierte durch „Quert“ das Typenhebelkuddelmuddel

Jeder verschlissene „Type Writer“ war Ausgangspunkt für neue Optimierungen. 1873 war die Tastatur dran. Das Typenhebelkuddelmuddel, das bei schnellem Schreiben passierte, wurde minimiert, indem die häufigsten Buchstaben E, T, O und A möglichst weit entfernt voneinander untergebracht und die selteneren bunt drumherum gestreut wurden. Aus „Abcdef“ wurde „Qwerty“.

Der Flintenhersteller Remington, nach dem Ende des Bürgerkriegs auf der Suche nach neuen Geschäftsideen, kaufte das Patent und warb auf Messen mit attraktiven Damen, den Ur-Tippsen. In jeder Hinsicht eine Erfolgsgeschichte. Sholes‘ „Type Writer“ war auch ein Instrument der Emanzipation, bahnte den Frauen in Amerika bald schon einen Weg aus den Fabriken in die deutlich besser bezahlten Bürojobs.

Das „Xvlcwk“-Layout hat bislang keine Chance gegen „Quert(z)“

Ergonomisch gäbe es im digitalen Zeitalter hebelfreier Tastaturen effizientere Layouts, etwa (für die deutsche Sprache optimiert) das unaussprechliche „Xvlcwk“-Layout Neo, bei dem schon die Grundreihe der Tastatur 63 Prozent aller Buchstaben eines durchschnittlichen Textes abbildet (bei „Quertz“ nur 25 Prozent). Dennoch blieb bis jetzt alles beim Alten – ein Musterbeispiel für das „Pfadabhängigkeit“ genannte Sich-Behaupten technischer Standards gegen den Fortschritt.

Und so hat der vor 200 Jahren geborene Sholes durch die Macht der Gewohnheit sein Stückchen Unsterblichkeit errungen – weit über das Sterben seines „Type Writers“ hinaus. Wer immer sich heute für die Ursprünge des maschinellen Schreibens interessiert, kommt an seinem Namen nicht vorbei.

Von Matthias Halbig / RND

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