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Weltweit Ai Weiwei rührt mit Film Hannoveraner zu Tränen
Nachrichten Kultur Weltweit Ai Weiwei rührt mit Film Hannoveraner zu Tränen
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00:18 20.11.2017
Ai Weiwei spricht im Astor Grand Cinema in Hannover mit dem Publikum über seinen Film.Szene aus dem Film "Human Flow" von Ai Weiwei. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

„Ihr Film hat mich zu Tränen gerührt“, gesteht eine Kinobesucherin. „Der müsste Pflichtstoff in den Schulen werden.“ „Danke“, sagt ein Mann in der ersten Kinoreihe. „Sie bringen den Mut auf, auch traurige Wahrheiten zu verbreiten – sie haben etwas verstanden von der fundamentalen Beziehung zwischen der Kunst und dem Leben.“ „Was muss man tun, um diese Fluchtbewegungen zu stoppen“, fragt ein anderer, „damit die Welt besser wird?“

Solche Fragen, solche Reaktionen und Emotionen löst der Film „Human Flow“ aus, der seit Donnerstag in den Kinos läuft. Und sie sind an diesem Freitagabend an den Urheber dieses Werks gerichtet - an den selbst aus China geflohenen und längst international agierenden Künstler Ai Weiwei. Er steht nach dem Abspann im dichtbesetzten Kinosaal vor der Leinwand des Astor, wo seine Tour durch Kinos, die seinen Film zeigen, startet. Er quittiert mit freundlichem Lächeln das Lob und versucht mit sorgsam gesetzten Worten Antworten zu geben. „Wir alle brauchen Mut“, hat er zu ganz Anfang noch in den Applaus hinein schon gesagt. Da hatte der Moderator daran erinnert, dass der seit zwei Jahren  im Berliner Exil lebende Künstler am Vorabend den Bambi in der Kategorie „Mut“ aus der Hand des amtierenden Außenministers Sigmar Gabriel erhalten hat. „Der Zustand der Welt ist nicht gut, und es braucht Mut, um dagegen anzugehen“, fügt Ai Weiwei noch hinzu. „Erst der Mut macht das Leben schön.“

Immerhin, der 60-Jährige hat den Mut gehabt, sich auf eine weltweite Spurensuche nach den Ursachen und Folgen der großen Flüchtlingsströme zu begeben. Mehr als 1000 Stunden Filmmaterial hat sein Team dabei gedreht, mehr als 20 Staaten, mehr als 40 Flüchtlingslager  hat der Künstler besucht, mehr als zwei Stunden dauert sein daraus geschnittener Film.

Fast eine Stunde lang spricht Ai Weiwei mit den Zuschauern, die Sprachen wechseln dabei oft zwischen deutsch, englisch und chinesisch, so international ist das Publikum. Und auf immerhin etliche der vielen Fragen gibt der Künstler dabei Antworten: Ja, es sei wichtig, Fluchtursachen zu bekämpfen und Geflohenen zu helfen. Ja, es sei geplant, den Film vor Schülern und Studierenden zu zeigen. Und ja, es gebe keinen Ausweg aus dem Dilemma, dass man nicht global so günstige Lebensverhältnisse schaffen könne wie in der reichen Welt. Aber man müsse sich trotzdem der damit einhergehenden moralisch-ethischen Verantwortung stellen. Doch am wichtigsten sei es, den Geflohenen auf Augenhöhe zu begegnen. „Wir müssen verstehen, dass jeder von uns ein Flüchtling ist oder einen Flüchtling in der Familie hat“, sagt Ai Weiwei. „Nur dann können wir uns selbst verstehen und unsere Werte und Ideale bewahren.“

„Ich freue mich, dass Sie mit dem Bambi ausgezeichnet worden sind“, sagt ein junger Mann noch. „Aber mehr würde ich mich freuen, wenn der Mann, der ihn den Preis überreicht hat, seine Politik so ändern würde, dass wir solche Auszeichnungen nicht brauchen.“ Da brandet wieder Applaus auf.

Von Daniel Alexander Schacht

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