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Weltweit Filmfestival in Cannes startet mit Premiere von „Der große Gatsby“
Nachrichten Kultur Weltweit Filmfestival in Cannes startet mit Premiere von „Der große Gatsby“
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04:20 17.05.2013
Von Stefan Stosch
Zum Knutschen: In Cannes starten am Mittwoch die 66. Filmfestspiele, die noch bis zum 26. Mai dauern. Quelle: dpa
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Cannes

Jay Gatsby wird sehnsüchtig erwartet in Cannes, aber irgendwie ist der unglückliche Selfmademillionär aus F. Scott Fitzgeralds Roman schon längst da. Sein Konterfei prangt vielerorts im Städtchen an der Côte d’Azur, auch auf den riesigen Bannern des Luxushotels Carlton, der wohl teuersten Werbefläche beim heute beginnenden 66. Filmfestival von Cannes. Und am Hafen sind die Arbeiter bereits seit Tagen damit beschäftigt, ein riesiges Partyzelt zu errichten. Hier soll nach der Premiere des Eröffnungsfilms „Der große Gatsby“ gefeiert werden. Ob so wild wie im Film selbst?

Gatsby sah in den Siebzigern mal aus wie Robert Redford (in der behäbigen Verfilmung von Jack Clayton), in Baz Luhrmanns aktueller Umsetzung wird er von Leonardo DiCaprio gespielt. Für manche ist der Hollywoodstar das Beste an der überdrehten Literaturverfilmung. Regisseur Luhrmann hat bereits „Romeo und Julia“ sowie „Moulin Rouge“ für MTV-erprobte Augen aufgepeppt. Der Emporkömmling Gatsby, der sich in den „Roaring Twenties“ inmitten einer genauso vergnügungssüchtigen wie verantwortungslosen (Party-)Gesellschaft bewegt, könnte der Mann der Stunde sein.

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Doch ist dieser Eröffnungsfilm mit einem Makel versehen: Er ist bereits in den USA gestartet und dort von der Kritik längst zerrupft worden. Zeitgleich zum Festivalbeginn kommt er nun auch in Europa auf die Leinwände. Jeder Kinogänger in einem x-beliebigen Lichtspielhaus in Deutschland kann diese Woche das 3-D-Spektakel begutachten, das auch die Premierengäste vorgesetzt bekommen.

Was ist bloß aus der in Cannes so hochgehaltenen Exklusivität geworden? Hollywoodstudios sind offenbar nicht einmal mehr dann dazu bereit, ihre Filme ein paar Tage länger zurückzuhalten, wenn sie den roten Teppich des wichtigsten Festivals der Welt als Laufsteg geboten bekommen. Immer schneller müssen die Filme ihr Geld wieder einspielen, fürs Schaulaufen reichen die Nerven nicht – darunter leidet offenbar nicht nur die Berlinale.

Umso trotziger verschanzt sich Festivalleiter Thierry Frémaux hinter den Betonmauern seiner Kinohochburg am Mittelmeer. Allein neun französische (Ko-)Produktionen hat er im Wettbewerb versammelt, so, als ließen sich mit diesem Großaufgebot alle Selbstzweifel besiegen. Auch in Frankreich ist viel von Kinokrise die Rede.

Erstaunlicherweise hat Frémaux nur eine einzige Frau in den Wettbewerb gebeten. Dabei hatte er schon im Vorjahr heftige Kritik einstecken müssen, als er gar kein weibliches Wesen für würdig befand, dem Männerklub beizutreten. Nun darf Valeria Bruni-Tedeschi, die ältere Schwester der ehemaligen First Lady Carla Bruni-Sarkozy, mit dem Familiendrama „Un Château en Italie“ antreten. Für die US-Kollegin Sofia Coppola („Lost in Translation“) war nur ein Startplatz in einer Nebenreihe frei – obwohl Emma Watson („Harry Potter“) die Hauptrolle in „The Bling Ring“ spielt, einer Kriminette, in der gelangweilte Jugendliche die Villen von Hollywoodstars ausräumen.

Und doch: Cannes wäre nicht Cannes, böte es nicht eine illustre Gästeschar auf, nach der jedes andere Festival lechzen würde. Nachgemeldet wurde Jim Jarmuschs Vampirromanze „Only Lovers Left Alive“ mit Tilda Swinton. Insgesamt konkurrieren 20 Filme um die Goldene Palme. Darunter sind die Coming-of-Age-Geschichte „Jeune et jolie“ von François Ozon, das Drama „The Past“ des iranischen Berlinale-Siegers Asghar Farhadi, Roman Polanskis Verfilmung von Leopold von Sacher-Masochs Novelle „Venus im Pelz“, „Inside Llewyn Davis“ von Joel und Ethan Coen über die US-Folkszene der sechziger Jahre, ebenso „Liberace“ von Steven Soderbergh über den US-Unterhaltungskünstler. Das ist eine Fernsehproduktion, noch so eine Aufweichung der heiligen Statuten von Cannes, wonach TV eigentlich nichts auf der großen Leinwand zu suchen hat.

Deutsche Filme sind – wieder mal – Mangelware. In letzter Minute hat es das Spielfilmdebüt „Tore tanzt“ der 1983 geborenen Hamburgerin Katrin Gebbe über einen tief religiösen Jugendlichen in eine Nebenreihe geschafft. Zunächst war lediglich der Kurzfilm „Komm und spiel“ der Berliner DFFB-Studentin Daria Belova gemeldet, in dem ein herumtollender Junge in Berliner Wäldern Kriegsszenen aus dem Zweiten Weltkrieg heraufbeschwört.

Und die Stars? Manche bleiben bis zum 26. Mai in Cannes, wenn die Goldene Palme vergeben wird – zum Beispiel Nicole Kidman, die zusammen mit Steven Spielberg, Christoph Waltz und Daniel Auteuil und anderen Jurymitgliedern die Goldene Palme vergibt. Robert Redford gibt sich zum Beispiel die Ehre mit dem Überlebensdrama „All Is Lost“. Und damit sind Michael Douglas, Marion Cotillard, Charlotte Rampling, Joaquin Phoenix oder Ryan Gosling noch gar nicht genannt.

Am Mittwochabend bringen Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire und Carey Mulligan erst einmal den „Gatsby“ nach Cannes. Der Mann der Stunde kommt ein bisschen spät.

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