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Weltweit Filmfestspiele in Venedig beginnen am Mittwoch
Nachrichten Kultur Weltweit Filmfestspiele in Venedig beginnen am Mittwoch
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20:11 30.08.2010
Von Stefan Stosch
Am Start: Tom Tykwer. Quelle: dpa
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So viel lässt sich sagen: Venedig hat einige Wettbewerbsbeiträge am Start, die die Konkurrenz gerne gehabt hätte, deren Fertigstellung sich aber immer wieder verzögert hatte. Dazu gehört zuallererst Julian Schnabels Drama „Miral“ (mit Willem Dafoe und Vanessa Red­grave) über ein israelisches Waisenkind ein paar Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Schnabel sorgte vor drei Jahren mit „Schmetterling und Taucherglocke“ für Furore – allerdings in Cannes. Mit Spannung erwartet wird ebenso ­Sofia Coppolas „Somewhere“, in dem die „Lost in Translation“-Regisseurin einen arbeitsmüden Hollywoodschauspieler in den Mittelpunkt rückt. Der Franzose François Ozon ist mit „Potiche“ am Start, ­einer Komödie mit den Altstars Cathe­rine Deneuve und Gérard Dépardieu.

Von deutscher Seite ist Tom Tykwer („The International“) dabei. Seine Tragikomödie „Drei“ dreht sich um ein Trio von Vierzigjährigen in Berlin, gespielt von Sophie Rois, Devid Striesow und Sebastian Schipper, die in eine gemeinsame Liebesgeschichte verstrickt sind. „Drei“ ist Tykwers erster auf Deutsch gedrehter Film seit Jahren (Kinostart: 23. Dezember). Zuletzt haben die Deutschen in Venedig gute Erfahrungen gemacht: Fatih Akin holte sich 2009 mit „Soul Kitchen“ den Spezialpreis der Jury.

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Rein zahlenmäßig dominieren die Amerikaner mit sechs Filmen das Feld – und stellen mit dem „Inglourious Basterds“-Regisseur Quentin Tarantino den Jurypräsidenten. Neben Coppola und Schnabel kommt auch der Eröffnungsfilm „Black Swan“ von Darren Aronofsky aus den USA. In dem Psychothriller mit Natalie Portman und Vincent Cassel geht es um Intrigen im New Yorker Ballettmilieu. Aronofsky hatte vor zwei Jahren mit „The Wrestler“ den Goldenen Löwen gewonnen.

Umstritten ist die große Zahl italienischer Filme. Gleich vier konkurrieren um die Preise, darunter Werke von Marco Bellocchio und Michele Placido. Die italienischen Zeitungen verkündeten voller Ironie die „Invasion der Italiener“. Berlinale-Chef Dieter Kosslick sollte also schon mal nachrechnen, wie viele heimische Produktionen er im Februar ins Aufgebot stellen darf, wenn andere so dreist den eigenen Standort bewerben.

Insgesamt gehen in Venedig 23 Filme aus elf Nationen ins Löwen-Rennen. Ein Überraschungsfilm soll noch bekannt gegeben werden. Vielleicht ist das „The Tree of Life“, das seit Jahresbeginn sehnsüchtig erwartete Werk der US-Legende Terrence Malick („Der schmale Grat“). Und wenn nicht, was sehr wahrscheinlich ist, darf wieder die Berlinale 2011 hoffen. Denn merke: Nach dem Festival ist vor dem Festival.

Ronald Meyer-Arlt 30.08.2010
Stefan Stosch 27.08.2010
Johanna Di Blasi 27.08.2010