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Weltweit „Arthur & Claire“ – Amsterdam sehen und sterben
Nachrichten Kultur Weltweit „Arthur & Claire“ – Amsterdam sehen und sterben
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17:16 11.03.2018
Durch die Nacht: Arthur (Josef Hader) und Claire (Hannah Hoekstra) kommen sich näher. Quelle: Foto: Universum
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Hannover

Melancholie gehört zur österreichischen DNA wie der Heurige. Und niemand kann sie besser verkörpern als Josef Hader: Kabarettist, Drehbuchautor, Filmschauspieler („Indien“, „Vor der Morgenröte“), Regisseur („Wilde Maus“). Er spielt ihn nicht, nein, er ist dieser Arthur aus Wien, der nach Amsterdam zum Sterben kommt, „das Letzte was man machen kann im Leben“.

Gespräche über Sinn und Unsinn der Existenz

Und das will er „gut machen“. Der unheilbar an Lungenkrebs Erkrankte genehmigt sich trotz Hustenanfällen im Luxushotel noch eine „Henkersmahlzeit“ mit bestem Tropfen, schließlich wartet am nächsten Morgen in der Klinik des Freundes das Todesmedikament. Beim Schreiben des Abschiedsbriefes an seinen Sohn stört ihn laute Musik aus dem Nebenzimmer, wo er auf die Holländerin Claire (Hannah Hoekstra) trifft, die gerade dabei ist, sich mit Tabletten ins Jenseits zu befördern. Aus einem diffusen Verantwortungsbewusstsein heraus will er die 30Jährige nicht alleine lassen.

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So ziehen die zwei Lebensmüden durch die Nacht und reden über Sinn und Unsinn jedweder Existenz, immer das geplante Ende vor Augen. In dunklen Grachten, rauchgeschwängerten Coffee Shops und bei edlem Whiskey entwickeln sich unerwartet Nähe und Verständnis. Und vielleicht ein neuer Lebenswille.

Beim Zusehen und Zuhören zerspringt einem fast das Herz

Miguel Alexandres scharfzüngige und dabei einfühlsam inszenierte Tragikomödie hält die Balance zwischen lakonischem Humor und pointiertem Witz, großer Wärme und zarten Gefühlen, dass einem beim Zusehen und Zuhören fast das Herz zerspringt. Wie Arthurs gepflegter Zynismus und seine Gleichgültigkeit einer fast philosophischen Nachdenklichkeit weichen, wie beide durch ihre zufällige Begegnung die Kostbarkeit des Lebens erkennen und Mut gewinnen, ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen, das tut weh und konfrontiert mit urmenschlichen Ängsten.

Aus Tragik wird Hoffnung, Neugier auf das, was vielleicht noch kommt. Am Schluss steht die Frage: Lohnt es sich noch, für ein halbes Jahr Holländischunterricht zu nehmen? Die klare Antwort lautet, ja es lohnt sich. Bis zum letzten Augenblick und Atemzug.

Von Margret Köhler / RND