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Weltweit „Greta“ – Isabelle Huppert mit Liszt und Tücke
Nachrichten Kultur Weltweit „Greta“ – Isabelle Huppert mit Liszt und Tücke
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06:00 14.05.2019
Und dann noch ein Löffel für die liebe Tante: Frances (Chloë Grace Moretz, links) und Greta (Isabelle Huppert). Quelle: Foto: Capelight Pictures
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Hannover

Wer eine Handtasche findet, gibt sie ab. Das gehört sich so, Auch wenn tief im Innern die alten Pirateninstinkte rumoren. Schließlich könnte das Ding einem Großmütterlein gehören und der Betrag im Geldbeutel der letzte Rest ihrer Rente sein. Man bekommt einen Finderlohn, und wenn nicht, dann ist man dennoch still mit sich zufrieden. Man war zumindest punktuell ein guter Mensch.

Greta ist ein Volltreffer für Frances, die ihre Mutter verloren hat

Nun, die Handtasche, die die junge Frances McCullen (Chloë Grace Moretz) in einer U-Bahn findet, gehört garantiert keiner unter Altersarmut darbenden Oma. Es handelt sich um ein Designerstück einer Dame von Vermögen. Frances‘ Mitbewohnerin Erika (Maika Monroe) plädiert für Bereichern. So mache man das nicht dort, wo sie herkommen (Boston), beharrt Frances. Und lernt durch ihre Tugendhaftigkeit Greta Hideg (Isabelle Huppert) kennen, eine Klavierlehrerin mit französischem Zungenschlag.

Die wohnt hinter hässlichen Gebäudekomplexen in einem verwunschenen alten Haus, liebt Liszt, ist ein Ausbund an Kultiviertheit und vermisst ihre Tochter, die in Paris studiert. Damit ist sie ein Volltreffer für Frances, die gerade erst ihre Mutter verloren hat. Der verwaiste Platz wird durch Greta gefüllt, ihre Zugewandteit macht das schwere Herz ein wenig leichter. Eine Mutter-Tochter-Freundschaft bahnt sich an. Die junge Frau, die Nachtschichten in einem Restaurant schiebt, hilft Greta sogar bei der Auswahl eines Hundes. Alles paletti mit Frances und der Französin.

Die Filmmusik von Javier Navarree tropft Bedrohung ins Idyll

Wäre da nicht die Filmmusik des Spaniers Javier Navarree, die schon früh Bedrohliches ins Idyll tropfen lässt und den Zuschauer verunsichert. Das Böse kommt auf leisen Sohlen, Greta ist eine Nehmerin, nicht die Geberin, als die sie zunächst erscheint. Neil Jordans Film ist einer von jenen „Das wahre Gesicht“-Thrillern, in denen sympathische Frauenzimmer monströse Tiefe offenbaren – einer aus der Schublade, in der auch „Basic Instinct“ (Sharon Stone) oder „Fatal Attraction“ (Glenn Close) stecken.

Der irische Regisseur („Interview mit einem Vampir“)wendet nach einer langen Anlaufzeit das Blatt. Frances macht nach einer guten halben Stunde Laufzeit eine Entdeckung, die hier nicht verraten werden soll, die ihr und dem Zuschauer aber das Blut in den Adern gefrieren lässt. Sie versucht fortan alles, um Gretas Zugriff zu entkommen. Was indes nicht möglich ist, denn Greta ist Profi in Sachen ewige Bindung, eine, die Präsenz zeigt und niemals locker lässt. Jordan lässt seine Titelfigur von der Leine. Und die große Huppert bietet Wahnsinn deluxe.

Schon einmal war Huppert (für Michael Haneke) eine Klavierlehrerin mit extremen psychischen Verwerfungen. Hier nun gibt sie die (grusel-)komische Variante der Rolle. Sie spielt dabei nicht nur perfekt auf der Klaviatur des Grauens, in einer unvergesslichen Szene tanzt sie auch dazu. Und leistet sich in Momenten, in denen der Schrecken die Oberhand gewinnt, den Anflug eines genießerischen Lächelns.

Greta“, Regie: Neil Jordan, mit Chloë Grace Moretz, Isabelle Huppert, 98 Minuten, FSK o. A.

Von Matthias Halbig / RND

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