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08:43 12.08.2013
Von Stefan Stosch
Auf dem Weg zum Klondike: Nina Hoss in Thomas Arslans Western „Gold“. Quelle: Patrick Orth/ Schramm Film
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Hannover

Herr Arslan, haben Western Sie schon als Kind fasziniert?

Auf jeden Fall! Allerdings wollte ich ja gar nicht unbedingt einen Western drehen. Das hat sich eher aus dem Material über den Klondike-Goldrausch ergeben. Es finden sich aus dieser Zeit viele Reiseberichte, auch Fotos. Damals waren gerade die kleinen Kodak-Kameras auf den Markt gekommen, die ohne Stativ handhabbar waren. Vergessen Sie aber bitte nicht: Der Film spielt 1898, viele Westernthemen hatten sich da erledigt – die Grenzziehung im Westen zum Beispiel.

Haben Sie sich früher über Old Shatterhand geärgert, der so blitzsauber durch die Prärie ritt?

Geärgert? Nein, ich habe die Filme ja als Kind gesehen. Aber erst die Western von John Ford und anderen haben mir die Augen für das Genre geöffnet.

Welche Filme haben Sie sich zur Vorbereitung angeschaut?

Vor allem solche, in denen es ums Reisen geht, also „Der große Treck“ von Raoul Walsh, „Karawane der Frauen“ von William A. Wellman oder „Auf eigene Faust“ von Budd Boetticher.

Gehörte auch Chaplins „Goldrausch“ dazu?

Genau, da ist der Tramp auf dem sogenannten Chilkoot Pass unterwegs. Es sprach sich damals schnell herum, dass dieser Weg zum Klondike extrem hart war. Deshalb wurden dann die anderen beworben, obwohl die bestimmt genauso fürchterlich waren. Das verschwieg man aber lieber, um die Ausrüstung besser verkaufen zu können.

Ein Western verlangt viel Ausstattung: Wie viel Geld hatten Sie?

Zwei Millionen Euro. Wir wollten schnell drehen und nicht jahrelang auf die Finanzierung warten. Deshalb mussten wir sehr knapp kalkulieren und konnten nur mit einem kleinen Team arbeiten. Wir hatten auch wenig Equipment dabei. Die Dörfer, die Sie im Film sehen, haben wir nicht extra gebaut. Es gab da so eine Art Museumsdorf. Wir hatten eine Ranch als Basis, etwa sechs Stunden nördlich von Vancouver. Anders wäre das logistisch nicht gegangen bei den Riesendistanzen.

Warum haben Sie denn nicht in Kroatien und Slowenien gedreht? Winnetou und sein Blutsbruder Old Shatterhand haben sich dort doch auch ziemlich wohlgefühlt.

Genau deswegen: Die Landschaften sind zu charakteristisch. Da wäre am Ende womöglich doch wieder Karl-May-Flair reingekommen.

Wie wichtig war Nina Hoss?

Ich wollte eine Frau in den Mittelpunkt stellen, so habe ich das Drehbuch angelegt. Ich war sehr froh, als sie zusagte.

Wie hat sich Ihre Hauptdarstellerin denn beim Reiten angestellt?

Sehr gut. In Berlin hatte Nina bereits ein paar Reitstunden genommen, und in Kanada wurde sie von Wranglern, Pferdetreibern der alten Schule, vorbereitet. Wir haben chronologisch gedreht. Daher war mit jedem Drehtag mehr im Sattel möglich.

Wieso überhaupt eine Frau als Hauptfigur?

Es gibt tatsächlich Tagebücher von alleinreisenden Frauen. Die haben alles auf eine Karte gesetzt, um ihr als erstickend empfundenes Leben hinter sich zu lassen. Sie kamen oft aus armen Verhältnissen. Solche Außenseiterfiguren reizen in einem von Männern dominierten Umfeld.

Gab es originär deutsche Reisegruppen?

Viele. Im 19. Jahrhundert sind etwa sechs Millionen Deutsche in die USA ausgewandert. Es gab riesige Communitys in Chicago oder New York. Überall fand sich ein „Little Germany“. Das waren richtige Migranten-Netzwerke.

Der Regisseur

Thomas Arslan, 1962 in Braunschweig geboren, aufgewachsen in Essen, ist Filmregisseur und Drehbuchautor sowie  Professor am Studiengang Kunst und Medien an der Universität der Künste in Berlin. Sein jüngster Film ist ein Western. In „Gold“ (mit dem er in diesem Jahr auch im Wettbewerb der Berlinale vertreten war) erzählt er von deutschen Auswanderern, die sich 1896 auf den beschwerlichen Weg zum Klondike  machen, um dort Gold zu suchen.

Am Dienstag, 13. August, ist Thomas Arslan um 20.30 Uhr zusammen mit Darsteller Uwe Bohm im Kino am Raschplatz zu Gast, um den Film vorzustellen.

Liefen die Reisen Richtung Klondike ähnlich deprimierend ab wie in Ihrem Film?

Vieles entspricht der Wirklichkeit: Die Leute brachen begeistert auf, mit zunehmender Erschöpfung wurden die Tagebucheinträge immer knapper. Irgendwann steht nur noch die zurückgelegte Meilenzahl da. Viele kapitulierten vor den Strapazen, ließen sich unterwegs nieder oder wurden verrückt. Manche haben sich auch einfach verlaufen. Die wenigsten sind am Klondike angekommen, und noch viel weniger haben Gold gefunden.

Wollen Sie die Zuschauer mit „Gold“ daran erinnern, dass die Deutschen selbst mal ausgewandert sind – und sich deshalb heute nicht dauernd über zu viele Einwanderer beklagen sollten?

Das war eine interessante Verschiebung der Perspektive, aber ein Film ist keine Geschichtsstunde. Jedenfalls sind die sieben Auswanderer Teil einer riesigen Bewegung.

Regisseur Thomas Arslan bei der Berlinale 2013.

Hatten Sie eigentlich niemanden mit einer Pferdeallergie in Ihrem Team?

Doch, unsere Kostümbildnerin. Die Arme musste die ganze Zeit Tabletten nehmen. Das war schon unangenehm für sie.

Foto: dpa

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