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Weltweit „Jetzt kein museales Klein-Klein“
Nachrichten Kultur Weltweit „Jetzt kein museales Klein-Klein“
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08:24 14.08.2013
Von Daniel Alexander Schacht
Alte Ideen, neu gerechnet: Prämiertes Modell für einen Erweiterungsbau des Museums August Kestner von René Walkenhorst aus dem Jahr 2000. Quelle: Hagemann
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Hannover

Im Obergeschoss prangt die einst von August Kestner gesammelte altägyptische Kinebu-Skulptur. Ein Stockwerk tiefer kann man eine von Friedrich Culemann gestiftete mittelalterliche Olifant-Schnitzerei entdecken. Oder auch modernes Design aus der Sammlung von Heinz-Jürgen Averweser. Dass das Museum August Kestner (MAK) wie kein anderes in Hannover aus der Sammelleidenschaft seiner Bürger lebt, demonstriert demnächst die Ausstellung „Bürgerschätze“. „Ohne bürgerschaftliches Engagement können Museen nur schwer ihre Arbeit leisten“, bemerkt Direktor Wolfgang Schepers dazu in einer Ankündigung dieser Schau.

Wie wichtig solches Engagement ist, zeigt jetzt die Debatte um die Zukunft der städtischen Museen. Seit am 27. Juni ein Papier der Metrum-Management-Agentur bekannt wurde, baut sich eine neue Welle dieses Engagements auf. Denn die Modelle der Agentur für eine Fusion des MAK mit dem Historischen Museum wecken vor allem bei Freunden von Hannovers ältestem Museum Ängste vor dessen Verschwinden in einem solchen Verbund. „Wer sieht, wie Antike und Design, tragende Säulen des Hauses, von dieser Agentur gegeneinander ausgespielt werden, muss die Zerschlagung fürchten“, sagt Marianne Bruns vom Vorstand des Vereins „Antike und Gegenwart“. „Für uns ist der Ausbau des Museums die beste Alternative zu diesen Modellen“, sagt Wolfgang Gebler, der Vorsitzende dieses Freundeskreises.

Ausbau?

Das klingt für manche wie das Gegenteil dessen, was die Stadt will, in deren Auftrag Metrum die Modelle vorgelegt hat. „In der Investitionsplanung ist das auch mittelfristig nicht darstellbar“, sagte Kulturdezernentin Marlis Drevermann gestern auf Anfrage. Schon das Haushaltssicherungskonzept 2011 sieht Einsparungen von mindestens 150.000 Euro im Jahr für den künftigen Museumsverbund vor. Kein Wunder, dass Sorge um die Folgen dieser Fusion nicht nur bei „Antike und Gegenwart“ grassiert. „Mit weniger Geld mehr Fläche zu bespielen – das geht einfach nicht“, sagt Rosenmarie Elisabeth Wallbrecht, die Vorsitzende des Freundeskreises des Historischen Museums, unter Hinweis auf dessen Flächenausweitung durch das Museum Schloss Herrenhausen. „Das Kestner-Museum sollte endlich die Chance bekommen, seine Schätze zu zeigen, statt sie im Depot zu verstecken.“

Das ist eben die Kehrseite bürgerlichen Sammelfleißes: Alle Bestände aus bald 125 Jahren kann das MAK nicht zeigen, auch Kooperationspartner schätzen oft nur Teile der Sammlung. „Wir haben schon Pläne für gemeinsame Kulturreisen in die Türkei geschmiedet“, sagt Ahmet Yildirim, Beiratspräsident des Deutsch-Türkischen Netzwerks, unter Hinweis auf die Islamsammlung des MAK und darauf, dass die Türkei auch Schauplatz der griechischen Antike ist. „Wenn solche Stücke zugunsten des Designs nicht mehr gezeigt werden“, fügt er hinzu, „entfällt das Museum August Kestner leider für uns als Partner.“

Andere dagegen schätzen den Designschwerpunkt. „Das MAK braucht einen höheren Etat, damit es mehr Design zeigen kann“, sagt Gunnar Spellmeyer, Designprofessor an der Hochschule Hannover. „Gerade in Zeiten, da Studenten Designobjekte oft nur noch googeln, ist ein Ort wichtig, um Design aus eigener Anschauung zu erleben.“ Er glaube aber nicht, dass die „Designschätze“ des MAK dem Museumsverbund geopfert werden. „Ausgerechnet in Zeiten, da sich in Hannover eine Gründerszene rund ums Design entwickelt, wäre das töricht.“

Und viele wollen auf keine der Sammlungssäulen verzichten. „Wir kooperieren seit Jahren nicht nur wegen römischer Antikenschätze, sondern auch beim Thema Design aus Italien“, sagt Chiara Santucci-Ganzert, Vorsitzende des Deutsch-Italienischen Kulturkreises. „Wo sonst wird ein so großer Bogen von der Antike in die Gegenwart gespannt?“ Doch für den großen Bogen hat das Kestner-Museum wenig Raum, mit 2200 Quadratmetern Ausstellungsfläche nicht einmal halb so viel wie das Historische Museum in der Altstadt. Auch die Öffnung des Hauses für Feste oder Vorträge stößt da schnell an Grenzen. Deshalb hat der Freundeskreis jetzt eine alte Idee neu durchrechnen lassen: Fünf Millionen Euro würde danach eine Erweiterung hinter dem Gebäude kosten. „Die könnte Platz für Sonderausstellungen und Veranstaltungen schaffen“, sagt Marianne Bruns. Außerdem würden ausgelagerte Bibliotheks- und Sammlungsbestände wieder im Haus verfügbar – was den Jahresetat um 56.000 Euro Mietkosten entlaste. Zur Finanzierung könne ein Fund-raising des Freundeskreises beitragen, und auch das Land sei bei einem Museum gefordert, dessen Sammlung von teils internationalem Rang sei. Das sieht man im Kulturministerium freilich anders. „Die Bedeutung eines Museums hängt nicht von seiner Trägerschaft ab“, erklärt Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic. „Es gibt viele bedeutende Häuser, die von der jeweiligen Kommune getragen werden.“

„Wie viele Museen braucht diese Stadt?“

Einhellig warnen die Freundeskreise der zwei Museen vor einer kurzsichtigen Spardebatte. „Es darf jetzt kein museales Klein-Klein geben“, sagt Marianne Bruns und fordert, prinzipiell über den Museumsstandort Hannover nachzudenken. Gut möglich, dass es bei der Bürgerfragestunde des Kulturausschusses am Freitag um 14 Uhr im Hodlersaal des Rathauses entsprechend grundsätzlich zugehen wird. „Wie viele Museen braucht diese Stadt? Was will ich im Museum erzählen? Und zu welchem Ende betreiben wir diese Häuser?“, fragt Thomas Schwark, der Direktor des Historischen Museums, und fügt hinzu: „Das sind die Fragen, die jetzt alle Museen diskutieren müssen.“

Dieser Blickwinkel stimmt durchaus mit dem der Kulturdezernentin überein. „Die Museen müssen jetzt ihre Entwicklungslinien plausibel machen“, sagt Marlis Drevermann, „damit dann auch die Mittel dafür verfügbar werden.“

Ärger über das Metrum

Ganz am Ende des Papiers der Metrum Managementberatung mit dem Titel „Modelle für einen Museumsverbund Hannover“ heißt es unter „nächste Schritte“ so lapidar wie harmlos: „Vorstellung und Diskussion der Modelle mit Vertretern aus Politik, Freundeskreisen und Presse“. Dass tatsächlich zuerst die Presse informiert wurde, stört viele Experten und Mitarbeiter der Museen und ihre Anhänger weniger als der Inhalt der vorangehenden 50 Seiten. Denn auf ihnen werden Modelle für eine Fusion des Historischen Museums mit dem Museum August Kestner präsentiert, ohne zu kennzeichnen, wer eigentlich an den „Expertenbefragungen“ und „Workshops“ der Münchener Agentur teilgenommen hat.

„Wir hatten nach einem Protokoll der Gespräche gefragt“, sagt Rosenmarie Elisabeth Wallbrecht, Vorsitzende des Freundeskreises des Historischen Museums. „Wir bekamen aber zu hören, dass es keines geben werde – und dann wurde dieses Papier ins Internet gestellt.“ Sie nennt dieses Vorgehen zurückhaltend „ungewöhnlich“. Andere Teilnehmer beklagen eine selektive Auswahl der Teilnehmer zu verschiedenen Runden. Das soll beispielsweise dazu geführt haben, dass sich die Direktoren der beiden Museen bei keinem der Workshops begegnet seien. „Durch diese Vorlage von Modellen erhält die Metrum-Agentur die Deutungshoheit über die Gespräche“, merken mehrere Vertreter niedersächsischer Kunstförderinstitutionen an, die gleichfalls zu den Teilnehmern zählten, spürbar verärgert an. Kulturdezernentin Marlis Drevermann, die die Metrum-Agentur beauftragt hat, hatte gegenüber der HAZ betont, die Modelle fassten nur Diskussionen zusammen und seien keine Vorentscheidung über die Konturen des Museumsverbunds.

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