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Weltweit Es braucht noch ein Musical!
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16:21 29.01.2016
„Noch ein Musical, Welt - dann bist du befreit!“ – Das Ensemble von „Amerikanisches Detektivinstitut Lasso“ auf dem Dach des Schauspielhauses. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Es braucht noch ein Musical!“, war der Schlachtruf, mit dem Nis-Momme Stockmanns Opus Magnum „Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir“ endete. „Musical“ - es klang nach einem Versprechen, einer Erlösungsmetapher. „Noch ein Musical, Welt - dann bist du befreit!“ Der Autor meinte es ernst. Erneut hat er sich an den Schreibtisch gesetzt, um für das Schauspiel Hannover einen Text zu verfassen, erneut hat er sich mit den beiden experimentellen Popmusikern Charlotte Simon und Zink Tonsur zusammengetan, um es nun zu schreiben: das Musical. Über Fritz Haarmann, den Kindermörder, den wohl berühmtesten und geächtetsten Sohn der Stadt Hannover. Es war sein Vorschlag, gegen alle Widerstände.

Allein die Ankündigung im Spielplanheft hat vielfältige Reaktionen hervorgerufen, darunter auch Anschreiben mit Parteilogo im Briefkopf: voyeuristische Neugier, Appelle an die Pietät, Hinweise auf die hinreichende Aufarbeitung des Falles und Blicklenkung auf andere, heute angemessenere Gegenstände eines Stückauftrags. Meinungen. Ernstzunehmende und neurotische, veröffentlichte und private. Es wurde erinnert an einen Fries von Hrdlicka, der nach seiner Fertigstellung ungesehen ins Archiv des Sprengel- Museums verbannt werden musste, an Weihnachtskalender, die eingestampft wurden, da der Illustrator den „Werwolf von Hannover“ auf dem 24. Türchen positioniert hatte. Ein Serienmörder als Maskottchen des Stadttourismus?

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Im Zentrum nun: UwjM - ein unsicher wirkender junger Mann, der aufwacht im City-Hotel am Thielenplatz mit Fensterblick aufs wolkenverhangene Hannover, eine grobe Idee für ein Stück im Gepäck, für das er die richtige Form sucht. Der Anspruch an sich selbst ist hoch, er hat mit früheren Arbeiten der Welt ein Bild von sich geschenkt, dem er gerecht werden möchte. Auf dem Weg zur Materialisierung des Gedankens: Höhenflüge und Abstürze, Scham und Selbstüberlistungsversuche, Begegnungen mit dem Rezeptionisten, dem Lektor, dem Intendanten und dem Dramaturgen, die ihn grundsätzlich werden lassen:

Was vermag Kunst in Zeiten wie diesen? Was ist opportun? Wie lässt sich der Wirklichkeit begegnen? Wie lässt sich handeln? Wer bin ich? Der Diskurs löst sich vom Gegenstand, erweitert sich, rotiert, erzeugt Schwindel. Am Ende die Erkenntnis: Man ist gescheitert. Er ist gescheitert. Unsere Gesellschaft ist gescheitert. Doch die Sehnsucht bleibt. Nach einer Ode der Positivität, die uns für die anstehenden Veränderungen wappnet, uns zu gemeinsamen Beschlüssen ermutigt, den Blick freimacht, statt ihn unproduktiv auf Differenzen zu lenken. Nach einem Musical. Und das findet statt. Ein kleines Wunder.

Theatertipp

Amerikanisches Detektivinstitut Lasso, Musical von Nis-Momme Stockmann und Les Trucs

Mit: Jakob Benkhofer, Beatrice Frey, Katja Gaudard, Silvester von Hösslin, Vanessa Loibl, Dominik Maringer, Charlotte Simon, Jonas Steglich, Zink Tonsur

Preview: 15. Februar, 19 Uhr (Eintritt 15 Euro)

Uraufführung: 17. Februar, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

anschl. Premierenfeier im Foyer und in der Cumberlandschen Galerie

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