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19:03 20.08.2013
Von Uwe Janssen
Der Konzertveranstalter Fritz Rau starb am Montag mit 83 Jahren in der Nähe von Frankfurt. Quelle: dpa
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Hannover

Fritz Rau musste immer wieder die Geschichte mit dem Vogel erzählen. Der aus seinem Käfig flog, auf dem Kopf seines Gastes landete und in dessen wuchtigem Haarschopf fast verschwand. Der Gast, der 1969 zu Kaffee und Käsekuchen im hessischen Oberursel vorbeigekommen war, hieß Jimi Hendrix. Eine lustige Geschichte, aber auch eine, die vielleicht am besten erzählt, wie der Konzertveranstalter Fritz Rau war. Ein Vater. Für Mick Jagger sogar der „Godfather of all of us“. Nun ist Rau im Alter von 83 Jahren gestorben. Nicht wenige der Menschen, die ihm gestern in den vielen Internetforen spontan Respekt zollten, rechnen damit, dass er es sein wird, der da oben endlich die Band mit Hendrix, Elvis, Morrison, Winehouse und all den anderen zu früh gestorbenen Rockhelden zusammen-bringt.

Rau war nicht einfach ein Konzertveranstalter. Er war ein Wegbereiter. Er holte Rockstars, als Rockkonzerte im Nachkriegsdeutschland noch keine Selbstverständlichkeit waren und Fans regelmäßig das Saalmobiliar auseinandernahmen. Gelernt hatte er das Geschäft in den Fünfzigern von Horst Lippmann, der Jazzgrößen nach Deutschland holte und ihn zum Tourneeleiter für Ella Fitzgerald und Duke Ellington machte. Doch schon bald interessierten sich Lippmann und Rau mehr für Folk und Blues, so kamen die ersten Rockbands. Sie holten die Stones, Cream, Dylan, die Yardbirds, Led Zeppelin, Jethro Tull - es ist einfacher, die aufzuzählen, die nicht unter den Fittichen der Agentur in Deutschland auftraten. Bevor Fritz Rau Hendrix engagierte, fuhr er nach England, um dieses extravagante Gitarrenwunder vorher kennenzulernen. „Man muss ja sehen, was die Künstler mit dem Publikum anfangen. Nicht nur auf Platten und Empfängen. Das hat ihm imponiert, dass da einer sagt: ,Ich bin dein Tourneeveranstalter, aber ich fühle mich wohler, wenn wir uns vorher kennen‘“, schrieb Rau in seiner Biografie „50 Jahre Backstage“, mit der er bis ins hohe Alter auf Lesereise ging und selbst ins Rampenlicht trat.

Der Konzertmacher kümmerte sich, er wollte den Künstlern ein gutes Gefühl geben, sich und ihnen die Unsicherheit nehmen, um quasi gemeinsam erfolgreich zu sein. Er förderte Talente, auch deutsche wie Peter Maffay und Udo Lindenberg. Als der vormalige Schlagerstar Maffay 1982 in München im Vorprogramm der Stones auftrat und - wie zuvor auch in Hannover - niedergebuht und mit Dosen und Gemüse beworfen wurde, stellte sich Veranstalter Rau vor die Band und rief in die Menge: „Wenn ihr die bewerft, müsst ihr auch mich bewerfen.“

Viele Musiker, egal, in welche Sphären sie ihre Karriere führte, arbeiteten teils jahrzehntelang mit ihm zusammen. Und manche lernten auch gelegentlich den anderen, den kalten Fritz kennen, der bedingungslose Hingabe auch von allen verlangte, mit denen er zu tun hatte. Seine Wutausbrüche sind legendär, sein Spitzname „Ajatollah Choleri“ kommt nicht von ungefähr.

Kurzzeitig engagierte sich Rau Anfang der Achtziger für die Grünen, organisierte Konzerte für Wahlkampfveranstaltungen, distanzierte sich aber später von der Partei und der Unterstützung von Politik durch Musiker.

Lippmann und Rau fusionierten Ende der Achtziger mit Marcel Avram (Mama Concerts), später arbeitete Rau allein weiter. Ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall warfen ihn, der immer auch an der physischen Belastungsgrenze gearbeitet hatte, gesundheitlich zurück, auch wenn er bis zuletzt, schon im Rollstuhl sitzend, seine spannenden Hinterbühnengeschichten las und erzählte. Nun ist der gebürtige Pforzheimer in Kronberg bei Frankfurt gestorben.

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