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Weltweit Geschichte live
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00:00 30.01.2015
Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Theater muss aktuell sein, heißt es oft. Die Themen unserer Zeit sollen auf der Bühne verhandelt werden, möglichst mit heutigen Geschichten und Menschen. Hausregisseur Tom Kühnel ist für seine Inszenierung „Die Französische Revolution - Born To Die“, die bereits im Frühjahr 2013 im Ballhof Premiere hatte, scheinbar einen anderen Weg gegangen. Zurück ins 18. Jahrhundert. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Französische Revolution. Kühnel bringt Geschichte auf die Bühne. Und trifft gerade damit den Puls der Zeit. Jetzt kehrt die Revolution in den Ballhof zurück - am 18. und 26. Februar ist der Abend wieder im Ballhof Eins zu sehen.

Regisseur Kühnel durchforstete das schier endlose Quellenmaterial und verwandelt Geschichte in ein Live-Erlebnis. Mit unterschiedlichen Geschichten und Gedanken, Analysen und Affären, Episoden und Anekdoten holt er zu einem theatralen Rundumschlag aus. Das Publikum ist live dabei, wenn die Mutter aller Revolutionen beginnt, wir verstehen plötzlich Probleme und Denkweisen aus dem 18. Jahrhundert, die sonst fremd scheinen. Welche Ungerechtigkeiten haben zum Sturm auf die Bastille geführt? Wie kann man nach einer Revolution eine neue Ordnung erfinden, die auf nichts Bekanntes zurückgreift? Warum frisst die Revolution ihre Kinder? Im Theater wird Geschichte lebendig.

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Bis die Inszenierung nach längerer Pause wieder auf die Bühne gelangt, gilt es, einen wahren Kraftakt zu bewältigen. „Wir nennen es auch die Techniker-Pantomime, weil die gesamte Technik weiße Handschuhe beim Aufbau der fragilen Bühnenteile trägt. Damit beginnen wir morgens um sieben und brauchen bis abends um sechs. Alles muss sehr koordiniert ablaufen“, erzählt Heiko Janßen, der Technische Leiter der Balhof-Crew. „Wenn dann aber alles klappt, ist es das perfekte Zusammenspiel aus Technik und Kunst. Wie an keinem anderen Abend, den wir momentan im Spielplan haben, zeigt das Haus, was es technisch kann.“

Und so spielt auch das siebenköpfige Ensemble die Rollen von Jean-Jacques Rousseau, Marie Antoinette, Ludwig XVI., Gabriel Mirabeau, Camille Desmoulins, Georges Danton, Jean Paul Marat, Charlotte Corday, Maximilien Robespierre und Louis Antoine de Saint-Just mit einer besonderen Motivation. „Es ist eines meiner Lieblingsstücke hier in Hannover“, sagt Schauspieler Oscar Olivo, „so ein großes Thema in Spielszenen zu ergreifen ist außergewöhnlich. Jeder Geschichtsblock zitiert ein bestimmtes Spielgenre. Das macht in der Umsetzung besonders viel Spaß.“

Die Akteure stürzen sich mit Inbrunst in ihre Rollen, bis am Ende - im Wortsinn - die Köpfe rollen. Für Daniel Nerlich sind die jüngsten Terrorangriffe auf Freiheit und Demokratie gerade in Zusammenhang mit diesem Stück nicht auszublenden. „Gewalt erzeugt Gewalt. Daran ist jede Revolution oder Bewegung ersoffen. Jemanden, der eine andere Meinung hat zu erschießen oder guillotinieren, ist kontraproduktiv.“ Mit den Worten seiner Figur Des moulins fügt er hinzu: „Glaubt ihr denn, ihr könnt einen Einzigen guillotinieren, ohne euch zehn Feinde in seiner Familie oder unter seinen Freunden zu machen?“

Nächste Termine: 18. und 26. Februar, jeweils 19:30 Uhr, Ballhof Eins

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