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Dankeschön!“
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21:30 28.10.2013
Powerwolf beim Auftritt in der 60er-Jahre-Halle auf dem Faust-Gelände Hannover. Quelle: Hagemann
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Hannover

Heavy Metal ist manchmal wie professionelles Wrestling. Die Konzerte sind ähnlich durchinszeniert wie die Showkämpfe der muskelbepackten Athleten, alles ist überzeichnet, mit Klischees beladen und übertrieben. Irgendwie wissen das auch alle – und finden dennoch Gefallen an der Vorstellung, dass an der überdrehten Inszenierung vielleicht doch etwas Wahres dran ist.

Die Band Powerwolf ist mit ihrer Inszenierung die Heavy-Metal-Band der Stunde. Das neue Album „Preachers of the Night“, CD Nummer fünf in der fast zehnjährigen Bandgeschichte, stieg auf Platz eins der deutschen Verkaufscharts ein. Und auch wenn Charts heute weniger Bedeutung als vor den Zeiten der Downloads haben, ist das doch – besonders für eine Metal-Band – etwas sehr Ungewöhnliches.

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Nun schaute die Band auf ihrer „Wolfsnächte“-Tour in der 60er-Jahre-Halle auf dem Faust-Gelände Hannover vorbei. Und wie so oft auf der Tour hieß es auch hier: „Ausverkauft!“ 800 Fans drängten sich in der Halle und feierten ein Konzept, und das kommt so krude daher, dass es auf den ersten Blick fast schmerzt.

Das Bühnenbild beispielsweise soll an eine Kathedrale erinnern, Weihrauchgeruch und Kirchenorgel inklusive, die fünf Bandmitglieder sind weiß geschminkt und entweder als Wolf oder als Priester gewandet. Auf der Bühne aufgestellte Ventilatoren sorgen dafür, dass die langen Mähnen der beiden Gitarristen immer schön effektvoll durchgepustet werden. Dazu kommen Vampirelemente und ein wenig Mad-Max-Ästhetik. Sänger Attila Dorn spricht und singt die zwischen Englisch, Latein und Deutsch vagabundierenden Texte mit klerikaler Intonation und einem osteuropäischen Akzent, weil er ja aus Transsilvanien stammen soll. Soweit die Geschichte. Und genau an der Stelle fliegt dann spätestens die Inszenierung des Ganzen auf. Denn bei der einen oder anderen Ansage verliert dieser Hohepriester des Metal plötzlich seinen Akzent, doch Sekunden später spielt er den Zuschauern mit einem „Vielen Dankeschön!“ wieder den transsilvanischen Vampirpriester vor. Bekloppt? Absolut! Lustig? Auch, ja!

Außerdem kann der ganze Quatsch drumherum nicht davon ablenken, dass die Powerwölfe, die in Wirklichkeit aus dem Saarland kommen, grandiose Metalsongs im Repertoire haben. Die sind zum Teil fast schlagerartig eingängig, schwülstig geradezu, echte Hymnen also, und dennoch mit genretypischer, kompromissloser Härte versehen. Die Gitarristen sind ständig in Bewegung, während sie ein Riff nach dem anderen durch die Verstärker jagen. Organist Falk-Maria Schlegel nutzt seine Spielpausen dazu, das Publikum vom Bühnenrand aus einzupeitschen und sorgt an seinem Instrument für eine metal-untypische Klangfarbe. Die Doublebassdrum des Schlagzeugs ist dagegen typisch für Metal und wird dementsprechend viel und rasend schnell eingesetzt, um direkt in die Magengegend der Zuhörer zu zielen. Metal ist physische Musik – sowohl auf der Bühne als auch davor.

Die Zuschauer wollen genau das und recken ihre Fäuste zustimmend mit abgespreiztem Zeige- und kleinem Finger, dem Erkennungszeichen der Metaller, nach oben. Einige haben sich die Gesichter nach Art ihrer Idole geschminkt. Attila bittet darum, es im Publikum nicht zu wild werden zu lassen und immer schön im Gedränge auf die anderen zu achten. Die Solidarität der Szene.

Nach knapp 90 Minuten ist der Reigen vorbei. Die Fans beklatschen die Band, die Band klatscht zurück. „Vielen Dankeschön!“

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