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Weltweit Homosexueller Künstler malt Botschaft für Papst Franziskus
Nachrichten Kultur Weltweit Homosexueller Künstler malt Botschaft für Papst Franziskus
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09:30 01.05.2013
Der Aktionsmaler Mike Mathes mit dem Bild, welches er dem Papst zukommen lassen möchte, in seinem Atelier in Saarlouis (Saarland). Quelle: dpa
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Saarlouis

Homosexualität ist für die katholische Kirche ein heikles Thema. Auch mit der Stellung von Frauen tut sich Rom schwer. Der schwule Aktionsmaler Mike Mathes (51) aus Saarlouis versucht, die rigide Haltung der Kirche zu diesen Themen mit Kreativität aufzuweichen: Ein zehn Meter langes Gemälde zeigt Papst Franziskus umrahmt von Frauen und homosexuellen Männern. Der Amtswechsel im Vatikan ist für den gläubigen Künstler der Anlass für seinen gemalten Appell. Er fordert den neuen Papst auf, die Versprechen, die er mit seinem selbst gewählten Namen „Franziskus“ gebe, auch zu halten.

Mathes' Gemälde vereint Aspekte, die ihm persönlich wichtig sind und die Franziskus nach Meinung des Künstlers während seiner Amtszeit beachten sollte. Ein Porträt von Rock Hudson im Bild etwa steht für die Krankheit Aids. Der homosexuelle Hollywood-Schauspieler starb als einer der ersten Prominenten an den Folgen von Aids. Mathes selbst ist seit fast 30 Jahren HIV-infiziert und macht in seinen Werken immer wieder auf diese Krankheit aufmerksam. Mathes ist gläubig: „Ich weiß, dass es ohne Gott einfach nicht funktioniert“, sagt er. Dass die Kirche Homosexuelle ablehnt, kann er nicht nachvollziehen.

Gemälde als Reproduktion für den Papst

„Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle gehören auch zur katholischen Kirche. In der Bibel entdecken sie Textstellen, die zeigen, dass Gott sie liebt und zum christlichen Leben einlädt“, sagt Markus Gutfleisch von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexualität und Kirche (HuK). „Ich bewundere gläubige Lesben und Schwule, die sich trauen, ihren Glauben zu behalten und sich zu Wort zu melden“, sagt Renate Rampf, Sprecherin des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes. „Wir haben sehr häufig mit Lesben und Schwulen zu tun, die nicht wissen, wohin mit ihrem Glauben und in der Kirche keinen Ort finden. Die meisten sind äußerst frustriert.“ Leider zeige sich die Kirche immer wieder engstirnig und missgünstig.

Sein Gemälde möchte Mathes als Reproduktion dem Papst zukommen lassen. Jedoch nicht als Fanpost, sondern als Debattenbeitrag. „Ich traue ihm so viel Menschlichkeit zu, dass ich denke, er wird sich sicher wohlwollend mit dem Bild befassen“, sagt Mathes.

Dabei bekommt er Unterstützung von Pater Johannes Wittenkämper. Der heute 75-Jährige hat bis 2009 das Kloster Heiligenborn im saarländischen Bous geleitet und ist derzeit Seelsorger einer staatlich anerkannten katholischen Schule. „Papst Franziskus hat ja schon Kritik an der Kirche geäußert, sie beschäftige sich zu sehr mit sich selbst und verliere den Kontakt zum gesellschaftlichen Leben“, sagt Wittenkämper. „Er hat gesagt, die Kirche müsse nach außen gehen, nicht nur zu den Armen, auch zu den Andersdenkenden.“

Konservative Reaktion des Papstes wahrscheinlich

Der Pater hat Mathes schon bei mehreren Aktionen zur Seite gestanden. „Jeder Mensch soll das Recht haben, sich selbst zu interpretieren – auch sexuell“, sagt Wittenkämper. Der Redemptorist hat eingewilligt, sich mit seinem Orden an der Übergabe des Gemäldes an den Papst zu beteiligen. „Ich rechne jedoch damit, dass Franziskus auf das Thema sehr konservativ reagieren wird“, sagt das Mitglied der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft „Kongregation des Heiligsten Erlösers“.

So authentisch wie möglich soll sein Gemälde sein. Deshalb sucht Mathes zwei echte homosexuelle Männer, die sich eng umschlungen porträtieren lassen – und so auch Gesicht zeigen möchten für eine tolerantere Kirche. Dass der neue Papst sich bereits abfällig über Homosexuelle geäußert hat, hält Mathes nicht ab. „Ich möchte ihn am Namen messen, den er sich selbst gegeben hat“, sagt er. Es sei etwa undenkbar, dass Franz von Assisi, dessen Name der Papst sich leiht, seinen Mitmenschen ihre sexuelle Orientierung verordnet hätte. Aber genau das tue Jorge Mario Bergoglio, wenn er die Homo-Ehe als „Teufelswerk“ bezeichne. Mathes schreibt das neue Kirchenoberhaupt dennoch nicht ab. „Ich war immer gegen Schubladen-Denken“, sagt er, „darunter habe ich selbst gelitten.“

Auch das Thema Frauen in der Kirche greift er auf. Dafür hat er überlebensgroß eine Frau neben den grüßenden Papst gemalt, klar auf Augenhöhe mit Franziskus. „Das Bild soll zeigen, dass es Dinge gibt, die der Papst allein nicht kompetent entscheiden kann, etwa Frauen in der Kirche oder den Gebrauch von Kondomen“, sagt Mathes. Präsentieren will er sein Werk in Schulen, Gefängnissen, an ungewöhnlichen Orten – mit einem eigens für die Präsentation komponierten Stück von Musiker Roland Kunz.

dpa

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