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Weltweit Im Januar sind in der TUI-Arena die Dinosaurier los
Nachrichten Kultur Weltweit Im Januar sind in der TUI-Arena die Dinosaurier los
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09:42 19.11.2009
Von Dany Schrader
Huch, ein Fremdling! Raptor und Moderator begegnen sich im Januar in der TUI Arena. Quelle: Creature Production Company
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Er ist der Kopf der Technikcrew. Man könnte aber auch sagen, dass Gavin Sainsbury der Herr der Schöpfung ist. Abend für Abend erweckt er die Urzeit zu neuem Leben. Vor den Augen der Zuschauer vergehen dann in weniger als zwei Stunden Trias, Jura und Kreidezeit – und all das nur, weil Gavin und die anderen Puppenspieler in der Regie mit viel Körpereinsatz ihre Joysticks drehen und drücken, etwa so, als würden sie auf der Playstation eine Runde Super Mario Kart spielen.

Stattdessen aber tobt dort unten in der Arena der Sturm der Geschichte: Die auf der preisgekrönten BBC-Fernsehserie basierende Mammutproduktion „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ erzählt vom Leben und Sterben der Urzeittiere, einer Geschichte, die mit dem stillen und wundersamen Wachstum von Pflanzenwelten beginnt und mit dem vernichtenden Einschlag eines Meteoriten ihr Ende nimmt. Die Creature Production Company bringt damit erstmals jene Kolosse in Lebensgröße auf die Bühne, die Steven Spielberg vor 16 Jahren für seinen Actionfilm „Jurassic Park“ kunstvoll am Bildschirm animierte und damit neue Maßstäbe setzte: etwa den furchterregenden Tyrannosaurus Rex, den elf Meter hohen und fast 17 Meter langen Pflanzenfresser Brachiosaurus und andere Riesenechsen des Mesozoikums. Mehr als drei Millionen Besucher weltweit haben bereits gesehen, wie die mal ferngesteuerten, mal computeranimierten Urzeittiere in großen Stadien ums Überleben kämpften. Im Januar nun macht die Show in der TUI Arena Hannover Station.

Als Handlung dient allein der Lauf der Geschichte, es gibt keine Prosa und keine Helden. So gerät diese Show der Superlative zum schulmeisterlichen Lehrstück: Frei nach Darwin erzählt Regisseur William May unter pathetischem Musikgetöse vom Leben und Sterben der Saurier. 200 Millionen Jahre vergehen dabei wie im Flug. Forscher Hudson, der auf der Bühne das Geschehen kommentiert, berichtet mit dokumentarischem Eifer, wie Kontinente zerbrechen und Vegetationen vergehen, und bisweilen hat er Mühe, die große Fläche mit seinen Monologen zu füllen.

Immer wieder spielen Licht und Schatten miteinander Fangen, bis endlich die ersten kleinen Saurier in Urmel-Größe aus dem Ei schlüpfen und anschließend wie aufgezogene Spielzeugautos über das Parkett flitzen. Doch, Darwin hat es nicht anders gewollt, ein hungriger Raptor naht, und das kurze Leben ist bereits wieder erloschen. Die Geschichte wiederholt sich, und so rollt und stapft mit jedem Vorhang ein noch größeres Ungetüm in die Arena: In dieser kleinen Horrorshow vom Fressen und Gefressenwerden kann man sich vor kraftstrotzenden Kerlen wie dem gerissenen Liliensternus gruseln, sich vor dem dumpfen Grollen des Torosaurus fürchten oder bewundern, wie der anmutige Brachiosaurus seinen giraffenähnlichen Hals vorsichtig in die Tribünen reckt und lieblich mit den Augen klimpert.

Die Dinosaurier wirken dabei so echt, wie es die Bühnentechnik der elf Millionen Euro teuren Produktion zulässt. Da schieben sich tonnenschwere Monster durch die Arena, schnaufen, rollen die Augen und fletschen ihre furchterregenden Zähne. Das Licht schillert auf farbenprächtigen Panzern und täuschend echten Reptilienhäuten. Doch wenn das kunstvolle Spiel von Lichtanlage und Choreografie einmal schlecht harmoniert, wirkt das Rangieren der riesigen Puppen beim Kampf schon mal, als würde ein Lastwagen auf der Autobahnraststätte ausparken. Es ist ein Tribut an das Liveerlebnis, dass die Bühnentechnik das Auge nicht zu täuschen vermag wie ein Film: Die Mehrzahl der Kolosse kann nicht auf eigenen Beinen stehen, und doch sind die Echsen Wunderwerke der Bühnenkunst, lebensgroße Saurier in Bewegung hat es bisher nur in Hollywoods Filmfabriken gegeben. Und auch die Logistik ist kein Kinderspiel: Um die gewichtigen, mit Elektronik und Mechanik vollgestopften Körper bewegen zu können, braucht es neben den Puppenspielern am Regiepult spezielle Schlitten, in denen wiederum eigens geschulte Fahrer sitzen, die die Echsen wie behäbige Autoskooter durch die Manege wuchten.

Kleinere Raptoren, flinke Geschöpfe, die sich neckend durch die Arena jagen, werden von den Beinen echter Menschen getragen, Puppenspieler, die wie Gavin Sainsbury in der Technik viele Wochen lang die als charakteristisch für die Urzeittiere geltenden Bewegungen einstudiert haben. Sie orientieren sich an Saurierfilmen ebenso wie an gegenwärtigen Geschöpfen, mal bewegen sie sich wie ein Hund, dann wieder schwenken sie die Köpfe beim Gebrüll wie ein Bär.

In diesem Schaulaufen der immer eindrucksvolleren Riesenpuppen bleibt der Höhepunkt kurz vor dem Untergang der Urzeitwelten einem Saurier vorbehalten, der als das schrecklichste und gefährlichste Geschöpf seiner Zeit gilt. Unter mächtigem Grollen stampft der T-Rex in die Arena, der, und diese Überraschung ist gelungen, schließlich als sorgendes Muttertier sein Junges beschützt. So kommt doch noch Disney-Stimmung auf: Baby-Rex hat sich in einem gefährlichen Hinterhalt verfangen und wird mit viel Gebrüll von seiner Mutter befreit. Die lebhafte Geschichtsstunde ist zu Ende. Und Gavin Sainsbury weiß, dass er Feierabend machen kann.

Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ startet am Donnerstag, 28. Januar, um 19 Uhr. Weitere Shows am Freitag, 29. Januar, 19 Uhr, Sonnabend, 30. Januar, 11, 15 und 19 Uhr, sowie Sonntag, 31. Januar, 11 und 15 Uhr, in der TUI Arena. Karten unter (05 11) 44 40 66, www.hannover-concerts.de und an allen Vorverkaufsstellen ab 28 Euro.

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