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07:30 17.11.2018
Fast jeder zweite Deutsche ist tätowiert, viele davon sogar ohne Rechtschreibfehler. Quelle: iStock
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Hannover

Jüngst ließ sich eine Frau in den USA den Satz „It‘s my life“ und darunter „John Bovi“ auf die Schulter tätowieren. John Bovi? Kennen Sie nicht? Das ist der Kumpel von Jick Magger, Lohn Jennon und Spruce Bringsteen. Mehr so Nische.

Vielleicht war das Sonderangebot beim Eisenbieger, der der Dame für einen Heiermann mit einem rostigen Küchenmesser frisch zerkaute Lakritzschneckenspucke unter die Epidermis piekst, doch keine so gute Idee. Merke: Niemals sparen, wenn es um Eingriffe am eigenen Körper geht. Ist halt blöd, wenn‘s dann da steht.

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Amputation oder Akzeptanz

Da bleiben nur zwei Möglichkeiten: Amputation oder Akzeptanz. Manchmal muss man sich entscheiden: Martinshorn oder Arschgeweih – wie man in Nadelskreisen sagt. Die Rettung naht mit „Tattoo-Tata!“.

Fast jeder zweite Deutsche ist tätowiert, viele davon sogar ohne Rechtschreibfehler. Sie treffen sich in Onlineportalen wie Tinter. Bei fast jedem dritten Betroffenen hat sich die Attraktivität nicht nennenswert verbessert.

In der Welt der Fußballerei bist du trotzdem nichts ohne permanente Kriegsbemalung. Wer als aufstrebender Kicker nicht mindestens zwei blutende Jesusse auf der Wade hat, braucht sich bei Instagram gar nicht blicken zu lassen.

Unheilige Allianz

Das passiert, wenn zu viel Freizeit, zu viel Geld und zu wenig Geschmack eine unheilige Allianz eingehen. Dann siehst du halt aus wie eine mittelalterliche Handschrift im Frühling nach einem langen Winter im Kloster.

Man sollte ja meinen, die Leute lesen noch mal Korrektur, bevor sie einem Wildfremden die Verzierung des Tempels ihrer Seele überantworten. Doch das ist nicht der Fall.

Dann heißen die total süßen chinesischen Schriftzeichen halt nicht „Liebe, Freiheit, Tanz“, sondern „Sesamhühnchen, Nudelsuppe, Schweinefett“. Immerhin: Es soll das Lieblingsessen von John Bovi sein. Schönes Wochenende.

Von Imre Grimm

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