Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit „Ich wäre wohl ein Auslaufmodell“
Nachrichten Kultur Weltweit „Ich wäre wohl ein Auslaufmodell“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:44 23.04.2014
Tot – und doch sehr präsent: Johnny Depp als Dr. Will Caster in „Transcendence“. Quelle: Peter Mountain
Anzeige

Mr. Depp, in „Transcendence“ segnen Sie ziemlich bald das Zeitliche und führen danach eine virtuelle Existenz. Wie lief das beim Drehen ab?
Das war eine knifflige Angelegenheit. Die Idee war, dass Will, sobald er am Computer hochgeladen wird, erst einmal vieles neu erlernen muss. Kleine Unsicherheiten in der Stimme, kleine Macken und Einschränkungen in der Mimik ... Unser Regisseur Wally Pfister fand dafür eine raffinierte Herangehensweise.

Nämlich?
Er hat mich von den anderen Schauspielern isoliert – ich kommuniziere mit ihnen ja nur als Gesicht auf dem Bildschirm. Ich befand mich in einem kleinen Raum und wurde dabei gefilmt, wie ich in einen Monitor spreche – und dieses Bild wurde in die Hauptkulissen übertragen. Hätte ich bloß hinter der Kamera gekauert, um mit Rebecca Hall die Dialoge durchzuspielen, wäre das Spezielle am Umgang mit einer virtuellen Person viel schwieriger zu akzeptieren gewesen.

Anzeige

Hauptthema von „Transcendence“ ist der technische Fortschritt und wie die Menschheit damit umgeht. Sind Sie selbst versiert in Computerdingen?
Lassen Sie es mich so sagen: Meine Kinder sind klug genug, nie mich zu fragen, wenn es irgendwelche Probleme mit ihrem Laptop gibt. Sie fragen mich übrigens auch nie bei Problemen mit ihren Mathe-Hausaufgaben.

Aber Sie besitzen ein Smartphone, oder? Gehören Sie zu denen, die ständig irgendwelche neuen Apps ausprobieren?
Foto-Apps mag ich ganz gern: Wenn eine Familienaufnahme sich mit einem einzigen Klick in ein abstraktes Kunstwerk verwandeln kann – das ist doch klasse. Dass sich heutzutage jeder mit solchen Spielereien austoben kann, gefällt mir.

Googeln Sie manchmal Ihren eigenen Namen?
Haha ... Ja, aber ich habe es sofort bereut. Seitdem lasse ich es – so wie ich überhaupt versuche, von allem die Finger zu lassen, bei dem es um meine Person geht. Ich gucke mir meine Talkshow-Auftritte nicht an und lese auch keine Kritiken. Und mit Twitter habe ich ohnehin nichts am Hut.

Bekamen Sie für „Transcendence“ Nachhilfe in Sachen moderner Technik?
Klar, wir haben interessante Gespräche mit klugen Forschern der Berkeley University geführt. Eine der spannendsten Begegnungen war die mit Elon Musk, der nicht nur zu den Gründern von PayPal gehört, sondern auch die treibende Kraft beim Elektroautohersteller Tesla ist. Er hat uns mit auf eine Spritztour in seinem brandneu entwickelten Auto genommen. Ich saß auf dem Beifahrersitz, Paul Bettany auf meinem Schoß, hinten Wally und Rebecca. Leider wurden wir von der Polizei gestoppt, denn auch in einem Elektroauto kann man die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreiten.

Haben Sie Angst, wohin die Weiterentwicklung all dieser modernen Technologien führen könnte?
Ich halte mich da von Pauschalaussagen fern. Die technischen Möglichkeiten an sich machen mir keine Angst. Aber natürlich ist es die Frage, wer sie in die Hände bekommt. Doch machen wir uns nichts vor: Umkehren lässt sich die Entwicklung nicht.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wenn es möglich wäre, das Gehirn eines geliebten Verstorbenen am Computer hochzuladen, würden Sie es tun?
Wenn ich auch das Gefühl hätte, dass das den Wünschen dieser Person entspricht, vermutlich ohne mit der Wimper zu zucken. Denn wenn man um die Liebe seines Lebens trauert, ist man zu allem bereit, oder? Wenn es um meine eigene Person geht, würde ich allerdings sagen: Bloß nicht! Bei meinem Glück in Sachen Technik ist der Computer, an dem ich hochgeladen werde, schon ein paar Wochen später ein Auslaufmodell. Da lasse ich mich lieber gleich aussortieren.

Sie scheinen mit der eigenen Sterblichkeit locker umzugehen.
Zumindest versuche ich es. Was bringt es, in ständiger Angst vor dem Tod zu leben? Dabei hilft es natürlich sehr zu wissen, dass ich mich nicht mit dem Gefühl plagen muss, die großen Dinge in meinem Leben noch nicht erreicht zu haben. Ich führe ein erfülltes, privilegiertes Leben und habe zwei fantastische Kinder. Was will ich mehr?

Alle Ziele schon erreicht?
Und übertroffen! Ich bin aber auch nie jemand gewesen, der von Ehrgeiz getrieben wird. Das ist es übrigens, was mich immer mit Seelenverwandten wie Hunter S. Thompson verbindet. Der war von vielem getrieben, aber nicht von beruflichen Ambitionen. Das gleiche gilt für Marlon Brando: Er wurde für mich vom Held zum persönlichen Freund – und blieb es, bis er aus unserer Welt davonschwebte. Und glücklicherweise nicht mit einem Computer verschmolzen wurde!

Aufgezeichnet von: Patrick Heidmann

Weltweit Letzte Ehre für Nobelpreisträger - Mexiko nimmt Abschied von García Márquez
22.04.2014
Weltweit Ostertanztage - Wie Spazierengehen
21.04.2014
Weltweit „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ - Zwischen Garfield und Foxx funkt es
24.04.2014