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Weltweit Jonathan Meese: „Ich habe überhaupt keine Guru-Tendenzen“
Nachrichten Kultur Weltweit Jonathan Meese: „Ich habe überhaupt keine Guru-Tendenzen“
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11:37 16.02.2019
Jonathan Meese in Lübeck. Quelle: Markus Scholz/dpa
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Lübeck

Jonathan Meese, geboren 1970 in Tokio, aufgewachsen im holsteinischen Ahrensburg, galt lang als Enfant Terrible der Kunstszene. 2013 wurde er angeklagt – und später freigesprochen – weil er bei einem Interview mit dem „Spiegel“ im Vorfeld der Documenta in Kassel den rechten Arm zum Hitlergruß gehoben hatte. Im Oktober 2018 hat er zusammen mit Robert Eikmeyer und Doris Mampe seine Biografie herausgegeben und sie – ganz der Spieler – vorsorglich bis 2023 vorgeschrieben. In seinen Arbeiten, Performances, Videos und neuerdings verstärkt wieder Malerei, arbeitet sich Meese an antiken, modernen und popkulturellen Heldensagen ab. Die Ausstellung „Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)“ wird in Lübeck am Sonntag, 17. Januar, eröffnet – bespielt werden fünf Standorte. Ein Gespräch über den Anfang in der Kunst, über Kunsthochschulen, Gurus und die große Spinne.

War der Anfang in der Kunst einfach? Sie haben eine Autobiografie geschrieben und die liest sich so, als hätten Sie die Kunst entdeckt, einfach angefangen und von an wäre einfach alles gelaufen.

Stimmt auch. Ich hab’s laufenlassen. Ich hab mich immer gewundert, wenn mich im Studium jemand stoppen wollte.

Wie war für Sie das Studium?

Mein Professor Franz Erhard Walther war für mich ein Freund, dem ich zugehört habe. Ich war nicht in dieser Anbetungsposition. Alle Leute, die Franz Erhard Walter angebetet haben, haben Kunst mit Guruismus und Religion verwechselt. Die waren damals vielleicht die Spitzentypen, aber heute sind die alle weg.

Aber genau so eine Stimmung entsteht doch in einer Kunsthochschule: Ein Student wird von einem Professor gut gefunden, selektiv unterstützt, später gehyped.

Da muss man raus. Manche überleben das dann. Vielleicht weil sie die stärksten Mitläufer sind. Das sind so Lotterie-Typen.

Ob man viel ausstellen kann oder nicht hat aus meiner Perspektive schon etwas mit Glück zu tun.

Da würde jetzt meine Mutter etwas Richtiges zu sagen: Man muss das Feld bestellen, damit der Regen greifen kann. Und wenn man das liebt, was man tut, dann spüren das die Leute irgendwann auch mal. Die kommen dann nicht mehr dran vorbei.

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Aber es gibt viele Künstler, die lieben, was sie tun.

Vielleicht nicht genug. Sich durchzusetzen hat auch mit einer gewissen Form von Beharrlichkeit zu tun. Das Durchsetzen macht mir irrsinnig Spaß. Es macht ja auch Spaß, Feinde zu haben. Man braucht die Skeptiker, die einen nach vorne schleudern. Die hat Odysseus auch gebraucht. Die guten Gegner, die einen mit Kraft und Macht und Disziplin und Haltung erfüllen. Man darf dann eben nicht den schnellen Erfolg suchen, nicht mit den schlimmen Leuten anbandeln. In der Kunstwelt gibt es ganz schlimme Menschen. Falsche Galeristen, falsche Galerien.

Wer sind denn für Sie diese falschen Leute?

Leute, die Dich unter Gruppenzwang setzen und in einen Herdentriebmenschen verwandeln oder zum Mitläufer machen. Diese Leute wollen nur Lifestyle. Dann geht es nicht mehr um Kunst, sondern um Partymachen. Das Kulturnetzwerk ist ein Spinnennetz. Nur die Spinne überlebt.

Wer ist die Spinne?

Die Kunst oder der stärkste Künstler. Die meisten Künstler, die aus dem Spinnennetz nicht mehr herauskommen, haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass es nicht funktioniert hat. Heutzutage nicht mehr entdeckt zu werden ist eigentlich ganz und gar undenkbar, unmöglich, das gibt’s nicht.

Mehr zum Thema: K.U.N.S.T. – Jonathan Meese in Lübeck

Doch Erfolg in der Kunstwelt hat trotzdem etwas mit Netzwerk zu tun.

Man muss für sich definieren, was Erfolg ist. Für mich ist ungestört im Atelier arbeiten Erfolg. Das kann man mit Geld machen und ohne Geld. Ich habe mich immer konzentriert, meine Arbeit zu machen. Man sieht das auch an meinen Büchern. Jetzt kommt ein Buch heraus, das heißt „Monosau“. Die 600 oder 700 Seiten habe ich mitten im Studium geschrieben. Mami hat die 1994 alle abgetippt. Ich habe nur, nur, nur gearbeitet. Nur!

Wollen Sie als Professor wieder an die Kunsthochschule zurück?

Nee, ich hab das einmal versucht. Das war an der Kunstakademie Dresden. Da war ich so Anfang 30. Es waren viele gute Leute dabei, aber die Stimmung war mir doch viel zu abgefucked. Oder zynisch. Ich fand die Studenten auch alle gut, aber die Liebe zur Kunst habe ich da nicht gespürt . Die wollten nur wissen, wie man an eine Galerie kommt.

Glauben Sie, dass Sie ein guter Professor wären?

Nee, ich habe überhaupt keine Guru-Tendenzen.

Von Geraldine Oetken / RND

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