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Weltweit Keira Knightley überzeugt als „Anna Karenina“
Nachrichten Kultur Weltweit Keira Knightley überzeugt als „Anna Karenina“
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23:28 07.12.2012
Zart und zerbrechlich: Keira Knightley als Anna Karenina. Quelle: dpa
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Hamburg

Das Leben in der russischen Adelsgesellschaft des 19. Jahrhunderts ist eine Bühne. Alles ist Theater. Alles ist öffentlich. Alles wird von allen gesehen, kommentiert und beurteilt. Warum nicht gleich eine berühmte Liebesgeschichte dieser Ära in ein Theater verfrachten, wo man die Emotionen direkt ins Scheinwerferlicht rücken und die Kulissen frei verschieben kann? Die Rede ist von „Anna Karenina“ – einem der wirklich großen Liebesromane der Weltliteratur. Mehrfach wurde Tolstois Roman schon für Kino und Fernsehen adaptiert.

Greta Grabo, Vivian Leigh, Jaqueline Bisset und Sophie Marceau waren in der Titelrolle zu sehen. Wer den Stoff noch einmal verfilmen will, sollte sich etwas grundlegend Neues einfallen lassen. Genau das ist Joe Wright gelungen.

Der britische Regisseur hatte schon mit der Adaption von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ (2005) und der Verfilmung von Ian McEwansAbbitte“ (2007) einen frischen cineastischen Zugang zur Weltliteratur gefunden und mit „Wer ist Hanna?“ (2011) das Actionkino kraftvoll gegen den Strich gebürstet. Auch wenn Wright nun in seiner Kinoversion von Tolstois Klassiker die Ballsäle und Straßen von St. Petersburg und Moskau ins Theater verfrachtet, ist seine „Anna Karenina“ alles andere als ein abgefilmtes Bühnenstück. Im Gegenteil.

Die entfesselte Kamera fährt durch den Raum, der selbst wiederum permanent in Bewegung bleibt. Mal geht es eine Leiter hoch auf den Bühnenboden, der sich in eine verwinkelte Gassenlandschaft verwandelt, mal verschieben die Arbeiter ein paar Möbel und Wände und das Wohnzimmer zu einem riesigen Büro. Und gerade wenn man sich ans theatrale Umfeld gewöhnt hat, wird eine Tür geöffnet, und der Film wechselt in eine weite, russische Winterlandschaft. In Wrights „Anna Karenina“ gibt es keine verlässlichen räumlichen Koordinaten, und das spiegelt wunderbar die enormen Umwälzungsprozesse. In diese gerät Anna Karenina (Keira Knightley), als sie sich hoffnungslos in den jungen, schmucken Offizier Wronski (Aaron Taylor-Johnson) verliebt.

In der legendären Ballszene erstarrt die Gesellschaft in der Bewegung, als Anna und Wronski zu tanzen beginnen. Die Welt steht still für die beiden Liebenden, die nur Augen füreinander haben und unter strenger Beobachtung stehen. Sogar das Pferderennen, bei dem die verbotene Affäre endgültig zur öffentlichen Angelegenheit wird, verlegt Wright auf die Bühne.

Der theatrale Zugang gibt dem Regisseur gestalterische Unabhängigkeit und befreit die Inszenierung von allem Historienschinkenballast. Licht, Farben, Kulissen und Kostüme unterliegen keinen Naturalismus-Gelübden, sondern dienen einzig und allein der Geschichte, den Figuren und ihren Gefühlen. Der hoch­dynamischen Inszenierung liegt etwas Rauschhaftes zugrunde, was dem Wesen der dramatischen Geschichte entspricht, in der auf das Hochgefühl der verbotenen Liebe der freie Fall und die Ausgrenzung aus der Gesellschaft folgen.

Die hervorragend aufspielende Keira Knightley legt ihre Anna als junge, unerfahrene Frau an, die durch Liebe und Begehren an Selbstbewusstsein gewinnt – und später an den Widerständen des Establishments umso mehr zerbricht. Aber auch der Rest des vorwiegend britischen Ensembles kann überzeugen. Aaron Taylor-Johnson spielt die allmähliche Wandlung Wronskis vom Dandy zum tragischen, romantischen Helden angenehm unaufdringlich, und Jude Law wurde in der Rolle des kühlen Moralisten Karenin erfolgreich gegen sein Image als Womanizer besetzt. Hervorragend auch Matthew Macfadyen, der dem Familienvater und Lebemann Oblonski eine warmherzig-clowneske Aura verleiht.

In der Galerie der Adaptionen von Tolstois Meisterwerk steht Wrights staubfreier „Anna Karenina“ ein prominenter Platz zu. Auch bei der nächsten Oscar-Verleihung dürfte diese beseelte Umsetzung Chancen haben. 

Bühne frei für Tolstoi:
 Bewegende Verfilmung
 eines Klassikers.

Von Martin Schwickert

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