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Weltweit Ein Fußballer als Kinostar: Alles über den Film „Kroos“
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10:42 27.06.2019
Die Familie ist sein Mittelpunkt: Toni Kroos planscht zu Hause in Madrid mit dem Nachwuchs. Quelle: NFP
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Sie nennen ihn den „Dirigenten“, den „Spiritus Rector“, den „Mutigsten“, das „Kraftwerk auf dem Platz“, den „Landvermesser“, den „Logiker“, den „Ice Man“ – oder auch ganz einfach den erfolgreichsten Spieler, den Deutschland je hatte, gemessen an Titeln. Toni Kroos hat allein vier Mal die Champions League (vorrangig mit Real Madrid) sowie mit Deutschland die Weltmeisterschaft gewonnen.

In Manfred Oldenburgs Kinodoku „Kroos“ stimmen Trainer von Joachim Löw bis Zinédine Zidane, Kommentatoren wie Marcel Reif sowie Berater, Masseur, Familie – und nicht zu vergessen: Sänger Robbie Williams auf einem wirklich hässlichen Sofa – Loblieder auf Kroos’ Fähigkeiten auf dem Platz und darüber hinaus an. Die Preisungen stehen in einem seltsamen Gegensatz zu dem Bild eines Bescheidenen, an dem der fernseherprobte Regisseur hier ausdauernd malt: Demnach hat Kroos den Bodenkontakt nie verloren – auch wenn er sich nachts mal eben mit dem Privatjet nach Hause zu Frau Jessica und Kindern fliegen lässt.

Postieren sich Bundeskanzlerin und Bundespräsident zum Gruppenfoto in der Umkleidekabine der WM-Elf 2014 in Brasilien, dann prokelt Kroos gerade abseits an seinem weißen Schuhwerk herum, an das er keinen Zeugwart lässt. Seine Manager hatten später nach eigenen Worten Mühe, überhaupt ein Foto mit Kroos und dem WM-Pokal in seinen Händen zu finden.

Kroos“ – Robbie Williams nennt Fußball eine „Religion“

Kroos kann sich über die Darstellung in diesem Film nicht beklagen. Nicht ganz so sehr in der Fußballblase schwebende Zuschauer könnten sich aber wundern, wie weit die Heiligenverehrung in der „Religion Fußball“ (Williams) vorangeschritten ist – gerade weil sie in diesem Fall einem auffällig unauffälligen Sportler gilt, der eben nicht mit Kapriolen wie ein Cristiano Ronaldo auf sich aufmerksam macht.

Beflissen, aber nicht chronologisch arbeitet Regisseur Oldenburg die Karriere Kroos‘ von der mecklenburgischen Ostseeküste über München nach Madrid ab. Er ist schon froh darüber, dass ihm Zugang zur Gartenkolonie von Kroos’ Großeltern, zum Familienwohnzimmer und zum Swimmingpool in Madrid gewährt wird, wo Papa Toni mit dem Sohn planscht. Auf privatem Videomaterial der Familie entdecken wir einen Toni Kroos, der schon als kickender Junge das Spielgeschehen im Blick zu haben scheint.

Kroos“ – Der Fußballstar macht es seinem Regisseur schwer

Man hätte ja auch mal hartnäckiger nachbohren können: Wie ist das wirklich mit dem Druck, der auf einem wie Kroos lastet, wenn er sich ausnahmsweise mal einen Fehlpass leistet? Wie erträgt er die Huldigung der Fans? Oder die immergleichen Fragen der Reporter direkt nach dem Spiel?

Zugegeben, Kroos macht es seinem Regisseur schwer, Kontroverses herauszukitzeln. Innere Gelassenheit und unangekratztes Selbstbewusstsein sind nach Meinung aller seine Qualitäten. Kroos leidet eben nicht schon drei Tage vor einem entscheidenden Match unter Durchfall. Er spiele, so sagt er selbst, einfach Fußball.

Die Spanier wüssten bis heute nicht, wer dieser professionelle Deutsche wirklich sei, heißt es hier einmal. Für sie sei er irgendwie typisch deutsch und zuverlässig, so wie Angela Merkel in ihren besseren Regierungsjahren. Bei Kroos fühle man sich aufgehoben. Der Bruder formuliert es gegen Ende der beinahe zwei Kinostunden so: Der Toni solle so bleiben, wie er ist, nur vielleicht mehr über Gefühle reden und auch mal Schwächen eingestehen.

Kroos“ – Flutlichtmasten im Schneegestöber

Diese Doku kommt so kontrolliert daher wie ihr Objekt. Nur in Zwischenschnitten gönnt sich der Regisseur poetische Blicke auf Flutlichtmasten im Schneegestöber oder ins gigantische Rund des Bernabéu-Stadions. Szenen aus bedeutenden Spielen – das spektakuläre 7:1-WM-Halbfinale gegen Brasilien 2014 oder die von Kroos durch ein geniales Freistoßtor noch gedrehte Partie gegen Schweden 2018 – werden angenehm dosiert eingestreut.

Es lassen sich aber Zwischentönen finden. Da ist zum Beispiel das Verhältnis zum Vater, der viele Jahre zugleich der Trainer war. Er hätte die Kinder auch mal in Ruhe mit seinen ständigen Bewertungen lassen müssen, sagt der Vater im Rückblick. Er hätte sich gewünscht, mehr mit dem Vater und weniger mit dem Trainer zu sprechen, sagt der Sohn. Da blitzt dann schmerzendes Konfliktpotenzial zumindest auf.

Kroos“ – Schwieriges Verhältnis zu Bayern München

Und dann, natürlich, das schwierige Verhältnis zu den Bayern, die ihn als pickeligen Teenager nach München holten: „Ich wurde gelobt, aber ich durfte nicht spielen“, sagt Kroos. Für ihn ist glasklar: eine Fehlentscheidung des Trainers Jürgen Klinsmann. Uli Hoeneß ist der Einzige, der Kroos nicht in den Himmel hebt – und sich immer noch nachtragend zeigt, weil Kroos nicht diesen einen Elfer im verpatzten Champions-League-Finale 2012 gegen den FC Chelsea schießen wollte. In München blieb Kroos für viele der „Querpass-Toni“. Aber Hoeneß sagt auch: „Mir gefallen Menschen, die Grundsätze haben. Und das hat er.“

Ob Kroos heute noch einmal vor einem entscheidenden Elfmeter zurückzucken würde? Keine Ahnung. Der Regisseur hat ihn nicht gefragt, jedenfalls ist davon nichts zu sehen im Film.

Einmal trifft Kroos auf irgendeinem Hotelflur sekundenkurz Diego Maradona. Auch über den Argentinier ist jüngst eine Doku gedreht worden: Regisseur Asif Kapadia zeichnete in einem packenden Film dessen Aufstieg und Fall in Neapel nach – inklusive Drogen, Frauen, Mafia. So etwas hat der tadellose Toni Kroos nicht zu bieten. Daran mag es liegen, dass einen diese Geschichte vom großen Blonden mit den weißen Schuhen ziemlich kalt lässt.

Filmtitel: „Kroos“Regisseur: Manfred OldenburgFilmlänge: 114 MinutenAltersfreigabe ab 0 Jahren

Von Stefan Stosch / RND

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