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Weltweit Kinoregisseur Peter Sehr ist tot
Nachrichten Kultur Weltweit Kinoregisseur Peter Sehr ist tot
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13:11 11.05.2013
Von Stefan Stosch
Der Regisseur Peter Sehr ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Für seine Filme und deren Helden ergriff Peter Sehr leidenschaftlich Partei. Das war besonders beim spanischen Bürgerkriegsdrama "Die Frau des Anarchisten" (2008) der Fall, in dem er die Familiengeschichte seiner Frau Marie Noëlle erzählte – genauso aber auch bei seinem letzten Kinoprotagonisten, Ludwig II. Der bayerische Märchenkönig sei seiner Zeit weit voraus gewesen. Er habe den künstlerischen und intellektuellen Austausch besonders mit Frankreich gepflegt, um Kriege zu verhindern, betonte Sehr im Vorjahr im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der verrückte Kini als missverstandener Friedensfürst: Man musste mit solchen Anschauungen nicht unbedingt übereinstimmen, aber sie machten den engagierten Autorenfilmer um so sympathischer, der bei aller Bestimmheit sanft und kultiviert auftrat. Unermüdlich stritt Sehr mit seinen Werken gegen allzu bequeme Anschauungen und für eine bessere Welt. Seinen größten Erfolg feierte er 2003 mit  "Kaspar Hauser" (gespielt von André Eisermann), noch so einem Sonderling, dem in der Geschichte große Ungerechtigkeit zuteil geworden war.

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Für einen Biophysiker, der seine Doktorarbeit über die in der Kernspintomographie verwendete Magnetresonanz schrieb, war eine Kinokarriere kaum der übliche Weg. Doch schon in seiner Oxford-Zeit drehte der 1951 in Bad König in Hessen geborene Sehr erste Kurzfilme. Mit seiner Frau Marie Noëlle gründete er 1988 in München die Produktionsfirma P'Artisan - bereits in diesem Wortspiel wird die eigentümliche Mischung aus Kunst und Widerstand Programm, die Sehrs Leben auszeichnet. Filme wie  "Das serbische Mädchen", "Obsession" (mit Daniel Craig)  oder "Love the hard Way" (mit Adrien Brody) folgten.

Am liebsten ging Sehr Seite an Seite mit seiner Frau gseine Projekte an, und mit ihr sowie einigen anderen Filmschaffenden leitete er auch das Münchener Arri-Kino. Seine Filmbegeisterung gab Peter Sehr an Studenten in München und Ludwigsburg weiter. Nun ist der sanfte Partisan im Alter von 61 Jahren an einem Gehirntumor gestorben.