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Weltweit Klaus Maria Brandauer liest in der Staatsoper
Nachrichten Kultur Weltweit Klaus Maria Brandauer liest in der Staatsoper
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19:43 16.01.2015
Von Jutta Rinas
Stimmgewaltig und gestenreich: Klaus Maria Brandauer bei der Generalprobe zu seinem Mozartabend in der hannoverschen Oper. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Poz Himmel Tausend sakristey, Cruaten schwere Noth, Teufel, Hexen, Truden, Kreuz-Battalion und kein End“ ... Burgschauspieler Klaus Maria Brandauer sitzt auf der Bühne der hannoverschen Staatsoper und flucht, was das Zeug hält. Mal schimpft er laut und gestikuliert dazu. Dann huscht - fast unmerklich - ein Grinsen über sein Gesicht, bevor er eine der besonders verderbten Passagen aus den Briefen von Wolfgang Amadeus Mozart an sein Bäsle (Mozarts Cousine Anna Maria Thekla Mozart) rezitiert.

„Ich scheisse schon wirklich bald 22 Jahr aus dem nemlichen Loch“ donnert es durch die Oper. Wenig später flirtet der 71-Jährige schon wieder mit seinem imaginären Gegenüber. „Haben Sie mich noch lieb?“, säuselt Brandauer. Eigentlich ist auch hier Mozarts Bäsle gemeint. Aber das Publikum fühlt sich auch angesprochen. „Na ja“, schallt es amüsiert von den Rängen zurück.

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Mehrmals haben Zuhörer den Burgschauspieler an diesem Abend schon unterbrochen, haben an prägnanten Stellen kurz applaudiert. Brandauer macht immer wieder deutlich, dass er eigentlich nicht gestört werden will. Sein Programm ist ein Gesamtkunstwerk. Die Briefe Mozarts sind kombiniert mit solchen von Vater Leopold Mozart und Josef Nepomuk Bullinger, einem Freund der „Mozartischen“. Außerdem gibt es Klaviermusik: Mozartwerke für zwei Klaviere - unter anderem die Sonate D-Dur KV 448 und das Ave verum corpus, KV 618. Bis auf die allzu martialisch in die Tasten gehämmerte Fuge c-Moll, KV 462, werden sie von dem deutschen GrauSchumacher Piano Duo recht einfühlsam präsentiert.

Jetzt muss selbst Brandauer lachen

Jetzt aber muss selbst Brandauer lachen: „So werden wir niemals aufhören uns zu lieben“, liest er weiter. Gelächter auch im Publikum. Zwischenapplaus.

„Mozarts Freiheit“ ist der Abend in der hannoverschen Staatsoper überschrieben. Brandauer, der sämtliche Briefe Mozarts 2006 fürs Radio eingelesen hat, war mit demselben Programm schon 2012 bei den Niedersächsischen Musiktagen zu Gast, allerdings nicht in Hannover, sondern in Nienburg, Göttingen, Lüneburg und Oldenburg. Dennoch: Auch das Opernhaus am Georgsplatz ist fast bis zum letzten Platz gefüllt.

„Mozarts Freiheit“ handelt vom Versuch des jungen Komponisten, sich aus den Fängen seines dominanten Vaters zu befreien. Für Leopold Mozart ist der so begabte Sohn - trotz aller Genialität - ein ewiges Kind geblieben. Für unfähig hält er ihn, auf den langen Konzertreisen den Alltag zu organisieren. Für unfähig, die Auftritte bei Hofe mit Anstand hinter sich zu bringen und mit Kontakten und gutem Geld nach Hause zu kommen. Leopold Mozart fürchtet die ständig abschweifenden Gedanken, die „Exzesse“ seines Sohnes Wolfgang Amadeus so sehr, dass er ihn noch als 21-Jährigen nicht alleine, sondern nur mit der Mutter reisen lässt.

Selbst aus der Ferne, per Brief, gängelt er ihn noch. Ob sein Kopf nur ja läusefrei sei, fragt er ihn. Ob Gott und seine Vernunft ihn vor Unfug bewahrten.

Der Sohn aber, Genie und Kindskopf zugleich, konterte in Briefen mit einer geradezu überbordenden Lust an Anarchie und Albernheiten, mit Witz, Possenspielen und Reimereien, dazu einer gehörigen Portion Obszönität. Das Bäsle nennt er in einem Brief ein „Pfaffenschnitzel“, reimt auf seine „Madame Mutter“, alles sei „in Butter“ und lässt sich - man meint fast ein keckerndes Lachen dazu zu hören - seitenweise über den „Dreck, den er ins Häusle scheißt“, und die Fürze der Fürsten aus.

Steilvorlagen sind das für Brandauer, der beide Kontrahenten und den Freund Bullinger durch die Rezitation ihrer Briefe zum Leben erweckt. Virtuos spielt er mit der extrem unterschiedlichen Fallhöhe der Texte. Die Möglichkeiten des Schauspielers, Charaktere zu entwerfen, hat er ganz in die Stimme verlegt. Ein Hörgenuss.

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