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Weltweit Wichtel im Wald
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15:52 25.09.2013
Von Stefan Stosch
Durchgeknallt: Lance (Emile Hirsch, hinten) und Alvin (Paul Rudd) amüsieren sich bei der Arbeit. Quelle: Kool
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Hannover

Viel los ist hier nicht. Wir sehen zwei Typen in Latzhosen, die Schubkarren mit Markierungshütchen durch verkohlte Wälder bugsieren. Der Job der beiden: den Mittelstreifen der schmalen Straße unter ihren Füßen zu markieren. Diese doch sehr übersichtliche Kinokonstellation reicht US-Regisseur David Gordon Green in „Prince Avalanche“, um daraus eine herrlich skurril-lakonische Komödie mit leicht apokalyptischem Unterton zu gewinnen.

Eine ganze Weile sind Lance (Emile Hirsch) und Alvin (Paul Rudd) offenbar schon mit ihren Markierungsarbeiten beschäftigt. Ein verheerender Brand in der texanischen Wildnis hat ihren Aufenthalt notwendig gemacht. Zwischendurch geht Alvin fischen fürs Abendbrot, Lance tagträumt vom Sex am Wochenende in der nächsten Stadt oder malt aus Langeweile seine Schuhe gelb an. Abends wird vorm Zelt gegrillt.

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Gelegentlich kommt ein alter Truckfahrer (Lance LeGault) mit einem beinahe ebenso alten Truck vorbei und spendiert eine Runde Bier. Und eine Frau irrt durch die Ruinen ihres verbrannten Hauses.

Wladimir und Estragon hatten beim „Warten auf Godot“ garantiert auch nicht viel weniger Abwechslung als diese beiden Aufräum-Wichtel. Sie müssen sich mit den Gegebenheiten arrangieren – und das gilt auch für die Kinozuschauer: Den Ausgang der Straße aus dem Wald bekommen sie jedenfalls nicht zu Gesicht. Ein ordentlicher Lagerkoller ist unter diesen Bedingungen immer eine Option. Bislang ist aber alles gut gegangen. Die beiden Straßenarbeiter sind schließlich familiär verbandelt. Alvin ist der Verlobte von Lance’ Schwester und fühlt sich quasi väterlich verantwortlich für den jungen, wenig disziplinierten Kollegen.

Erst als die Verlobte brieflich ihre Beziehung aufkündigt, eskaliert die Situation. Unterschiedliche Lebensauffassungen prallen aufeinander. Unter dem Einfluss von Alkohol sind Lance und Alvin bald schon geneigt, sich gegenseitig den Vorschlaghammer über den Kopf zu ziehen. Aber solche Actioneinlagen sind die große Ausnahme und nicht ganz ernst gemeint.

„Prince Avalanche“ ist das Remake einer gerade einmal drei Jahre alten Komödie des Isländers Hafsteinn Gunnar Sigurðsson. Man geht also mit einigen Vorbehalten in diesen zweiten, sehr eiligen Aufguss – und ist umso mehr entzückt von der konsequent durchgehaltenen Absurdität, die beim längeren Kamerablick auf Raupen, Schildkröten oder Stinktiere forciert wird. Die Natur erobert sich ihren Lebensraum zurück, egal was die Menschen dort angerichtet haben.

Man erfährt in diesem Film nicht unbedingt etwas Neues über Männer und deren Freundschaften. Aber es reicht zu sehen, wie diese beiden ihre Melancholie und auch den sanft aufkeimenden Wahnsinn bekämpfen – und amüsiert sich köstlich.

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