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Weltweit Kunstbiennale in Venedig beginnt
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11:14 03.05.2015
Der deutsche Pavillon. Quelle: dpa
Venedig

Ausstellung und Diskursforum, Festival und Partymeile - die 56. Biennale in Venedig verspricht ein vielschichtiges Programm. Zu ihrem 120-jährigen Bestehen wartet die wichtigste Kunstschau der Welt vom 9. Mai an mit zahlreichen Rekorden auf: 136 Künstler aus 53 Ländern zeigen mehr als 700 Werke. 89 Nationen beteiligen sich mit Länderpavillons am Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Deutschland ist mit einem fünfköpfigen Team zeitkritischer Medienkünstler vertreten.

„All the World's Futures“, alle Zukünfte dieser Welt, nennt der diesjährige Kurator Okwui Enwezor die fast sieben Monate dauernde Mammutschau in der Lagunenstadt. Der 51-jährige Nigerianer, Direktor am Münchner Haus der Kunst und 2002 für die Documenta in Kassel verantwortlich, sucht über die Genregrenzen hinweg mit Künstlern, Musikern, Filmemachern und Autoren nach Antworten auf die Krisen unserer Zeit.

„Ich möchte Künstler auswählen, die die Grenzen unserer zutiefst konservativen und abgeschotteten Disziplin herausfordern“, sagte Enwezor dem Magazin „Monopol“. Rund Zweidrittel der Teilnehmer sind erstmals nach Venedig geladen, andere sollen gerade zum 120. Geburtstag die künstlerische Tradition des Festivals deutlich machen.

So lässt Carsten Höller eines seiner Zeitlupen-Karussells im Park der Giardini gondeln, Bruce Nauman sendet Neonbotschaften, und posthum ist Harun Farockis gesamtes Filmwerk zu sehen. Ebenfalls vertreten etwa Walker EvansJeremy Deller, Fabio Mauri, Wangechi Mutu und Xu Bing. Georg Baselitz, Isa Genzken, Alexander Kluge und Olaf Nicolai sind aus Deutschland dabei. Zu den Newcomern gehört etwa das syrische Filmkollektiv Abounaddara, das heimlich gedrehte Videoberichte aus dem Alltag des Bürgerkriegs vorstellt.

Herzstück in Enwezors Schau ist die vom britisch-ghanaischen Architekten David Adjaye entworfene «Arena» im zentralen Ausstellungsgebäude. Dort sollen Schauspieler - in Anlehnung an die Vorlesung des Heiligen Buchs bei den Sikhs - täglich das „Kapital“ von Karl Marx vorlesen, Zeile für Zeile, immer wieder. „Ich will keine statische Ausstellung, sondern etwas Lebendiges, das sich jeden Tag ändert“, zitiert das „Art“-Magazin den Kurator.

Mit besonderer Spannung wird auch der Auftritt im Deutschen Pavillon erwartet. Das neoklassizistische Gebäude, 1938 von Ernst Haiger im nationalsozialistischen Stil umgebaut, gilt als historisch belastet und schwer zu bespielen. Dennoch hat Deutschland als bisher einziges Land bereits drei Mal den Goldenen Löwen für seine Präsentation erhalten - zuletzt 2011 mit dem Werk des damals schon verstorbenen Künstlers Christoph Schlingensief.

Dieses Jahr zeichnet mit Florian Ebner erstmals ein ausgewiesener Fotokunst-Experte für das Konzept verantwortlich. Der 44-jährige Leiter der fotografischen Sammlung im Essener Museum Folkwang wählte die drei deutschen Medienkünstler Hito Steyerl (48), Tobias Zielony (41) und Olaf Nicolai (52) für seine „imaginäre Fabrik“ aus. Ergänzt werden sie von dem internationalen Künstlerduo Jasmina Metwaly (32) und Philip Rizk (33) aus Kairo.

„Es gibt also nicht diesen einen großen auktorialen Erzähler, der alles in einem einzigen Werk weiß, sondern es ist ein Zusammenspiel von vier unterschiedlichen Positionen“, sagt Ebner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist der Versuch, etwas zu machen, was zusammenklingt, aber doch sein eigenes ist.“

Auch andere Länder wie Belgien, China, der Irak und die Ukraine setzen auf Gruppenausstellungen, während es spannende Soloschauen etwa bei den USA (Joan Jonas), Großbritannien (Sarah Lucas), Dänemark (Danh Vo), der Schweiz (Pamela Rosenkranz) und den Niederlanden (Herman de Vries) gibt.

Ihren besonderen Reiz haben auch die 44 „Collateral Events“, Sonderveranstaltungen, die quer durch die Stadt in alten Palazzi und Fabrikhallen stattfinden und sich ebenfalls der strengen Auswahl des Kurators stellen mussten.

Insgesamt erwartet Venedig bis zum 22. November erneut rund eine halbe Million Besucher. „Man kann die Biennale nicht sehen, man muss sie scannen“, sagt Enwezor. „Ich wüsste nicht, wie man das anders machen soll.“ Außer eben ein paar Tage bleiben.

dpa

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