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Weltweit Laith Al-Deen lässt Hannover klatschen
Nachrichten Kultur Weltweit Laith Al-Deen lässt Hannover klatschen
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00:15 25.01.2015
Laith Al-Deen war Mittwoch zu Besuch im Capitol. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Das Klatschen ist eine feine Sache. Der satte Sound von aufeinanderprallender Haut macht schon Kleinkindern Spaß, ersetzt bei Parteitagen die Meinungsumfragen und ist im Theater das, was Sterne bei Bewertungsportalen sind. Bei Laith Al-Deens Auftritt im Capitol am Mittwochabend, da klatschen die Fans, wie das bei Populärmusik eben so ist, nicht nur nach den Liedern, sondern auch währenddessen.

„Bilder von dir“, Al-Deens ins Deutsche übertragene Version von „Everlasting Pictures“, eignet sich genauso dazu wie der schnelle Zwischenpart beim zweiten Hit „Dein Lied“. Wenn sich so ein Klatschen ergibt, von den größten Fans gestartet, langsam stärker wird, dann ist das was Schönes. Aber hier? Kein Lied, vor dem nicht der Bassist mit den Händen über dem Kopf den Animateur gibt, der Sänger dies selbst vorgibt oder der Schlagzeuger solo im 4/4-Takt der dumpfen Bassdrum das Klatschen unausweichlich macht. Bräsiger machen es die Zuschauerbetreuer beim „Winterfest der Volksmusik“ auch nicht.

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Zugegeben, Laith Al-Deen hatte in den vergangenen Jahren andere Sorgen. Das Vorgängeralbum, die Tour dazu, das alles habe ihm eigentlich keinen Spaß gemacht, sagte er kürzlich. Druck kam dazu, das Plattenlabel ging pleite. Al-Deen war kurz davor, aufzuhören mit der professionellen Musik. Die Alternative, ein arabisches Restaurant mit dem Vater, die lag längst in der Schublade. Doch nach zwei Jahren Bastelei, mit Blicken in andere Genres, und der Hilfe eines Therapeuten war im Kellerstudio der Grundstein gelegt für „Was Wenn Alles Gut Geht“, das achte Album.

Im Capitol, bei dieser Tour im Jahr 2015, da hat er wieder merklich Spaß auf der Bühne. Im Geiste seien Hannover und Mannheim verbrüdert, sagt Al-Deen. Denn dessen Heimatstadt darf sich wie HannoverUNESCO City of Music“ nennen. Er ist zufrieden mit dem neuen Album, von dem er an diesem Abend große Teile spielt. „Ich finde, es ist großartig geworden“, sagt der Sänger. Den Titelsong hat er von Leon Taylor, Sohn des Peter-Maffay-Bassisten Ken Taylor, schreiben lassen. Die Zuversicht, die er wollte, habe er nicht in sich gehabt für dieses Lied. „Wenn Gestern Heute Wär“ gibt es auf dem Album als Duett mit Maffay. Al-Deen singt die Lieder mit seiner souligen, satten Stimme. Gleich ein paar Mal stimmt er, nachdem ein Song eigentlich schon vorbei ist, eine Passage noch einmal an, lässt die Fans mitsingen, nimmt sich kurz zurück und füllt den Ort in sich, an dem wohl noch Platz für Zuspruch und Zuversicht ist.

Bis auf wenige gute Popsongs sind die Stücke des Albums trotz der Stimme Al-Deens austauschbar. Ein paar Tränen, ein bisschen Liebe, ordentlich Zuversicht. Das alles ist glatt produziert und würde in der Halbzeitpause der „NDR 2-Bundesligashow“ niemanden umschalten aber auch niemanden aufhorchen lassen. Live klingt das trotz Volksmusik-Animation deutlich schmissiger, hat mehr Druck, hier ist auch Platz für Spielereien, die nicht in einen Radio-Dreiminüter passen. Der Sound ist gut, die Band hat Lust, den Fans macht es Spaß.

Eine Botschaft will Laith Al-Deen an diesem Abend abseits der Musik noch los werden. Er stellt sich mitten ins Publikum und bittet die Zuschauer, dem Nachbarn auf die Schulter zu klopfen. Einfach mal so, das könne man auch am nächsten Tag gerne machen, sagt er, und lacht. Menschen sollten Menschen kennenlernen, und sich nicht von ihren Vorurteilen leiten lassen. Hier seien so viele Menschen, sagt Al-Deen. „Mittendrin ein Halb-Iraker, und es passiert: Nichts!“

Von Gerd Schild

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