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Weltweit Martin Grubinger bei Pro Musica in Hannover
Nachrichten Kultur Weltweit Martin Grubinger bei Pro Musica in Hannover
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16:32 30.11.2009
Von Jutta Rinas
Martin Grubinger Quelle: Pro Musica
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Es gebe immer noch Menschen, die glaubten, das Schlagzeug sei ein Instrument, auf dem man mit Klöppeln herumhaue und monotone Rhythmen erzeuge, hat der Weltklasse-Perkussionist Martin Grubinger einmal gesagt. Nun, die Menschen, die den 26-Jährigen „Schlagzeug-Irrwisch“, den „Marathon-Trommler“, wie er auch schon genannt wurde, jetzt in Hannover im Großen Sendesaal des NDR erlebt haben, glauben das nicht mehr. In einem Klassikkonzert der Extraklasse, in dem tatsächlich einmal kleine Jungs mit vor Begeisterung geröteten Wangen neben ehrwürdigen Pro-Musica-Abonnenten saßen, in dem Leute in Jeans und Hemd sich wie selbstverständlich unter die traditionellen Konzertgänger in Anzug und Krawatte oder im Abendkleid mischten, sahen sie einen Perkussionisten, der teilweise schier unglaubliche technische Anforderungen scheinbar mühelos bewältigte. Und sie hörten einen jungen Musiker, der sein Hauptinstrument an diesem Abend, das Marimbafon, zum Singen bringen kann.

Mit harten Akzenten, mit Trommelattacken und markanten Schreien begannen Grubinger und vier weitere Perkussionisten (darunter Grubingers Vater Martin Grubinger senior und sein Lehrer Leonhard Schmidinger) das erste Stück: „Wave“ ist eine Komposition der großen alten Meisterin des in Japan sehr populären Marimbafons, der mittlerweile 72-jährigen Keiko Abe. Noch faszinierender aber als die Wucht der Schläge, die man bis in die obersten Stuhlreihen hinein körperlich spüren konnte, waren die zarten Elemente: hingetupfte Marimbaklänge, kaum hörbare, verschwebende Beckenfarben. Totenstille herrschte im Saal, wenn Martin Grubinger eine der vielen fernöstlich anmutenden Melodien ins Nichts verschwinden ließ oder sie daraus wieder ins Hörbare holte. Unterbrochen wurden diese Phasen des Innehaltens, der Kontemplation, immer wieder von irrwitzig schnellen, rhythmischen Schlaggewittern.

Martin Grubinger hat schon oft betont, dass es ihn reizt, bei seinen Auftritten bis ans Limit zu gehen. Die Grenzen seines Instruments hatte er schon nach „Wave“ erreicht: Die Schnur, die die Holzklangstäbe seines Marimbafons zusammengehalten hatte, war gerissen – und musste hinter der Bühne neu eingezogen werden.

Er selbst allerdings war noch lange nicht am Ende. Er beeindruckte mit einer ebenso stringenten wie klaren Interpretation von Iannis Xenakis’ „Psappha“ für Schlagzeug solo. Neben Bongos, Kongas, Tom Tom und Holzblock fügten sich hier auch die Klänge des Deckels einer Mülltonne in die Komposition mit ein. In Keiko AbesPrism Rhapsody“ mischten sich teilweise fast impressionistische Klangkaskaden mit hochvirtuosen Elementen. Grubinger trommelte, wirbelte mit bis zu sechs Schlegeln, dass dem Publikum Hören und Sehen verging: Er selbst dagegen lachte während des Spiels immer wieder, als seien die enormen körperlichen Anstrengungen reines Vergnügen. Man wunderte sich in solchen Momenten nicht mehr, dass der im Salzkammergut geborene Grubinger seine Auftritte so oft mit denen von Spitzensportlern vergleicht. Der Bayern-München-Fan übt nicht nur bis zu zehn Stunden am Tag: Er lässt sich von Sportmedizinern Trainingspläne erarbeiten, fordert sich mit täglichem Rudern, Laufen, Radfahren, Hantelstemmen.

In einer der beiden Zugaben, dem von ihm geschriebenen „Planet Rudiment“ beschleunigte Grubinger Wirbel so sehr, dass sie klangen wie das Brummen von Riesenlibellen. Er spielte mit den Sticks hinter dem Rücken, warf sie in die Luft, legte sich einen Trommelstock auf den Arm und dann auf die Schulter, bei laufendem Spiel. Neben Kraft und Eleganz, neben großer Musikalität und Virtuosität hat sich dieses Ausnahmetalent auch einen Sinn für gute Unterhaltung bewahrt. Großer Applaus.

Martin Grubinger ist am 12. Februar mit der Camerata Salzburg in der hannoverschen Markuskirche zu hören. Karten: (05 11) 36 38 17.

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