Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Michael Haneke - Der Meister des Grausamen wird milder
Nachrichten Kultur Weltweit Michael Haneke - Der Meister des Grausamen wird milder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:12 02.12.2012
Für sein Drama "Liebe" hat Michael Haneke den Europäischen Filmpreis gewonnen. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Noch nie hat der Filmemacher ein Drama mit so viel Milde und Menschlichkeit gedreht, wie dieses Werk über Krankheit und Tod.

In dem Film, der die Geschichte eines alten Ehepaars erzählt, thematisiert Haneke eine sehr persönliche und intime Geschichte: Wie gehe ich mit dem Leiden von Menschen um, die ich liebe? Eine Frage, die ihn immer mehr betreffe, wie er in Cannes gestand. Haneke ist in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden und seit 1982 mit seiner Frau Susanne verheiratet.

Anzeige

Haneke, der am 23. März 1942 in München geboren wurde und in der Wiener Neustadt aufwuchs, kam erst spät zum Film. Der Sohn des Schauspielers Fritz Haneke und der Schauspielerin Beatrix von Degenschild studierte zunächst Psychologie, Philosophie und Theaterwissenschaften, arbeitete dann als Dramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden.

Der 70-Jährige hat als Regisseur den Ruf des strengen Analytikers, der immer wieder auch in die Abgründe der Menschen schaute. „Funny Games“ (1997) beispielsweise, in dem zwei junge Männer ohne ersichtlichen Grund eine Familie quälen und töten, schockierte mit seiner Brutalität. Auch im Film „Die Klavierspielerin“ mit Isabelle Huppert aus dem Jahr 2001 ging es um eiskalte Gewalt, um Sadismus und Masochismus. Das Psycho-Drama erzählt von einer Pianistin, deren Mutter-Beziehung zerstörerische Auswirkungen auf ihr Leben hat.

Hanekes „Liebe“ strahlt deutlich mehr Solidarität und Wärme aus, trägt in seiner schmerzhaften Konsequenz aber noch immer die Handschrift des Regisseurs. Auch das Drama „Das weiße Band“, für das Haneke vor drei Jahren bereits den Europäischen Filmpreis gewann und für einen Oscar nominiert war, entfaltet seine Wucht weniger offensichtlich als frühere Werke. Der Film mit dem Untertitel „Eine deutsche Kindergeschichte“ beschreibt in eher beobachtenden Bildern, wie vor dem Ersten Weltkrieg in einem abgeschiedenen deutschen Dorf patriarchalisch-autoritäre Strukturen Kinderseelen zerstören.

dpa