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Weltweit Mit Gespür für die Kunst
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00:24 25.07.2014
Von Daniel Alexander Schacht
„Sie werden uns überraschen“: Ellen Lorenz und Kathleen Rahn (rechts). Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Gibt es eine Zukunft für Museen und Kunstvereine? Werden dort auch noch junge Leute sein? Oder schauen sich künftige Generationen Kunst nur im Internet an? Um so große Fragen geht es an diesem Abend im Künstlerhaus - und um eine kleine Geste des Willkommens für Kathleen Rahn, die neue Kunstvereinschefin. Sie ist Gast im „Kunstsalon“ des Kunstvereins, dessen Vorsitzende Ellen Lorenz den Dialog mit der Direktorin führt. Was Kunst kann, was ein Kunstverein soll und was dessen Chefin will - das ist für Kathleen Rahn ganz klar: Stets gehe es um den freien Austausch über und die Begegnung mit der Kunst.

Solche Sätze lassen Ellen Lorenz freundlich nicken - bevor sie sich ein kleines Pingpong mit Kathleen Rahn liefert: Es müsse doch auch darum gehen, wie sich in der Kunst gesellschaftliche und politische Themen und Trends widerspiegeln. Rahn betont dagegen die „ästhetisch-sinnliche“ Dimension der Kunsterfahrung. „In sehr weitem Sinne gibt es da stets auch Politisches“, räumt sie ein, sie sehe aber eher den Künstler im Mittelpunkt als einen bestimmten Gegenstand. „Ein Thema wie das Pferd in der Kunst“, sagt die Kunstvereinsdirektorin, reize sie „nicht so sehr“. „Schade“, sagt Lorenz lächelnd. „Da würden Sponsoren uns gerade in Hannover die Tür einrennen.“ Und als Rahn verspricht, Künstler nach Hannover zu holen, die „nicht schon jeder kennt“, kontert Lorenz, sie habe nichts dagegen, wenn Prominenz mal „die Kassen klingen“ lasse.

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Doch Kunst und Kasse müssen keine Gegensätze sein - wenn zutrifft, was Kathleen Rahn an Kunstgespür nachgesagt wird. Auch Ellen Lorenz lobt die Intuition der 42-Jährigen, für die Hannover nach Aachen, Düsseldorf und Nürnberg schon die vierte Kunstvereinsstation ist, und hebt hervor, wie begeistert und begeisternd Rahn von Begegnungen mit Kunst und Künstlern erzählen kann.

Weil dies der erste Auftritt der Direktorin vor öffentlichem Publikum ist - darunter etwa Sprengel-Museums-Chef Reinhard Spieler, Künstler wie Julia Schmid und Franz Betz sowie viele Kunstvereinsmitglieder -, muss Rahn auch erzählen, wie sie zur Kunst gelangte, wie sie von Wesel am Niederrhein als 16-Jährige nach Köln reiste, um Warhol-Werke im Museum Ludwig zu sehen. Und aus demselben Grund gibt es von ihr auch ein paar programmatische Aussagen: Für Brückenschläge zu den Künstlern der Region plant sie Atelierbesuche mit den Kunstvereinsmitgliedern. Jugendliche will sie verstärkt durch den Kunstklub „Kunststoff“ ansprechen. Und sie betont, sie plane für 2015 lauter Ausstellungen zu „gesellschaftlich relevanten Fragestellungen“.

Das klingt etwas abstrakt und reichlich geheimnisvoll. „Sie werden uns überraschen“, ergänzt Ellen Lorenz, die offenbar schon Konkretes weiß, nicht minder geheimnisvoll. Jedenfalls sprudele die neue Frau an der Spitze derart vor Ideen, dass der Kunstvereinsvorstand darüber schon „in Schnappatmung geraten“ sei. Und was sagt die Kunstvereinschefin zur Zukunft von Kunstausstellungen im Internetzeitalter? „Auf absehbare Zeit gibt es die ganz gewiss“, sagt Kathleen Rahn. Man verständige sich im Netz, auch über Kunst. Aber man treffe sich immer noch dort, wo Kunst erfahrbar wird. Ästhetisch-sinnlich natürlich.

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