Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Der Papagei lebt
Nachrichten Kultur Weltweit Der Papagei lebt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:33 18.07.2014
Die Monty Pythons lassen alles tanzen – sogar Zähne. Quelle: Archiv
Anzeige
Hannover

Kommt ein Mann in einen Zooladen: Der Papagei sei tot, meint der Kunde, er schlafe nur, sagt der Verkäufer ... Der Papageiensketch ist eine der bekanntesten Nummern der britischen Komikergruppe Monty Python, die in den Siebzigern mit ihrer Sendung „Flying Circus“ und Filmen wie „Das Leben des Brian“ das Comedygenre erneuerte. 1989 starb das Mitglied Graham Chapman. Die verbleibenden John Cleese, Eric Idle, Terry Gilliam, Michael Palin und Terry Jones kommen zusammen auf 357 Jahre.

Jetzt haben sich die Senioren in London für zehn Abende mit dem selbstironischen Titel „Einer weniger, fünf kommen noch“ wiedervereinigt, um sich dann endgültig von der Bühne zu verabschieden. Alle 150 000 Karten wurden schnell verkauft, die letzte Show am Sonntag wird weltweit live in 1000 Kinos übertragen. In Hannover ist die Show im Cinemaxx am Raschplatz zu sehen. Los geht es am Sonntag um 20 Uhr.

Anzeige

Monty Python verbindet typisch britisch-schwarzen Humor mit kindlicher Albernheit und Sinn für die Absurditäten des Lebens. Damit lässt die Gruppe die meisten Comedians von heute alt aussehen. Und auch im Stadtbild von London ist die Komikergruppe sehr präsent. Die alternative Londoner Tour-Website shadyoldlady.com hat neun Pilgerorte zusammengestellt, die Python-Jünger auf eigene Faust erkunden können. Sie können die Porchester Hall für ihre Hochzeitsfeier mieten, in der jener dicke Mann aus dem Film „Der Sinn des Lebens“ nach dem Verzehr eines Minzblättchens explodierte, das Musical „Spamelot“ besuchen oder an der Schleuse „Teddington Lock“ den „fish-slapping-dance“ nachstellen.

Im Geschäft „Neal’s Yard Dairy“ im Hipsterviertel um die Tottenham Court Road wurde der „Käseladen“-Sketch gedreht. John Cleese zählt darin als Kunde mit wachsender Verzweiflung lauter Käsesorten auf, die nicht vorrätig sind. Der Londoner Originalshop dagegen ist gut ausgestattet, es riecht intensiv nach Käse. Die Verkäuferin Anne aus Deutschland wird oft von Python-Fans angesprochen, seit dem Beginn der Londoner Shows mehrmals täglich. „Hier, das ist der Monty-Python-Käse“, sagt sie und reicht eine Scheibe „Hawes Wensleydale“ über die Theke – der Name des glücklosen Käseverkäufers im Sketch. „Das saure Aroma dieser Sorte lieben die Engländer besonders, das passt zu ihrem Naturell“, sagt Anne.

Am Naturell der Briten arbeiten die Pythons sich in ihren Sketchen ab. In einem trifft sich die englische Oberklasse zum Wettkampf um den Titel „Trottel des Jahres“ im Londoner Hurlingham Park. Wenn man sich die gestutzten Grünflächen rund um den exklusiven „Hurlingham Gentlemen’s Club“ betrachtet, erheitert der Gedanke, hier würden Python-Sportarten wie „Trete den Bettler“ praktiziert.

Vor den Pubs im Finanzdistrikt am Ufer der Themse trinken gestresste Anzugträger ihr Feierabendbier und rauchen Kette. Ihnen würde ein kleiner Ausbruch aus dem System nach Python-Art auch ganz gut tun: In der Ouvertüre zum Film „Der Sinn des Lebens“ werden brave Bankangestellte zu Piraten, die ihr Firmengebäude kapern, zum Schiff umrüsten und davonsegeln. Dieser Abgesang auf den Kapitalismus wurde an der Londoner Fenchurch Street 71 gedreht, die hier beheimatete Lloyds Bank trägt als Firmenemblem tatsächlich ein goldenes Segelschiff auf dem Dach des altehrwürdigen Gebäudes.

Die Londontour ist beendet, doch eine der letzten Monty-Python-Shows im gigantischen Millenium Dome am Themse-Ufer steht noch aus. Viele Besucher erscheinen zur Aufführung als Python-Figuren kostümiert, etwa mit einer Art geknotetem Taschentuch auf dem Kopf. Das lässt sich an dem Stand „Kram für Geld“ erstehen, neben einem Babystrampler mit dem berühmten Zitat aus der Katholikenparodie „Jedes Spermium ist heilig“ oder einer Tasse mit der Aufschrift „Gestehe!“ als Anspielung auf den Sketch „Spanische Inquisition“.

Gilliam, der Künstler der Truppe, hat die Bühne in der Art eines Varietétheaters gestaltet. Die Pythons treten auf – und es ist wie bei Altrockern: Sie brauchen nur die ersten Akkorde eines Klassikers anzuspielen, schon jubelt das Publikum. Wie zeitlos ihr Humor ist, zeigt sich bei der Videoeinspielung des Sketches „Fußball der Philosophen“, der auch nach Jahrzehnten zum „Heureka!“-Ruf animiert. Idle, der Musiker unter den Pythons, hat den Abend als Nummernrevue angelegt, ein Tanzensemble übernimmt etwa den „albernen Gang“, den Cleese mit seinem künstlichen Hüftgelenk nicht mehr leisten kann. Der Humor ist grotesk, anarchisch und burlesk. Die Pythons sind auch als Greise pubertär, das zeigt unter anderem ein Riesendildo, der Seifenblasen ins Publikum pustet.

Und nun zu etwas völlig anderem: Auf dem Heimweg durchs Regierungsviertel hält man unwillkürlich nach dem Ministerium für alberne Gänge Ausschau. Und ein Straßenmusiker spielt „Always Look on the Bright Side of Life“.
Der Papagei lebt.

Die letzte Monty-Python-Show wird am Sonntag um 20 Uhr live in ausgewählte Cinemaxx-Kinos – auch Hannover, Hildesheim und Göttingen – übertragen.

Weltweit Mitbegründer der Avantgardegruppe - Zero-Künstler Otto Piene gestorben
18.07.2014
17.07.2014