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Weltweit München nach Bruch mit Thielemann in der Kritik
Nachrichten Kultur Weltweit München nach Bruch mit Thielemann in der Kritik
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17:20 23.07.2009
Der Vertrag des Generalmusikdirektors der Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann, wird nicht verlängert.
Der Vertrag des Generalmusikdirektors der Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann, wird nicht verlängert. Quelle: Timm Schamberger/ddp
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Spitzenvertreter der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sprachen am Donnerstag von einem „blamablen Versäumnis der Stadt München und ihrer Kulturrepräsentanten“. Der Präsident des Bayerischen Musikrats, Ex-Kunstminister Thomas Goppel (CSU), warf den Verantwortlichen der Stadt eine falsche Verhandlungsführung vor.

Die Akademie teilte mit, die „verhängnisvolle Fehlentscheidung“ des Münchner Stadtrats, Thielemanns Vertrag nicht über die Saison 2010/2011 hinaus zu verlängern, nehme man „mit Bestürzung“ zur Kenntnis. Dadurch sei das gegenwärtig hohe Niveau der Philharmoniker gefährdet.

Thielemann sei „zweifellos einer der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit“, er habe die Philharmoniker an die Spitze der weltbesten Orchester herangeführt und werde vom Münchner Konzertpublikum geliebt. „Wie kann es sein, dass der Stadtrat ihn trotzdem vertreiben will und die üble Tradition dieser ’eigentlich dummen Stadt’ (Thomas Mann) fortzusetzen droht, gerade ihre bedeutendsten Künstler immer wieder zu verjagen?“

Die Akademie warf der Stadt München „künstlerische Uneinsichtigkeit, allzu durchsichtige finanzielle Erwägungen“ und „eine gehörige Portion Provinzialismus“ vor. Der Abbruch der Verhandlungen mit Thielemann wäre „eine Blamage ersten Ranges, ein Desaster für die internationale Reputation und materielle Existenz des Orchesters“ und ein „Verrat an der Musikstadt München“. Dieser könne nur durch die Wiederaufnahme der Vertragsverhandlungen mit Thielemann abgewendet werden: „Diese fordern wir mit Nachdruck.“

Auch Goppel wertete die Entscheidung der Stadt als Fehler. „Es steht fest, dass in der Landeshauptstadt München drei Weltdirigenten zusammen gute Arbeit geleistet haben. Und jeder, der einen von diesen Dreien reisen lässt oder reisen schickt, muss wissen, dass er damit den Nimbus der Landeshauptstadt im Musikalischen stört“, sagte der Präsident des Musikrats.

Zugleich kritisierte der Ex-Minister die Verhandlungsführung der Stadt München. „Die Verhandlungen sind in einer falschen Gasse gelandet“, sagte Goppel und fügte hinzu: „Für so verhandlungsresistent, wie ihn die Landeshauptstadt darstellt, halte ich ihn nicht.“

Dagegen verteidigte Kulturreferent Hans-Georg Küppers erneut die Strategie der Stadt. „Das Orchester, der Philharmonische Rat und ich sind sehr sensibel vorgegangen“, sagte er der Münchner „Abendzeitung“ (Donnerstagausgabe). „Aber wenn es eine Brücke gibt, über die einer nicht mehr gehen will, bin auch ich mit meiner Weisheit am Ende.“ Dass es doch noch zu einer Einigung mit dem Dirigenten kommt, glaubt Küppers nicht: „Die Vollversammlung des Stadtrats hat die Nichtverlängerung beschlossen. Nachverhandlungen kann ich mir derzeit nicht vorstellen.“

ddp