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Weltweit Neuer Roman von Dörte Hansen: Von Weltuntergang und Weitermachen
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16:41 17.10.2018
Autorin Dörte Hansen verknüpft in „Mittagsstunde“ Dorfgeschichten mit dem Altwerden. Quelle: Andreas Heß
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Husum

Erst bleiben die Störche weg, dann schrumpft die Gästeschar in Sönke Feddersens Dorfkrug. Bald kommen die Landvermesser und legen die Ackerfetzen zu endlosen Flächen zusammen, die rasante Asphaltstraße, auf der es sich so flott Rollschuh laufen lässt und leicht sterben. Flurbereinigung hieß das in den Fünfzigern, bundesweit.

Und jedesmal ist es wie ein kleiner Weltuntergang auf der nordfriesischen Geest, in Brinkebüll, dem fiktiven Ort, den Dörte Hansen zum Schauplatz ihres Romans „Mittagsstunde“ macht. Heimat für einen Dorfkosmos mit Gestalten, so alltäglich wie sonderlich, und für eine Familiengeschichte voller Kanten und Ungereimtheiten.

Norddeutsche in „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen: Heimatdichter oder Trinker

Im Krug von Sönke und Ella kommt alles zusammen. Die Dörfler sowieso, von Großbauer Paule Bahnsen bis zu Heiko Ketelsen, der die Brinkebüller erst für den Line Dance begeistert und dann den Krug zum Western-Saloon machen will. Aber auch die Geschichte von Sönke und Ella, die bald ihre Gnadenhochzeit feiern sollen. 70 Jahre Ehe: Marret gehört dazu, die verdrehte Tochter, die die bösen Zeichen immer schon vor den anderen sieht. Ingwer, den die Großeltern an Marrets Stelle großziehen. Für ein Sabbatjahr ist „de Jung“, der in Kiel an der Uni lehrt, nun zurückgekehrt auf die Geest zu den Alten, denen langsam die Welt entgleitet.

Von da aus lässt Dörte Hansen, selbst in Husum geboren, die Vergangenheit herüberschwappen, die Zeiten verfließen zum Nebel einer kollektiven Erinnerung. So verknüpfen sich die Dorfgeschichten mit dem Altwerden und Ingwers später Identitätssuche. Die Autorin hat aus dem Norddeutschen ihren ureigenen Klang destilliert: Nachdenklich, karg und trocken, gespickt mit plattdeutschen Worten und Floskeln, die dazu gehören und gleichzeitig wie Fremdkörper erscheinen. Und gleichzeitig erzählt sie mit warmherzigem Blick auf die Dorfleute und wie sie die Landschaft geprägt hat: „Der Norden machte das mit einem. Man wurde hier zum Heimatdichter oder Trinker.“

Mittagsstunde von Doerte Hansen Cover Bender Sonntag Quelle: (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen

Das Ende einer Idylle – war sie jemals eine?

Unsentimental erzählt Dörte Hansen vom Ende der Idylle, die wohl nie eine war; aber doch so, dass darunter die leise Trauer spürbar wird, eine feine Melancholie, wenn die Kastanienallee der Schnellstraße weichen muss und in der Zweisamkeit die Einsamkeit der Alten aufscheint. Theodor Storm klingt da von Ferne mit, auch das Spökige aus nordfriesischen Sagen und Wettern.

Dorfpanorama, Entwicklungs- und Generationenroman bringt Dörte Hansen so zusammen. Und man ist dabei, wie sich Land und Leben verändern und die Wirklichkeit löchrig wird wie ein altes Handtuch. Aber man sieht auch das Andere und wie sich aus den alten Fetzen das Bild neu formt.

Dörte Hansen: Mittagsstunde. Penguin, 320 Seiten, 22 Euro.

Von Ruth Bender

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