Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Puccini unterm Sternenhimmel von Hannover
Nachrichten Kultur Weltweit Puccini unterm Sternenhimmel von Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 19.07.2014
Von Jutta Rinas
Liebe, Leidenschaft,Verrat: Tenor José Cura wird in der „Tosca“ die Partie des Cavaradossi singen. Quelle: Alexander Körner
Anzeige
Hannover

Zeit für Fußball muss immer noch sein. Auch am dritten Tag nach der WM, auch dann, wenn es eigentlich um Puccini geht. Um „Tosca“ genauer gesagt, um das große Open-Air-Spektakel des NDR im Maschpark am kommenden Sonnabend, um eines der großen Dramen der Operngeschichte, um Liebe, Leidenschaft, Treue, Verrat. Aber die Dramen von heute spielen sich eben mehr nicht nur in der Oper, sondern auch draußen, auf dem grünen Rasen, ab. Und so kommt es, dass José Cura, Weltklasse-Tenor und Argentinier, schmerzlich die Augen verdreht, als auf einer Pressekonferenz im „Gartensaal“ im Neuen Rathaus die Rede auf die Niederlage „seiner“ Mannschaft kommt. Einer habe am Ende gewinnen müssen, sagt der Mann, der in „Tosca“ den Maler Mario Cavaradossi geben wird, diplomatisch über das Finale Argentinien - Deutschland. Dann lacht er schelmisch, senkt die Stimme und erreicht damit, ganz Bühnenprofi, nur noch mehr Aufmerksamkeit: „Aber was wäre das für ein Spiel geworden, wenn es für das Foul von Manuel Neuer gegen Higuaín einen Elfmeter gegeben hätte?“

Anzeige

Es ist an diesem Mittwoch im Maschpark auch Tag drei der Aufbauarbeiten für ein Projekt, das in Hannover an diesem Ort bislang einzigartig ist. Seit Montag entsteht hier die Bühne für eine Operninszenierung von Puccinis berühmtester Oper „Tosca“ vor traumhafter Kulisse: dem Rathaus, dem Maschpark, dem Maschteich. Mächtig spannt sich das Bühnendach auf der Terrasse hinter dem Rathaus mittlerweile über die Bühne, auf der später Sänger und NDR-Radiophilharmonie auftreten werden. Der Mädchenchor und der Johannes-Brahms-Chor Hannover kommen noch hinzu. Requisiten wie eine Marienstatue oder ein Schreibtisch stehen bislang noch verloren auf der Bühne herum. Schaufelbagger fahren hin und her, es wimmelt von Menschen in orangenen Sicherheitswesten. Dazwischen sieht man Stars in legerer Kleidung, Cura beispielsweise in Jeans, weißem Hemd und Sonnenbrille, den scheidenden NDR-Chefdirigenten Eivind Gullberg Jensen oder die Sopranistin Catherine Naglestad (Tosca), bei ersten Stellproben. José Cura gehört zu den klassischen Sängern, die gerne und viel bei Freiluftkonzerten auftreten. Zudem führte er auch schon Regie.

Bereits im April, nach einem Auftritt als Stargast beim „Festlichen Opernabend“ in der hannoverschen Staatsoper, hatte er sich ein Bild von der künftigen Freiluftbühne hinter dem Rathaus gemacht, einer „Rock-’n’-Roll-Arena“, wie er findet, und Anregungen für szenische Elemente in der eigentlich konzertanten Aufführung gegeben. Cura selbst beispielsweise wird nicht nur auf der Bühne stehen, sondern auch abseits davon an einer kleinen Steinmauer auf der Terrasse singen. Das Hirtenmädchen aus „Tosca“ schreitet sogar am Maschteich entlang. Gespielt wird es von Katharina Held vom hannoverschen Mädchenchor, gerade mal 19 Jahre alt, gerade fertig mit dem Abitur, frischgebackene 1. Preisträgerin bei „Jugend musiziert“ und ab September Gesangsstudentin in Berlin. Wie sie es findet, unter Weltstars zu singen? „Ich bin aufgeregt, aber auch stolz.“

Wenn Katharina Held wüsste, wie viele Besucher ihr Sängerkollege Cura am Sonnabend erwartet, würde sie vermutlich noch ein bisschen nervöser werden. Auf bis zu 15 000 Zuhörer hofft der Argentinier, nicht nur auf die 1500 zahlenden Gäste, sondern auf viel Publikum im angrenzenden Maschpark. „Das ist eine wunderbare Gelegenheit für jedermann, vor fantastischer Kulisse ein bisschen Opernluft zu schnuppern“, sagt er. NDR-Fernsehchefin Marlis Fertmann bestätigt: „Die Musik wird verstärkt werden. Zaungäste sind ausdrücklich erwünscht.“ Fertmann, nach eigenen Worten Fan von Operngalas unter freiem Himmel, den Opernfestspielen in Verona beispielsweise oder der Waldbühne in Berlin, hat sich die hannoversche Freiluftoper ausgedacht: „Wir werden den Leuten - auch mit den Bildern von der Fernsehübertragung von ‘Tosca’ - zeigen, was für ein wunderbares Panorama das so oft unterschätzte Hannover hat.“ Und die Instrumente? Für manche Instrumente ist Hitze der Tod. Das Konzert beginnt zwar um 21 Uhr, Proben wird es aber auch tagsüber geben. „Das findet sich“, sind Fertmann und Dirigent Eivind Gullberg Jensen gleichermaßen überzeugt. Open Air sei eben „das Gegenteil von Klimaanlage“.

Hier gibt es Karten

„Tosca“ im Maschpark: Sowohl die Aufführung von „Tosca“ am Sonnabend, 19. Juli, 21 Uhr, als auch die Generalprobe heute, 19 Uhr, sind ausverkauft. Zaungäste im Maschpark, der für alle Besucher offen ist, sind aber ausdrücklich erwünscht. Karten gibt es nur noch bei der HAZ: HAZ-Leser können beim NDR Open Air exklusiv dabei sein. Wir verlosen heute fünfmal zwei Karten für die Aufführung der Puccini-Oper am Sonnabend. Um zu gewinnen, schreiben Sie heute bis 
24 Uhr eine Mail an hannover@haz.de mit dem Stichwort „Tosca“, und hinterlassen eine Rückrufnummer, unter der Sie die Redaktion am Freitag erreichen kann. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das NDR Fernsehen überträgt „Tosca“ zudem am Sonnabend, 19. Juli, ab 22 Uhr.

Weltweit Interview über Uwe Johnson - „Er blieb mit dem Herzen in der DDR“
Martina Sulner 15.07.2014
Weltweit Ausstellung „Beyond melancholia“ - Einfach fühlen
Martina Sulner 15.07.2014