Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Ottmar Liebert verzückt im Capitol
Nachrichten Kultur Weltweit Ottmar Liebert verzückt im Capitol
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:27 06.03.2012
Foto: Im Capitol spielen allerlei Musiker, so am Donnerstag auch Ottmar Liebert.
Im Capitol spielen allerlei Musiker, so am Donnerstag auch Ottmar Liebert. Quelle: Symbolfoto
Anzeige
Hannover

Die Bilder wechseln rasch. Kaum hat man ein Motiv identifiziert, seine Struktur erfasst, wird es schon vom nächsten überblendet, oft von einem, das motivisch oder kompositionell nahtlos ans vorherige Bild anschließt. Es ist ein langer, ruhiger Fluss der Fotos, der auf der großen Leinwand im hannoverschen Capitol (das einmal ein Kino war) zu sehen ist. Halb davor, halb daneben sitzt ein Mann auf einem Stuhl und spielt Gitarre. Ambient-Flamenco-Bossanova-Worldmusic. Die Augen hat er meist geschlossen, oft wiegen sich sein Kopf und auch sein Oberkörper zur Musik, die nackten Füße wippen im Takt.

Ottmar Liebert gibt ein ungewöhnliches Konzert. Der 53-jährige Gitarrist, in Köln geboren, seit 1986 in Santa Fe, New Mexico, lebend, hat sein Ensemble "Luna Negra" zu Hause gelassen. Er setzt allein auf die Kraft seiner Musik und den Sog des Fotoflusses, der parallel dazu vorbeizieht. Erklärend sagt Liebert (in seiner einzigen Ansage des Abends), dass er früher mal Fotograf werden wollte, und diese Bilder, allesamt auf seinen Reisen in den vergangenen fünf Jahren entstanden, "ein bisschen so wie früher" funktionieren würden, als er beim Fernsehen den Ton abgestellt und dazu Pink Floyd gehört habe - "hat immer gepasst".

Mit klaren, hellen, perkussiven Tönen, nahe am Steg angeschlagen, spielt Liebert seine Stücke, eines nach dem anderen, unterbrochen nur von Applaus und gelegentlichem Nachstimmen. Die Zuhörer im teilbestuhlten Saal sind ein sehr aufmerksames Publikum. Es ist völlig still im Capitol, nur Lieberts Gitarre und die Lüftungsanlage sind zu hören. Und immer wenn der Kühlschrank anspringt, zuckt man zusammen und guckt irritiert und vorwurfsvoll zur Theke.

Lieberts Musik ist von schlichter Struktur, es sind einfache, aber wirkungsvolle Kompositionen, atmosphärisch und technisch exzellent in Szene gesetzt. Rasende Arpeggien, darüber eine hübsche, kleine Melodie, geschmückt mit perkussiven Elemente aus dem Flamenco, aus dem Liebert auch manche Spiel- und Kompositionstechniken entliehen hat. Manchmal ist die Musik in der Nähe von New Age, von sanft berieselnder Ambientmusik. Manchmal ist sie so etwas wie rhythmisch komplexer, treibender Flamenco-Funk. Aber oft ist sie einfach nur raffiniert gestaltete, hervorragend gespielte Musik, zu der man reichlich eigene Bilder assoziieren kann. Passt immer.

05.03.2012
Stefan Arndt 05.03.2012