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Weltweit Praetorius-Preis an Hengelbrock verliehen
Nachrichten Kultur Weltweit Praetorius-Preis an Hengelbrock verliehen
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18:11 25.03.2012
Von Uwe Janssen
Preisträger Hengelbrock mit Ministerin Wanka.
Preisträger Hengelbrock mit Ministerin Wanka. Quelle: Herzog
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Hannover

Besessen. Vielleicht beschreibt das Wort die musikalische Motivation von Thomas Hengelbrock am besten, doch auf einer Preisgala wählt man gemeinhin andere Attribute. Es sei denn, der Preisträger erwähnt es selbst: "Als ich 25 war und nahezu besessen von Ideen, war es für meine Mitstreiter sicher nicht ganz einfach", sagt der heute 53-jährige Hengelbrock und erinnert sich an die Zeit, "als ich das Freiburger Hochschulorchester anvertraut bekommen habe. Da haben einige Professoren ihren Studenten verboten, bei mir zu spielen - wegen musikalischer Gefährdung." Er habe allerdings im Laufe der Zeit versucht, "ein bisschen allgemeinverträglicher zu werden."

Sympathisch kommt er rüber, der aus Wilhelmshaven stammende Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters bei der Verleihung des mit insgesamt 56000 Euro dotierten Praetorius-Musikpreises im Schauspielhaus Hannover. Doch nicht nur wegen des Hauptpreisträgers, der mit dem Balthasar-Neumann-Chor Allgemeinverträgliches von Brahms und Mendelssohn Bartholdy auf die Bühne bringt, ist die Verleihung des wichtigsten niedersächsischen Musikpreises unterhaltsam. Sondern auch, weil sie - unter der Regie von Schauspielintendant Lars Ole Walburg - flott getaktet ist. Moderator Holger Hettinger vom Deutschlandradio Kultur führt locker und souverän durch das Programm, und seine prominente Komoderatorin schlägt sich wacker: Kulturministerin Johanna Wanka verleiht nicht nur die Preise sondern führt auch Interviews.

Das Thema Aufbruch steht ein wenig Pate an diesem Abend. Und das gleich im doppelten Sinne: Die Förderpreisträger brechen in eine musikalische Karriere auf - und demonstrieren, warum: Das Jazztrio Tritonüsse verknüpft mit der eigenwilligen Besetzung Gesang, Posaune und Vibrafon Jazz und Weltmusik, der 17-jährigen Pianistin Elisabeth Brauß fließen Tschaikowskis "Jahreszeiten" aus den Fingern, und der 23-jährige Schlagzeuger Simon Etzold zeigt, was man aus einer einzelnen Snare-Drum alles herausholen kann. Dass Brauß und Etzold zwei Erfolgsgeschichten des Instituts für Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) an der Musikhochschule Hannover sind, ermöglicht einen eleganten Übergang. Denn der Praetorius-Preis für ehrenamtliches Engagement geht an das IFF. Und wirft ein strahlendes Licht auf die Musikhochschule, die neben Hengelbrock der Gewinner des Abends ist.

Dem Innovationspreis wohnt das Thema Aufbruch ohnehin inne - geht es dabei doch auch darum, Konventionen aufzubrechen. Die junge Geigerin Patricia Kopatchinskaja erfüllt diesen Anspruch nicht nur mit ihrem Instrument, sondern auch mit klaren Worten. Ihr Leben sei zu kurz, sagt sie, um die Sachen zu spielen, die andere schon so oft gespielt hätten. "Dazu werde ich nicht gebraucht." Sagt’s und spielt "fragmentos de lux" auf ihrer Geige, stößt dabei Laute aus, die an Scatgesang erinnern und lässt sich von den Stimmgeräuschen des spanischen Klangpoeten Ernesto Estrella unterstützen.

Harald Weiss wird mit dem Kompositionspreis geehrt, obwohl sein künstlerisches Spektrum eigentlich mit einem Preis gar nicht zu erfassen ist. Das Nomos Quartett hat sich für Kontemplatives entschieden und spielt Weiss’ "Gebet".

Beendet wird Preis- und Lobreigen dann mit Schwung: Die Dissidenten waren vor 30 Jahren eine Art Erfinder der Weltmusik. Seitdem leuchten sie unterschiedliche Musikkulturen nach Berührungspunkten aus und verflechten sie so, dass man beim Zuhören nicht stillsitzen kann. Dafür gibt es den Internationalen Friedensmusikpreis. Und die festlich gekleidete Zuhörerschaft wippt fröhlich zum Empfang im Foyer und stößt mit Allgemeinverträglichem an.

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