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Weltweit Daryl Hall und John Oates: Pril-Blumen-Pop
Nachrichten Kultur Weltweit Daryl Hall und John Oates: Pril-Blumen-Pop
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19:23 08.05.2019
Lovesong-Spezialisten: Daryl Hall (links) und John Oates. Quelle: Michael Reimers/Imago Images
Hamburg

Wie fühlt es sich an verliebt zu sein? Daryl Hall und John Oates kennen sich aus, denn sie haben jede Menge Songs darüber geschrieben. Einer ihrer Hits, „You Make My Dreams“, wurde sogar in mehreren Filmen verwendet, um diesen Zustand absoluter Glückseligkeit zu beschreiben. Am eindrucksvollsten gelang dies in „(500) Days of Summer“, in dem Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt, frisch geküsst von Zooey Deschanel, durch die Straßen der Stadt tanzt. Hall und Oates spielen den Titel als letzte Zugabe ihres Konzertes in Hamburg.

Der übermütige Beat tollt wie ein junger Hund durch die Halle. „Woo ooh ooh ooh ooh ooh ooh, I’ve been waiting for you, girl“, singt Hall. „Girl, oh yeah!“ Der Lichtdesigner projiziert farbenfrohe Achtzigerjahretapeten an den Bühnenhintergrund. Man muss an Pril-Blumen denken.

Den Superhit „Maneater“ spielen Hall & Oates gleich als Erstes

Der bestuhlte Innenraum ist durch einen schwarzen Vorhang fast halbiert worden. Der Oberrang war gar nicht im Vorverkauf. Trotzdem sind nicht wenige Sitze in der Multifunktionsarena leer geblieben, was womöglich daran liegt, dass in Deutschland die breite Masse die beiden Musiker fast vergessen hat. Ihr aktuelles Studioalbum erschien 2006. Vor 13 Jahren. Es war eine Weihnachtsplatte. Zuletzt tourten sie hier in den Neunzigern, und selbst in den Achtzigern, ihrer erfolgreichsten Zeit, landeten sie in der Bundesrepublik keinen einzigen Top-Ten-Hit. „Maneater“ von 1982,ihr vielleicht geläufigster Song, schaffte es bloß auf Platz 15.

Das Duo spielt das Lied über eine verführerische Frau, die nur vom „Schnurren eines Jaguars“, gemeint ist die Luxuslimousine, gezähmt werden kann, wie fast immer als Erstes.

Sechs Nummer-eins-Hits in den USA

Wer meint, Hall, 72 Jahre alt, und der ein Jahr jüngere Oates hätten damit ihr Pulver bereits verschossen, der irrt. Viele Stücke, darunter ihre sechs US-Nummer-eins-Hits, kennt man einfach. Neben „Maneater“ sind dies „Rich Girl“, „Kiss on My List“, „Private Eyes“,„I Can’t Go for That (No Can Do)“ und „Out of Touch“. Die Ü-50-Fans freuen sich nostalgisch.

Besonders „I Can’t Go for That (No Can Do)“ von 1981 bringt das Publikum in Bewegung. Es ist ein oft gesampeltes Stück. Del La Soul und Simply Red bedienten sich. Sogar Michael Jackson klaute den Groove für „Billie Jean“. Er gab es selbst zu. „Das ist okay“, meinte Daryl Hall mal. „Das machen wir doch alle.“

Mit dem Lied führten Hall und Oates in den USA nicht nur die Billboard Hot 100 an, sondern auch die schwarzen R&B-Charts, was nur wenigen weißen Gruppen gelingt. Die Band, eine wahre Groove-Maschine, dehnt die Nummer mit dem simplen Roland-CR-78-Drumcomputer-Beat auf Maxi-Single-Länge aus, und so bekommt der weißhaarige Charles DeChant, der langgediente Hippie-Saxofonist, ausreichend Zeit für sein Solo.

Der erste Morgen nach der Trennung – eine Zahnbürste fehlt

Zu den Höhepunkten des Konzertes gehören auch zwei samtene Balladen: „Sara Smile“, in der Hall seine frühere Lebensgefährtin und Songwriterpartnerin Sara Allen besingt. Und „She’s Gone“, ebenfalls ein autobiografisches Stück. Es beschreibt den ersten Morgen nach der Trennung. Eine Zahnbürste fehlt. „She’s gone, and she’s gone. Oh why? What went wrong?“, reimt Hall.

Die Große Freiheit, der Club in der Reeperbahn-Seitenstraße, hätte wohl ausgereicht, um alle Hall-und-Oates-Fans, die da sind, aufzunehmen. „Bis zum nächsten Mal!“, ruft Hall zwar zum Abschied, aber man kann sich nicht vorstellen, dass er und Oates noch einmal in Deutschland auftreten. Die, die dabei waren, erlebten ein Spektakel des Soft Rock, diesem Mezzo-Mix unter den Musikstilen. Nach der 90-minütigen Achtzigerjahreparty tanzen einige aus der Halle in Richtung Parkplatz oder Bus, manche ganz bestimmt mit farbenfrohen Gedanken.

Von Mathias Begalke/RND

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