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Weltweit „Kinder, schafft Neues“
Nachrichten Kultur Weltweit „Kinder, schafft Neues“
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12:23 24.04.2014
Von Jutta Rinas
Experimentierfreudig: Michael Klügl (Bild Mitte) und Jörg Mannes (rechts). Quelle: Schledding
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Sie sind oft die Stiefkinder der Opernintendanten: Uraufführungen, Sinfoniekonzerte mit zeitgenössischer Musik. Das Publikum zieht Altvertrautes immer noch oft den modernen Klängen vor. Auch der hannoversche Opernintendant Michael Klügl kennt solche Reflexe: In seinen Anfängen, so schreibt er im Programmheft der Staatsoper zur Spielzeit 2014/15, habe er einen Intendanten erlebt, der Uraufführungen nicht einmal als solche kennzeichnete. Der Grund: Er wollte das Publikum nicht verschrecken.

Klügl dagegen wartete gestern mit einem Programm voller Novitäten für die Saison 2014/15 auf. Sieben Uraufführungen, darunter eine zeitgenössische Oper von Giorgio Battistelli und drei neue Werke in der Jungen Oper, sowie die neue Reihe „Klangbrücken“, die 2015 dem Komponisten Olivier Messiaen gewidmet ist – all das wird in der neuen Spielzeit zu hören sein.

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„Kinder, schafft Neues“ – sichtlich vergnügt zitierte Klügl das Bonmot Richard Wagners als Motto der kommenden Saison. Dass er dem Wagnis des Neuen so gelassen entgegensieht, hat vermutlich auch mit der hohen Akzeptanz seiner Arbeit in Hannover zu tun. Allein die Auslastung im März habe bei 88 Prozent gelegen, sagte Klügl. Das sei ein „sehr guter Wert“, der April verlaufe „auch hervorragend“. Preiserhöhungen habe das Publikum nicht zu erwarten: „Wir zählen auch in der kommenden Spielzeit auf unseren Erfolg.“

Der wird sich möglicherweise auch deshalb einstellen, weil die Staatsoper Bewährtes und Neues klug mischt. Junge Regisseure werfen einen frischen Blick auf traditionelle Stoffe, die Uraufführungen – oft Auftragswerke der Staatsoper – werden von erfahrenen Kräften geleitet. Bei Giacomo Puccinis „Tosca“ am 2. Oktober 2014 beispielsweise übernimmt das junge ungarische Team Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka Inszenierung, Bühne und Kostüme. Auch die „Operette aller Operetten“ (O-Ton Dramaturg Klaus Angermann), Johann Strauß’ „Fledermaus“, wird von einem sehr jungen Regisseur inszeniert (Premiere: 29. April 2015). Martin G. Berger ist in Hannover allerdings kein Unbekannter: Er inszenierte in dieser Spielzeit an der Jungen Oper bereits das Stück „Krawall“. Die Premiere von Leoš Janáceks „Jenufa“ bringt der junge niederländische Regisseur Floris Visser auf die Bühne. Die „Jenufa“ des 30-Jährigen (Premiere: 11. Juli 2015) ist erst seine zweite Inszenierung an einem deutschen Opernhaus. Die Uraufführung von Giorgio Battistellis Oper „Lot“ (17. Januar 2015) nach dem biblischen Stoff liegt dagegen in den Händen des erfahrenen Regisseurs Frank Hilbrich. Der gebürtige Bremer hat schon häufiger in Hannover inszeniert, zuletzt Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ 2012. Das Libretto zu „Lot“ schrieb überdies eine renommierte deutsche Schriftstellerin: die auch als Opernregisseurin erfolgreiche Jenny Erpenbeck.

Ebenfalls kein Unbekannter in Hannover ist Bernd Mottl. Er hat hier schon mehrere Musicals und Kurt Weills „Street Scene“ inszeniert. 2014/15 bewegt er sich allerdings auf einem neuen, für ihn ungewohnt ernsten Terrain. Mottl übernimmt die Regie von Massenets „Werther“. Premiere: 23. Mai 2015.

Mit der konzertanten Aufführung von Arrigo Boitos „Mefistofele“ steht zudem ein zweites Mal zumindest in Bezug auf das Libretto ein Stoff Johann Wolfgang von Goethes auf dem Programm. 

Die Junge Oper Hannover hat sich in den vergangenen Jahren mit zeitgenössisch-frischen Werken bei Kritikern und bei Kindern und Jugendlichen einen außerordentlich guten Ruf erworben. „Die Hoffmann Show“ heißt ein neues Musiktheaterstück, bei dem „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach, aber auch diverse Reality-Shows aus dem Fernsehen eine maßgebliche Rolle spielen. Janoschs „Oh, wie schön ist Panama“  und der alte „Münchhausen“-Stoff wurden als Auftragswerke für die Staatsoper von dem Trojahn-Schüler Stefan Johannes Hanke und dem Rihm-Schüler Jan Masanetz neu vertont.

Ballettpremiere in Hannover, das ist fast immer gleichbedeutend mit einer Uraufführung. Ballettchef Jörg Mannes hat sich drei ungewöhnliche Stoffe als hannoversche Tanzpremieren ausgesucht. Um das Leben der Bildhauerin Camille Claudel und die Beziehung zu ihrem Geliebten, dem Maler Auguste Rodin, geht es am 22. November 2014. Kafkas düsteren „Prozess“ am 27. März 2015 wird der international renommierte, italienische Choreograf Mauro Bigonzetti auf die Bühne bringen. Und um das Paradies und die Vertreibung daraus geht es in Mannes’ Ballett „Paradiso“ am 12. Juni 2015.

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