Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Reif für die Insel
Nachrichten Kultur Weltweit Reif für die Insel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:05 26.09.2013
Von Simon Benne
Very british: Nicola Kleinecke, Mitarbeiterin des hannoverschen Landesmuseums, blickt acht Monate vor Ausstellungseröffnung schon mit einem „Union Jack“-Smartphone auf die Welt. Quelle: dpa
Anzeige

Darf man das? Der Prince of Wales war zwar ein rechter Bruder Leichtfuß, aber ihn so zu zeigen? Wie er sich mit seiner Mätresse im Bett wälzt? „His Highness in Fitz“ steht unter der Karikatur von 1786. Wenn man weiß, dass der spätere König Georg IV. eine skandalöse Affäre mit einer irischen Katholikin namens Maria Fitzherbert hatte, mag man sich gar nicht ausmalen, wie viel Doppeldeutigkeit in diesen vier Wörtern über seine Ho-ho-Hoheit steckt.

Londons Karikaturisten spickten ihre Spottzeichnungen seinerzeit gerne mit philosophischen Anspielungen, scheuten sich zugleich aber nicht, eine nackte Queen oder einen brünftigen König zu zeigen. Tiefschläge auf hohem Niveau: „In England herrschte schon damals Pressefreiheit – und auch Monarchen wurden nicht geschont“, sagt Gisela Vetter-Liebenow, Direktorin des „Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst“.

Anzeige

Unter dem Titel „Königliches Theater“ wird das Haus im hannoverschen Georgengarten vom 16. Mai 2014 an Karikaturen wie diese zeigen – im Rahmen der großen Landesausstellung „Als die Royals aus Hannover kamen“. Das Konzept für die 5,4 Millionen Euro teure Schau zur hannoversch-britischen Personalunion bekommt allmählich klare Konturen: Am Mittwoch präsentierten die Direktoren der fünf beteiligten Ausstellungshäuser neue Details – und überraschten mit der Ankündigung weiterer spektakulärer Leihgaben.

„Wir sind sehr froh, dass Ihre Majestät Queen Elizabeth II. uns aus ihrer Sammlung einen Hosenband-Orden zur Verfügung stellt“, sagt Jochen Meiners, Direktor der Celler Museen. Im Celler Schloss wird 2014 unter dem Titel „Reif für die Insel“ der atemraubende Aufstieg der Welfen im 17. Jahrhundert skizziert. So wird dort die prachtvolle Urkunde zu sehen sein, mit welcher der Kaiser dem hannoverschen Herzog Ernst August 1692 die Kurwürde verlieh. Aus dem Mauritshuis in Den Haag kommen zwei eindrucksvolle Marmorbüsten des englischen Königspaares Wilhelm III. und Maria II. nach Celle. Und das Hauptstaatsarchiv Hannover steuert den „Act of Naturalization“ bei, jenes prächtig gestaltete Dokument, mit dem die Welfen 1706 von Großbritannien gewissermaßen eingebürgert wurden. Als Könige mit Migrationshintergrund saßen die Adeligen aus Hannover dort von 1714 bis 1837 auf dem Thron.

Ihren Wohlstand verdankte die Herrscherfamilie unter anderem dem Silberbergbau im Harz. Bereits vom kommenden Sonnabend an zeigt die kleine Ausstellung „Glanzlichter“ im Celler Schloss prächtige Pokale und teures Tafelgerät aus Welfenbesitz.

Im Landesmuseum wird 2014 als Leihgabe der Queen die Krone zu sehen sein, die 300 Jahre zuvor für Georg I. angefertigt wurde. Das Historische Museum rekonstruiert zeitgleich rund um die berühmte „goldene Kutsche“ des schillernden Georg IV. das Alltagsleben und die große Politik in Hannover und London  zwischen 1814 und 1837. Und im Schloss Herrenhausen werden nach 200 Jahren erstmals wieder die längst in alle Winde verstreuten Kunstschätze von Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn gemeinsam präsentiert – der passionierte Sammler war ein Sohn von Georg II.

Die Landesausstellung erweist sich bereits jetzt als Magnet für weitere Großveranstaltungen: So wird der Celler Teil der Schau am 18. Mai 2014 in Verbindung mit dem Internationalen Museumstag eröffnet, der im kommenden Jahr in Celle stattfindet. Außerdem wird Niedersachsen Gastgeber des 50. Deutschen Historikertages: Bei der europaweit größten Tagung von Geisteswissenschaftlern wird im kommenden Herbst in Göttingen passenderweise Großbritannien das Partnerland sein.
In Sachen Geistesfreiheit war die Inselnation schon zu Zeiten der „Hanoverians“ eine Weltmacht. Napoleon, dem die Londoner Spottzeichner besonders übel mitspielten, wollte im Vertrag von Amiens 1802 sogar festschreiben, dass Karikaturisten „wie Mörder“ behandelt werden sollten. Bessere Werbung hätte er kaum fürs Wilhelm-Busch-Museum machen können: „Unsere Karikaturen“, verspricht dessen Direktorin Vetter-Liebenow für 2014, „werden ein besonders unterhaltsames Kapitel.“

Weltweit Filmkritik zu „Prince Avalanche“ - Wichtel im Wald
Stefan Stosch 25.09.2013
Weltweit Ausstellung im Landesmuseum - Englands Kronjuwelen in Hannover
25.09.2013
Weltweit Trauerfeier für Marcel Reich-Ranicki - Gauck erweist Ranicki die letzte Ehre
25.09.2013