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Weltweit Darf Haarmann in Hannover singen und tanzen?
Nachrichten Kultur Weltweit Darf Haarmann in Hannover singen und tanzen?
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18:57 22.01.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Das Schauspiel sucht Doppelgänger des Massenmörders für ein Musical. Quelle: Montage
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Hannover

Am Mittwoch, 17. Februar, wird um 19.30 Uhr ein – für Hannover – ganz besonderes Stück im Schauspielhaus uraufgeführt. Gespielt wird „Amerikanisches Detektivinstitut Lasso“ von Nis Momme Stockmann. Es ist ein Musical. Es handelt vom Massenmörder Fritz Haarmann. Der hat 24 junge Männer umgebracht. Am 19. Dezember 1924 wurde er vom Schwurgericht Hannover zum Tode verurteilt. In Hannover ist Haarmann ein schwieriges Thema. Hier leben Verwandte der damaligen Opfer. Hier gab es Streit um eine Haarmann-Abbildung in einem Adventskalender und um eine Haarmann-Fahne im Stadion.

Jetzt hat sich die Öffentlichkeitsabteilung des Schauspiels an die Medien gewendet. Für das Stück, das vom Intendanten Lars Ole Walburg inszeniert wird, sucht man noch Kleindarsteller. Gefragt sind Männer zwischen 30 und 50 Jahren. Sie sollen als Doppelgänger von Fritz Haarmann auf der Bühne stehen. Ausgestattet werden sie mit charakteristischen Haarmann-Insignien, dem Hut mit dem hellen breiten Hutband, dem Zweifingerbart und der Krawatte. (Interessenten können sich mit einer Mail an ilka.daerr@staatstheater-hannover.de zum Casting anmelden.)

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Verständlich, dass Medien da nachfragen. Wir wollten vom regieführenden Intendanten gern wissen, warum das Theater Doppelgänger des Massenmörders sucht, und ob es nicht etwas unsensibel ist, Haarmann-Doppelgänger auftreten und vielleicht sogar tanzen zu lassen?

Eine Antwort vom Intendanten gab es nicht. Der sei zu sehr mit den Proben beschäftigt, hieß es. Aber Björn Achenbach, beim Schauspiel Hannover für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, hat geantwortet: „Die Frage, ob Fritz Haarmann in einem Musical singen darf, steht seit der Ankündigung des Projektes im Raum und wurde kontrovers diskutiert. Sie wird auch im Stück verhandelt. Mehr ist dazu im Moment nicht zu sagen.“

Das Stück, soviel lässt sich aus der Ankündigung entnehmen, ist kein Musical über den Massenmörder Haarmann, sondern ein Stück über die Frage, ob man ein Musical über einen Massenmörder aufführen kann. Es geht um die Frage, wie frei die Kunst ist. Die können diverse tanzende und singende Haarmänner auf der Bühne wahrscheinlich auch nicht beantworten. Aber sie können sie stellen.

Bereits am Montag, 15. Februar, um 19 Uhr gibt es eine öffentliche Hauptprobe als Preview.

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