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Weltweit Schauspieler Ulrich Tukur erhält Staatspreis in Hannover
Nachrichten Kultur Weltweit Schauspieler Ulrich Tukur erhält Staatspreis in Hannover
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07:34 01.12.2010
Schauspieler Ulrich Tukur.
Schauspieler Ulrich Tukur. Quelle: Frank Wilde (Archivbild)
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Wissenschaftler haben ihn, Industrielle, große Mediziner – den Niedersächsischen Staatspreis. Jetzt haben ihn mit Wilhelm Krull auch ein Sekretär und mit Ulrich Tukur ein Kabarettist, der auch Schauspieler und Musiker ist. Tukur nutzte die feierliche, stets ein wenig staatstragende Preisverleihung in der Orangerie der Herrenhäuser Gärten zu einer wunderbaren kabarettistischen Einlage. Sie enthielt nicht nur in Hannover unüblichen Spott über den Architekturgeschmack der „hannoverschen Tanzkapelle Scorpions“, sondern auch über die üblichen Familiendanksagungen nach Preisverleihungen an viel beschäftigte Männer. „Da ich meine Frau in dieser Rede nicht inkludiert habe, darf ich sagen: Dieser Scheck ist für sie.“ Immerhin 17 500 Euro. Als Tukur dann ans Klavier eilte und einen Song über das Steinhuder Meer intonierte – einem der wenigen Seen, „in dem man nur im Sitzen ertrinken kann“, war ihm großer Beifall sicher.

Den ernteteten auch die Laudatoren Dieter Wedel und Wolfgang Mauersberg sowie Preisträger Wilhelm Krull, der seit 1996 als Generalsekretär die Geschicke der Volkswagenstiftung leitet, die Jahr für Jahr die enorme Summe von 100 Millionen Euro ausschütten kann. Doch Krull bekomme den Preis nicht dafür, dass er ordentlich seinen Job mache, betonte Mauersberg, sondern weil er unter anderem „die Universitäten vom Gängelband der Wissenschaftsbürokratie befreit“ habe und ein exzellenter Wissenschaftsförderer sei. Eine Rolle dürfte auch der Bau des Schlosses in Herrenhausen gespielt haben, der auch durch „Krull’sches Konsensmanagement“ ermöglicht wird. Herausragend sei Krulls ehrenamtliches Engagement, etwa bei den Göttinger Händel-Festspielen, deren Aufsichtsrat er leitet. Sie werden vom Preisgeld profitieren, denn Krull kündigte in seiner Dankesrede an, zu spenden. Und ermunterte die Festgesellschaft, es ebenso zu tun.

Dieter Wedel, der Regisseur, geizte nicht mit feinsinnigen Betrachtungen, als er das Werk Tukurs würdigte. Der habe „ein großes, geistiges Land mit vielen Provinzen“ in sich, und könne den seelischen Reichtum der in ihm wohne, sichtbar werden lassen. „Unbeschwert lachend spielt er auch das Dunkel hinter dem Lachen.“ Doch am Dienstagabend war allen nur noch unbeschwert zumute. Ministerpräsident David McAllister, der zum ersten Mal den Staatspreis verlieh, lobte die Jury und ihren Vorsitzenden Mauersberg, der nach 22 Jahren dieses Ehrenamt abgeben will. „Ihnen ist wieder eine gute Kombination aus Rationalität und Emotionalität gelungen.“

Viel Beifall – natürlich auch für das aufspielende Posaunen­ensemble Hannover.

Michael B. Berger