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Weltweit Sister Act
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00:15 03.08.2013
Von Hannah Suppa
Danielle Haim (links) und ihre Schwester Este (rechts) von der US-Band Haim beim Glastonbury Festival 2013. Quelle: Facundo Arrizabalaga
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Schön sieht das nicht aus. Wie sie selbstvergessen das Gesicht zu einer Grimasse verzieht, den Mund etwas zu weit geöffnet. Este Haim schüttelt ihr Haar, setzt ihr Bassgesicht auf und: rockt. Das Bassgesicht der Bandältesten zeigt, was die Band Haim ausmacht: Momente der Hingabe zur Musik. Da dürfen dann auch mal die Gesichtszüge entgleisen.

Haim, das sind die Schwestern Este (27, Bass), Danielle (24, Gitarre und Gesang) und Alana (22, Keyboard) aus Los Angeles. Sie sind der momentan angesagteste Pop-Nachwuchs. Die drei jungen Frauen sind Vollblutmusikerinnen mit starken Stimmen. Schon mit den Eltern standen sie in Kindertagen auf der Bühne. Ihr Elternhaus in einem Vorort von L. A. ist das Kreativzentrum, Papa Haim hilft auch mal mit Equipment aus früheren Zeiten aus. „Wir drei sind wie eine Maschine, wenn ein Teil fehlt, dann funktioniert sie nicht mehr“, sagt Alana, die jüngste. Nur kurz wanderte Danielle ab, als Strokes-Frontmann Julian Casablancas sie für seine Tour engagierte.

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Westcoast-Rock mischt sich bei Haim mit R’ n’ B, Joni Mitchell mit Beyoncé, Fleetwood Mac mit Ace of Base. Die drei Schwestern umgibt etwas Mystisches. Wenn sie auf der Bühne ihre langen Mähnen schütteln, dann ist man plötzlich wieder in den Neunzigern. Die Haim-Schwestern kombinieren den Grunge mit der Hipsterness aus Berlin-Mitte und scheuen sich auch nicht davor, Beyoncé abzufeiern. Ihr Auftreten wirkt wie ein durchkomponiertes Instagram-Bild: sehr retro und damit sehr modern.

Die Rollen auf der Bühne sind klar verteilt: Este, die quirlige Beatmaschine am Bass, Danielle, die geheimnisvolle Frontfrau, und das Küken Alana - Identifikationsfigur für die Teenies im Publikum.

Dabei gibt es noch nicht einmal ein Album der Band, zu der auch der öffentlich unsichtbare Drummer Dash Hutton gehört. Denn dafür haben sie einfach keine Zeit. Eine EP konnten sie vor einem Jahr gerade noch veröffentlichen, dann kürte BBC die Schwestern im Januar zum „Sound of 2013“ - und seitdem hyperventiliert die Musikwelt, wenn es um die Haim-Damen geht. Die Songs „Forever“, „Don’t Save Me“ und „Better Off“ sind beim Musikstreamingdienst Spotify millionenfach angehört worden. Das Debüt-Album musste mehrmals verschoben werden, nun soll es im Herbst erscheinen. Eine Tour mit Mumford & Sons sowie Florence + The Machine, Festivalauftritte und Talkshowbesuche kamen dazwischen. Frei? Hatten die drei in den vergangenen Monaten so gut wie nicht.

Die glatte Pop-Produktion der bisherigen, wenigen Aufnahmen passt gar nicht zur Live-Energie, die die drei sonst versprühen. Auf der Bühne wüten sie: Da haben sie keine Scheu vor überlangen Percussion- oder Gitarrensoli, ungenauen Tönen, abgehacktem Gesang - wenn es denn dem Gesamtmusikwerk dient. Sie covern auch ganz selbstverständlich Fleetwood Macs „Oh Well“ und lassen es in ihrem Groove-Rocksong „Honey and I“ aufgehen. Das klingt verdammt gut.

Diese Kraft auf Platte zu verewigen, ist nun der Job von Produzent Ariel Rechtshaid (Vampire Weekend). Haim ist da perfektionistisch - deswegen gibt es so lange kein Album. Egal, wie sehr die Öffentlichkeit drängelt. Bis dahin setzen die Schwestern ihre Ray-Ban-Wayfarer auf und musizieren den Sommer weiter auf den Festivals Europas. Der Sonne, dem Ruhm und dem Debüt entgegen.

Haim tritt am 16. August beim MS-Dockville-Festival in Hamburg auf.

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