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Weltweit Streit um Verfahren für Puhlmann-Nachfolge
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12:25 17.09.2009
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 „Wir bedauern die Entscheidung, den Vertrag von Albrecht Puhlmann über 2011 hinaus nicht zu verlängern und besonders die Verfahrensweise, die zu dieser Entscheidung geführt hat“, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung von Schauspiel-Intendant Hasko Weber, Ballett-Intendant Reid Anderson und dem geschäftsführenden Intendanten Marc-Oliver Hendriks. Eine Nachfolgeentscheidung bis 27. Juli halten die Intendanten für kaum realisierbar. Der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) wies Vorwürfe an seinem Verhalten zurück.

Der Verwaltungsrat hatte am Montag einstimmig beschlossen, den bis Sommer 2011 gültigen Vertrag von Opernintendant Puhlmann nicht zu verlängern. Bei der Sitzung hatte sich zugleich der frühere Intendant der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und derzeitige Kölner Kulturdezernent, Georg Quander, auf Vorschlag von Frankenberg und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) dem Gremium als möglicher Nachfolger vorgestellt.

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Frankenberg rechtfertigte das eilige Vorgehen. Weil bis zum Wechsel 2011 nur wenig Zeit bleibe, habe „rasch“ gehandelt werden müssen, sagte er in Stuttgart. Es sei deshalb „vorsondiert“ worden, wer das Amt erfüllen könne. Dabei habe sich Quander als am meisten geeignet herausgestellt, zumal er verfügbar sei. Frankenberg fügte hinzu, dass mit der Nennung Quanders aber keine Vorentscheidung gefallen sei. Wenn die weitere Sondierung ergebe, dass es einen besseren Kandidaten gebe, werde man sich dem nicht verschließen. Die Personalentscheidung solle am 27. Juli fallen.

„Wir wollten ihn nicht im Verborgenen halten“, begründete Frankenberg das ungewöhnliche Vorgehen weiter. Wenn die Intendanten des Hauses von dem Kandidaten wüssten, müsse auch der Verwaltungsrat informiert werden. Der Minister fügte hinzu, ein Opernintendant brauche zwei Jahre, um sich vorbereiten zu können. Er sehe deshalb zu dem Vorgehen „keine Alternative“. Unterstützung für diesen Kurs bekam er von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Das eindeutige Nein des Verwaltungsrats zu Puhlmann zeige, dass gehandelt werden musste.

In der Erklärung von Anderson, Hendriks und Weber hieß es, der Nachfolgevorschlag sei ihnen vor der Sitzung nicht mitgeteilt worden. Auch dass Quander für eine Vorstellung anwesend sei, habe man nicht vorher erfahren. Dem Beschluss des Verwaltungsrats, unter Einbeziehung der Intendanten weitere Nachfolgevorschläge zu unterbreiten, „werden wir gerne nachkommen“, hieß es weiter. „Wir halten es allerdings für äußerst kurzfristig und deshalb kaum realisierbar, dass der Verwaltungsrat am 27. Juli eine endgültige Entscheidung treffen kann.“

Aus der SPD-Landtagsfraktion wurde der Vorwurf einer „dilettantischen Personalpolitik“ laut. Der SPD-Kulturexperte Peter Hofelich sagte, Frankenberg habe die Mitwirkungsrechte des Verwaltungsrates „eklatant missachtet“. Auch die Grünen kritisierten das Vorgehen. „Wo Frankenberg ist, herrscht politisches Chaos“, sagte der Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter.

ddp

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