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Weltweit Timm Ulrichs als Wasserträger im Garten des Edelhofs Ricklingen
Nachrichten Kultur Weltweit Timm Ulrichs als Wasserträger im Garten des Edelhofs Ricklingen
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19:43 06.08.2013
Erschöpfend: Timm Ulrichs bei seiner Sisyphusarbeit im Garten des Edelhofs. Quelle: von Ditfurth
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Das Problem dabei: Durch Schläuche und über ein paar Zwischenstationen in anderen Tonnen fließt das Wasser wieder zurück in die Ausgangstonne. Eine Sisyphusarbeit. Und genau das sollte es auch sein.

Acht Stunden lang war der Künstler in der Parkanlage des Ritterguts Edelhof Ricklingen am Werk. Mittags war ein Filmteam da, um die Aktion, die er in den Jahren 1968, 1974 und 1975 schon einmal gezeigt hatte, für die Nachwelt festzuhalten. Am späten Nachmittag dann kam das Publikum zur Eröffnung der Ausstellung, die noch bis Ende des Monats zu sehen ist.

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Kippen, schöpfen, kippen, schöpfen

Zu der Zeit hatte Timm Ulrichs mit seiner Eimerschlepperei – mit vollem Eimer hin, mit leerem zurück – schon einen veritablen Trampelpfad im Gras angelegt. Der 73-jährige Künstler ist als Eimerträger nicht schweigsam in seine Arbeit vertieft. Wer will, kann ihn auf seinem Weg begleiten und mit ihm reden.

Und wenn man ihn fragt, ob die Arbeit anstrengend sei, berichtet er davon, wie er vor zwei Wochen in Berlin im Krankenhaus wegen Herzproblemen behandelt worden sei. Dabei geht er stetig weiter auf seinem Pfad, Wasser hin, leerer Eimer zurück, kippen, schöpfen, kippen, schöpfen, kippen, schöpfen. Die Stechmücken nerven.

Wasserkunst. Zwischen Deich und Teich: Das ist der Titel einer Freiluftausstellung in Hannover, die jetzt eröffnet wurde.

Den Künstler nervt mehr die Langeweile. „Das geht mir wirklich auf den Wecker“, sagt er. Und dann erzählt er, wie er für eine Kunstaktion einmal als Aufsicht im Landesmuseum Hannover tätig war. „Meine Güte, war das anstrengend. Es waren nur wenig Besucher da, die Minuten schlichen nur so. Ich bin fast verrückt geworden.“

Das steht heute nicht zu befürchten. Ulrichs zieht ruhig seine Bahnen. Er ist ganz in Künstlerschwarz gekleidet, was bei der Hitze ein Problem sein könnte, andererseits bewegt er sich aber unter dem schattenspendenden Dach der alten Ahornbäume.

Die Tonnen sind mit den Schläuchen nach dem Prinzip kommunizierender Röhren miteinander verbunden.

Das passt: Timm Ulrichs ist ein kommunizierender Künstler. Er erzählt, dass er um 12 Uhr mittags mit der Wasserschlepperei begonnen habe und dass er die Pausen, die er macht, am Ende nacharbeiten müsse.

Er erzählt von Charlie Chaplins „Modern Times“. Und er erwähnt auch seine Arbeiten auf der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer, die man in diesem Sommer noch besichtigen könne. „Da habe ich ziemlich viel Geld verloren“, sagt er.

Ein bisschen albern

Langsam strömen die Besucher in den Park. Um 18 Uhr ist die offizielle Ausstellungseröffnung. Kunstkritiker Michael Stoeber spricht. Die Besucher schauen sich die Arbeiten der zwölf Künstler an. Rolf Sextro hat aus einer heimischen Kletterpflanze eine Art Seil gefertigt, das er zwischen zwei Bäume gehängt hat. Die blaue Liane ist eine schöne, poetische Arbeit.

Siegfried Neuenhausen hat eine Mineralwasserabfüllanlage aus Baumarktmaterial neben den modrigen Teich gestellt. Das wirkt ein bisschen albern.

Die Besucher schauen. Sie trinken Mineralwasser mit wenig Wein. Und unter den Ahornbäumen geht ein dünner Mann mit einem Eimer in der Hand seinen Weg. Immer weiter.

Von Ronald Meyer-Arlt

Bis 31. August. Donnerstags bis sonnabends 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr, sonntags 12 bis 17 Uhr. Führungen am 4., 11., 18. und 25. August, jeweils um 12 Uhr.

 

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