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Weltweit Suhrkamp-Verlag stellt sich hinter Autor Robert Menasse und hält Debatte für erledigt
Nachrichten Kultur Weltweit Suhrkamp-Verlag stellt sich hinter Autor Robert Menasse und hält Debatte für erledigt
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14:52 08.01.2019
Mit seinem Europaroman „Die Hauptstadt“ hat Robert Menasse 2017 den Deutschen Buchpreis erhalten. Quelle: Arne Dedert/dpa
Mainz

Es bleibt beim umstrittenen Preisträger: Trotz Kritik am Umgang mit Zitaten und historischen Daten wird der österreichische Schriftsteller Robert Menasse die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz bekommen. Sie werde am 18. Januar überreicht, teilte die Staatskanzlei in Mainz mit. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte demnach, Menasse habe ein beeindruckendes literarisches Gesamtwerk geschaffen und mit seinem engagierten Streiten für die europäische Idee die politische Debatte um die Zukunft der EU sehr bereichert. In Würdigung dieses Wirkens werde sie ihm die Auszeichnung verleihen.

Bei den Vorwürfen gegen den 64-Jährigen war es Medienberichten zufolge um die von ihm vorgebrachte Behauptung gegangen, dass der erste Kommissionspräsident des EU-Vorläufers Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Walter Hallstein, seine Antrittsrede 1958 auf dem Gelände des früheren NS-Vernichtungslagers Auschwitz gehalten haben soll, was aber nicht der Fall gewesen sein soll.

Der Suhrkamp-Verlag hält zu Menasse

Die Debatte um den Schriftsteller Robert Menasse und seinen Umgang mit Zitaten hält sein langjähriger Verlag Suhrkamp für erledigt. Menasse habe „im Rahmen nicht-fiktionaler Texte und öffentlicher Äußerungen“ Fehler gemacht, erklärte Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil am Dienstag in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Für diese Fehler hat er sich entschuldigt - dem kann der Verlag nichts hinzufügen.“ Am Stellenwert des Werks von Menasse ändere die aktuelle Diskussion nichts.

Menasse: „Für Romane gelten andere Regeln als für Doktorarbeiten“

In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Die Welt“ hatte der Wiener geschrieben, diese Information zur Hallstein-Rede bei seinen Recherchen für den Roman „Die Hauptstadt“ bekommen und ohne weitere Prüfung verwendet zu haben, „denn für Romane gelten andere Regeln als für Doktorarbeiten.“ Für das 2017 veröffentlichte Buch um das Ansehen der EU hatte Menasse den Deutschen Buchpreis erhalten.

Mehr zum Thema: Autor Robert Menasse fälschte in Artikeln Zitate von CDU-Politiker Walter Hallstein

„Falls dieses Detail als historisches Faktum missverstanden wurde, tut mir das leid“, hatte Menasse in dem Gastbeitrag geschrieben. Er habe verschiedentlich darauf hingewiesen, dass er Hallstein nicht wörtlich, sondern sinngemäß wiedergegeben habe. Die Kritik an seinem Umgang mit Zitaten nannte er in dem Beitrag „künstliche Aufregung“.

In der gemeinsamen Stellungnahme Menasses und Dreyers wurde der Österreicher nun mit den Worten zitiert: „Es war ein Fehler von mir, Walter Hallstein in öffentlichen Äußerungen und nicht-fiktionalen Texten Zitate zuzuschreiben, die er wörtlich so nicht gesagt hat.“ Die künstlerische Freiheit im Roman und Spielregeln im politischen Diskurs dürften nicht vermischt werden. „Darauf werde ich achten und darauf können Sie sich verlassen.“

Menasse hat seine Fehler eingeräumt

Laut Staatskanzlei gab es einen intensiven Austausch zwischen Dreyer, Kulturminister Konrad Wolf (SPD) und Menasse. Mit Menasse sei Klarheit darüber hergestellt worden, dass die „vorbehaltlose Anerkennung von Fakten zum Wertefundament unserer liberalen Öffentlichkeit gehört“, sagte Dreyer. Es sei notwendig, Gewissheiten von Annahmen oder Fakten von Meinungen zu trennen. „Ich bin daher heute sehr froh, dass Robert Menasse genau dies erklärt hat, dass er den Fehler eingeräumt hat, dass er eben nicht diese genaue Trennung vorgenommen hat.“ Sein literarisches Werk sei unumstritten.

Kritik kam vom Vorsitzenden der oppositionellen CDU-Fraktion im Mainzer Landtag, Christian Baldauf. „Auch wenn sich Robert Menasse für seine Fehler entschuldigt hat, ist die Verleihung zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Signal“, teilte er mit. Menasse habe Zitate frei erfunden, ihm müsse bewusst gewesen sein, dass Leser auf den Wahrheitsgehalt seiner Texte vertraut hätten. „Gerade in Zeiten von Fake News und einer Vertrauenskrise in mediale Berichterstattung müssen Repräsentanten des Staates deutlich machen, dass sie für Wahrheit und Wahrhaftigkeit einstehen.“

Auch der AfD-Fraktionsvize im Landtag, Joachim Paul, kritisierte die Auszeichnung für den Autor. „Menasse ist ein Zitat-Fälscher und Ereignis-Erfinder, der glaubt, der politische Zweck heilige die Mittel“, erklärte Paul. „Das ist fragwürdig und disqualifiziert ihn. Die Beschädigung des Ansehens der Zuckmayer-Medaille ist die zwangsläufige Folge der Verleihung“, so der AfD-Politiker.

Von RND/dpa

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