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Weltweit Michael Wolf: Der berühmte Großstadtfotograf ist gestorben
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09:31 29.04.2019
Starb in Hongkong: der deutsche Fotograf Michael Wolf. Quelle: Blue Lotus Gallery/dpa
Hongkong

Der preisgekrönte deutsche Fotograf Michael Wolf, der urbanes Leben auf ganz besondere Weise dokumentiert hat, ist tot. Der 64-Jährige starb schon am frühen Donnerstagmorgen im Schlaf in seinem Haus auf der Insel Cheung Chau in Hongkong, wie seine Galeristin in Hongkong berichtete. Der am 30. Juli 1954 in München geborene und in den USA, Deutschland und Kanada aufgewachsene Wolf ist bekannt für seine eindrucksvollen Bilder der größten Metropolen der Welt, insbesondere Hongkong, wo er seit 1994 lebte.

Kleine Hoffnungen in großen Städten

„Sein Werk steht als Metapher für ein Überleben in unseren Städten unter den erschwerten Bedingungen unserer verdichteten Großstädte und einem oft gnadenlosen Kapitalismus“, sagte seine Frau Barbara Wolf. „Dass er trotzdem immer wieder die kleinen Hoffnung machenden, menschlichen Zeichen des Widerstands oder Glücks in seinen Bildern für den aufmerksamen Betrachter subtil versteckt hat, war seine große Kunst und Sensibilität.“

Wolf arbeitete erst als Fotojournalist unter anderem für das Magazin „Der Stern“, wandte sich aber 2003 eigenen Projekten zu. Er gewann 2005 und 2010 den ersten Preis im World Press Photo Wettbewerb, wurde 2011 noch einmal ehrenvoll hervorgehoben. Er war Vater eines Sohnes.

Die Magie von Hochhäuserfassaden

Seine Bilder hängen in großen Museen der Welt wie dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Folkwang Museum in Essen oder dem Rijksmuseum Amsterdam. Bis Mitte Mai ist noch eine Ausstellung mit seinen Arbeiten in Bottrop zu sehen. Sie zeigt Fotografien aus Wolfs Examensarbeit in den 70er Jahren zum Leben in der Bergarbeitersiedlung Bottrop-Ebel.

Wolf hat mehr als 30 Fotobücher über urbanes Leben herausgebracht, darunter sein berühmtes „Architecture of Density“ über Hochhäuserfassaden in Hongkong. Sein Buch „Informal Solutions“ hielt den Charme der Hinterhofgassen der asiatischen Wirtschaftsmetropole und früheren britischen Kronkolonie fest.

„Er entwickelte einen vielschichtigen Ansatz, um die Dynamik dieser Megastadt besser zu verstehen“, teilte seine Familie in einer Würdigung seines Lebenswerkes mit. „Er trat einen Schritt zurück, um die überwältigende Architektur besser abzubilden, während er beständig das Innenleben erkundete, besonders durch die außergewöhnliche volkstümliche Kultur in den Seitengassen.“

Klaustrophobie eingequetschter Menschen

In „Tokyo Impressions“ dokumentiert Wolf die Klaustrophobie eingequetschter Menschen in der vollgepackten U-Bahn während der Rush-Hour in Tokio. „Seine eindrucksvollen Bilder zeigen die menschlichen Kosten und die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit der heutigen Stadtbewohner, die durch den darwinistischen Druck des globalen Kapitalismus gefangen sind“, schrieb der „Guardian“.

Auch wenn ihm Hongkong die größte Inspiration war, teilte Wolf seine Zeit in den letzten zehn Jahren zwischen Asien und Europa auf. In Paris schoss er seine Serie „Paris Rooftops“. In den vergangenen Jahren experimentierte Wolf auch zunehmend mit Installationen. „The Real Toy Story“ integriert Bilder von Arbeitern in chinesischen Spielzeugfabriken in eine Wand mit 16 000 Plastikspielsachen.

Auch sein Zuhause auf der Hongkonger Insel regte seine Kreativität an, wie sein letztes Buch „Cheung Chau Sunrises“ zeigt. „Er freute sich, den nächsten Sonnenaufgang zu sehen, und war neugierig, was sich vor ihm entfalten würde“, teilte seine Familie zu seinem Tod mit. „Jeden Tag wachte er in derselben Landschaft auf, doch sah es jeden Morgen anders aus.“ So sei Michael Wolf gewesen: „Neugierig über das Leben, über Kunst, Fotographie, ein sensibler Beobachter, der die Welt wie kein anderer wahrgenommen hat.“

Sinnbild ist für Platzmangel

Die Fotografien von der Insel vor Hongkong „erscheinen als ein systematischer Gegenentwurf, an einem Ort, der Sinnbild ist für Platzmangel, Smog und permanente Anpassung an die ökonomischen Verhältnisse“, sagte Thomas Gust von Buchkunst Berlin, der das Buch herausgebracht hat. Über Wolfs Werk insgesamt sagte er: „Die Arbeiten Michael Wolfs tragen neben den Merkmalen der topografischen Fotografie immer auch den Ansatz einer sozialkritischen Fotografie in sich - wie auch den Ansatz der Fotoreportage.“ Er sah den „Übergang vom Fotojournalisten zu einer freien Künstlerbiografie“.

Von RND / dpa

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